“Der Wolf muss Todesangst vor Menschen haben” – So reagiert der Alpbesitzer auf Wolfsriss

Vorarlberg / 24.07.2025 • 06:00 Uhr
"Der Wolf muss Todesangst vor Menschen haben" - So reagiert der Alpbesitzer auf Wolfsriss
Die Rückkehr der Wölfe nach Mitteleuropa sieht der Baron von Gemmingen-Hornberg als Erfolg. Zum Schutz der ebenfalls wertvollen Alpen in Hochlagen brauche es aber Pragmatismus. Canva, Vorarlberger Jägerschaft

Baron von Gemmingen-Hornberg ist Grundbesitzer der Alpe im Biosphärenpark, auf dem wohl ein Wolf ein Jungrind riss. Er sieht genug Platz für Wolf, Mensch und Rind – bei einem entsprechend pragmatischen Ansatz.

Raggal, Friedenfels (D) “Ganz grundsätzlich: Die Rückkehr der Wölfe nach Mitteleuropa ist ein großer Erfolg des Artenschutzes”, betont Eberhard Baron von Gemmingen-Hornberg. Der baden-württembergische Adelige aus einem reichsfreien Rittergeschlecht ist Grundeigentümer im Biosphärenpark Großes Walsertal – so auch von der Alpe Faludriga. Hier wurde am Dienstag ein Jungrind getötet und ein weiteres verletzt, vermutlich Opfer eines Wolfs.

"Der Wolf muss Todesangst vor Menschen haben" - So reagiert der Alpbesitzer auf Wolfsriss
Der Baron von Gemmingen-Hornberg gehört jener Boden, auf dem der Biosphärenpark Großes Walsertal gedeiht. Er ist damit Alpbesitzer – aber auch Jäger. Vorarlberger Jägerschaft

Der Baron ist nicht nur Grundbesitzer, sondern auch Jäger. In Vorarlberg setzt er sich nicht zuletzt für eine artgerechte Zukunft des Steinwilds wie der Gams ein. Bei dem Wolf würde er auf einen pragmatischen Ansatz setzen: Der Beutegreifer sei so anpassungsfähig, dass er sich in unsere Kulturlandschaften problemlos einfügen könne. Es sei angesichts ihrer Lebensweise “töricht”, in kleinräumigeren Dimensionen als Gesamteuropa zu denken.

Nebeneinander auf europäischer Ebene

Unterm Strich brauche es ein Nebeneinander von Alpwirtschaft und dem Wolf. Die Rückkehr des Beutegreifers in den deutschsprachigen Alpraum bringe ein Paradoxon mit sich: Der für den Naturschutz relevante Wolf bedrohe die ebenfalls für den Naturschutz relevante Beweidung auf den Alpflächen.

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“Durch eine extensive Beweidung mit Rindern erhöht sich auf den Weideflächen die Artenvielfalt an Pflanzen und Kleinlebewesen ganz markant”, stellt sich der Waidmann hinter die Alpwirtschaft. “Würde diese Beweidung aufhören, wäre dies eine Katastrophe für den Natur- und Artenschutz – und letztlich auch für die Landwirtschaft, den Tourismus und die Menschen.” Entsprechend stellt er den Erhalt der aus seiner Sicht verhältnismäßig kleinen Flächen solcher Hochalpen über die Bedürfnisse des Wolfs.

Jagd auf den Beutegreifer

Sein Vorschlag: Zwar müssen beide Seiten wieder lernen, miteinander zu leben. Etwa stelle sich die Frage, ob Kühe für Wölfe weniger attraktiv wären, wenn man ihnen ihre Hörner lassen würde. Der lernfähige Wolf müsse sich jedoch den vom Menschen vorgegebenen Regeln unterordnen. “Der Wolf muss Todesangst vor Menschen haben. Eine ganz reguläre Bejagung ist dafür der beste Weg, schließlich ist die Population in Europa gesichert.”

Für ein halbwegs harmonisches Zusammenwirken von Wolf und Mensch wäre in Europa noch genügend Platz, selbst wenn man die hochgelegenen Alpflächen für Tabuzonen der dauerhaften Ansiedlung von Wölfen erklären würde. “Mit wenig Ideologie, aber viel Pragmatismus und Sachkunde ist ein Nebeneinander von Mensch, Wolf und Naturschutz durchaus möglich.”

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