“Richter Gnadenlos”: Bei welchen Fahrprüfern Durchkommen Glückssache ist

Die Führerschein-Causa lässt die Wogen weiter hochgehen. Neue VN-Recherchen zeigen jetzt, welche Sachverständige auffällig hohe Durchfallquoten haben.
Bregenz Immer mehr Betroffene melden sich bei den VN. Dutzende Berichte von Fahrschülern, die bei der Fahrprüfung durchgefallen sind, zeichnen ein Bild der Willkür. Der Verdacht, dass in Vorarlberg seit Jahren mit nicht bestandenen Fahrprüfungen ein Geschäftsmodell auf dem Rücken der Prüflinge etabliert wurde, hat sich jedenfalls weiter erhärtet. Die hohen Durchfallquoten scheinen kein Zufall, sondern von einzelnen Beteiligten systematisch herbeigeführt worden zu sein. Ein ehemaliger Sachverständiger schilderte, wie Druck auf ihn ausgeübt wurde, weil zu viele Fahrschüler durchkamen (die VN berichteten). Jetzt zeigen neue Recherchen, wie einzelne Prüfer noch immer Fahrschüler scheinbar ohne Maß und Ziel um die Fahrerlaubnis bringen.
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“Man kann jeden durchfallen lassen, egal wie gut er fährt”, hat der Ex-Prüfer gegenüber den VN aus der Praxis erzählt. Ob jemand bei der Fahrprüfung durchkommt, hängt demnach oftmals weniger vom Können ab als davon, welcher Sachverständige ins Auto steigt. Besonders schlecht sind die Chancen dann, wenn es sich um einen der Richter handelt, die Teil des Sachverständigen-Teams von gesamt 31 Personen sind. Der Mann hat demnach im ersten Quartal 2025, so eine den VN exklusiv vorliegende Analyse, sieben von zehn Prüflingen durchfallen lassen. “Richter Gnadenlos” ist damit aktuell negativer Spitzenreiter, aber längst kein Einzelfall. Auffällig hohe Durchfallquoten gibt es bei knapp einem Dutzend Sachverständiger.
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Ein Prüftag im Mai 2024: Für 14 Fahrschüler wird es ein Tag bleiben, den sie so schnell nicht vergessen werden. Ihr Pech: Zur Abnahme der Fahrprüfung erschien jener Mitarbeiter der Verkehrsrechtsabteilung des Landes, der laut Schilderung mehrerer Quellen im Hintergrund bei Fahrprüfungen die Fäden zieht – obwohl er formal in der Abteilung gar nicht für das Fahrschulthema hauptverantwortlich zuständig ist. 14 Prüflinge waren angetreten, 14 hatte er durchfallen lassen. Bei einem weiteren Prüfungstermin im selben Monat schafften es lediglich vier von 14 Führerschein-Anwärtern. Das ergaben Recherchen der VN. Die Durchfallquote von 85 Prozent spülte in diesem Monat jedenfalls zusätzliches Geld in die Sachverständigen-Kassa. Profitiert hat davon das Netzwerk des Behördenmitarbeiters. Einzelne Prüfer durften sich im Vorjahr auf ein finanzielles Zubrot von bis zu knapp 50.000 Euro freuen – neben dem Gehalt im Hauptberuf.
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Im Jahr 2023 waren 4350 Fahrschüler bei der praktischen Prüfung durchgefallen. Die Zahlen für das Vorjahr hält das Land trotz mehrfacher VN-Anfrage unter Verschluss. Sie dürften noch einmal angestiegen sein und mit ihr die Nebeneinkünfte der externen Sachverständigen (Staatsanwälte, Richter und im Wesentlichen leitende Exekutivbeamte) und der internen Prüfer im Landesdienst. Jede gescheiterte Fahrprüfung bedeutet zusätzliche Einnahmen. Das Geld fließt quasi in einen gemeinsamen Topf und wird durch die Einteilung der Prüfer wieder ausgeschüttet. Beim Land heißt es, man achte auf eine ausgewogene und wechselnde Zuteilung.
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Die Fahrprüfungen stehen in der Verantwortung der Verkehrsrechtsabteilung des Landes. Dort scheinen sie auch bei den eigenen Mitarbeitern eine beliebte Form der Nebenbeschäftigung darzustellen. Dabei hat sich eine der hausinternen Sachverständigen zuletzt mit besonders hohen Durchfallquoten hervorgetan. Gegenüber den VN haben seit den Enthüllungen viele der Betroffenen ihren Namen erwähnt. Aktuelle Recherchen bestätigen den Eindruck. Mit einer Durchfallquote von knapp 65 Prozent liegt sie im ersten Quartal 2025 im Ranking der Prüfer auf Platz zwei – freilich im negativen Sinne.