80 Jahre VN – So digital sind die VN heute

Journalismus lebt vom Kontakt mit den Menschen, auch in Zeiten der Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz.
Schwarzach Wohl für viele Leser ist Karla Kolumna, die rasende Reporterin der Benjamin-Blümchen-Hörspiele, der erste Kontakt mit der Welt der lokaljournalistischen Arbeit. Und auch wenn heutzutage das Smartphone den Block und den Fotoapparat abgelöst hat – die Kerntätigkeit ist und bleibt dieselbe. Dies gilt auch im 21. Jahrhundert, in dem immer mehr Nachrichten online statt auf Papier am Frühstückstisch gelesen werden.

Technologischer Wandel
Bereits vor dem Aufkommen der Künstlichen Intelligenz (KI) hat sich der Arbeitsalltag bei den VN laufend verändert. 2019 ging die größte Zeitung Vorarlbergs mit vn.at den Schritt in die digitale Welt. Im Oktober 2021 startete mit V+ ein digitales Angebot, das Premiuminhalte der VN, VOL.AT und der NEUE kombiniert. Vier Jahre später haben über 16.500 Personen Zugriff auf die Onlineinhalte der VN.
Neue Kanäle
Natürlich wurde bereits zuvor nicht mehr an Schreibmaschinen gearbeitet, doch heute stehen den Redakteurinnen und Redakteuren der Vorarlberger Nachrichten weit mehr technische Möglichkeiten zur Verfügung: Großereignisse wie die Gemeindevertretungswahlen werden multimedial inklusive Livestream begleitet. Interviewformate lassen sich etwa als Podcast neu erleben, wie etwa die Serie “Glücksimpulse” aufzeigte. Und auch abseits davon finden sich die Redakteurinnen und Redakteure immer wieder vor der Kamera, beispielsweise für die Serie “Promis ganz privat”.

Ganz nach den sich verändernden Lesebedürfnissen der Abonnentinnen und Abonnenten sind die VN heute ein Medium, das digital rasch, laufend und multimedial mit journalistischer Kompetenz über aktuelle Entwicklungen berichtet. “Online first” gilt nicht nur als zeitliche Vorgabe, sondern auch als Denkmuster bei der Wahl der journalistischen Mittel: Die Einschränkungen des Papiers sollen sich nicht auf das Onlineprodukt niederschlagen, sondern die gedruckte Zeitung von einem guten Onlineangebot profitieren.

Mit dem Smartphone in der Hand wird der VN-Journalist dabei zum multimedialen Allrounder. Das Gespräch vor Ort mit den betroffenen Menschen aus der Region ist die Grundessenz für guten, ansprechenden Journalismus. Dabei stehen dem Berichterstatter früher ungeahnte Möglichkeiten zur Verfügung: Mit dem Mobiltelefon lassen sich heute Fotos und Videos machen, Gespräche aufzeichnen oder gar ein Livestream starten – je nachdem, was für die Leserschaft den größten Nutzen für das Verständnis der großen Zusammenhänge hat.

“Die redaktionelle Kultur mancher Zeitungen – mit ihrem Anspruch auf Genauigkeit, Verantwortung und Dienst an der Öffentlichkeit – bleibt ein Grundpfeiler demokratischer Gesellschaften”, betont Professor Dr. Neil Thurman der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) die Konstante des guten Journalismus, sei es nun im Printprodukt oder online.

KI als journalistisches Werkzeug
In vielen Medienhäusern regeln inzwischen Leitfäden, wie mithilfe der neuen Technologie die Qualität der Artikel verbessert und durch effizientere Abläufe neue zeitliche Freiräume geschaffen werden sollen. Vor allem in der Analyse komplexer Datenmengen und der Übernahme von Routinetätigkeiten werden die Stärken der Künstlichen Intelligenz gesehen. Dies beginnt beim Transkribieren langer Interviewaufzeichnungen und endet bei der Gestaltung von Printseiten.

Bereits 2023 definierten Reporter ohne Grenzen (RSF) in der Pariser Charta journalistische Standards für KI-Programme, die in den Redaktionen genutzt werden sollten. Inzwischen gibt es mit Spinoza ein von Journalisten und RSF mitentwickeltes Werkzeug im Prototypstatus.

Ein verantwortungsvoller Einsatz der KI kann bei der Erzeugung von attraktivem Lokaljournalismus helfen. “Human in the loop” ist ein Stichwort, um das die Abläufe der VN aufgebaut sind: Die Entscheidung über Inhalt, Form und deren Gestaltung hat schlussendlich immer der Journalist selbst. Bei den VN unterstützt KI heute vor allem in der Recherche und im Redaktionsworkflow: Transkriptionen von Gesprächen, Überschriftvorschläge oder Datenanalysen werden mit KI-Tools vorbereitet – die journalistische Prüfung und Entscheidung bleibt aber stets beim Menschen. Dieser hat damit im Idealfall mehr Zeit, um sich den Menschen und ihren Themen in seiner Region zu widmen, Gespräche zu suchen und den Ursachen hinter den Tatsachen auf den Grund zu gehen.

Print hat seinen Platz
Doch auch die gedruckte Zeitung hat ihren Platz, betont Thurman: International gibt es zahlreiche Beispiele, dass das Printprodukt neben dem Digitalangebot eine Daseinsberechtigung hat. Newsweek in den USA oder NME in Großbritannien etwa haben ihr Printprodukt nach einer mehrjährigen Pause sogar mit einem neuen Konzept wiederbelebt.