PV-Einspeisung wird eingedämmt

Regierung plant Netzgebühr: „Gemischte Gefühle“ beim Vorarlberger Energieinstitut.
SCHWARZACH. Es wirkt wie eine weitere Maßnahme gegen die Energiewende im Allgemeinen und Photovoltaikanlagen im Besonderen: Nachdem die Bundesregierung im Frühjahr die Umsatzsteuerbefreiung dafür gestrichen hat, wird jetzt die Einführung einer Gebühr für die Einspeisung von Strom geplant, der mit diesen Anlagen erzeugt wird, die es auf immer mehr Dächern gibt.
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„Ich sehe das mit gemischten Gefühlen“, sagt Martin Reis, Geschäftsführer des Vorarlberger Energieinstituts, zur Netzgebühr, die vorgesehen ist: Einerseits sei der Ausbau der erneuerbaren Energie bzw. der Photovoltaik (PV) erfreulich. Andererseits werde hierzulande an schönen Feiertagen schon mehr PV-Strom erzeugt, als im Land gebraucht werde: „Das bringt das Netz auf Dauer an seine Belastungsgrenze.“
Wenn PV weiter ausgebaut wird, braucht es laut Reis Anreize, den Strom selber zu verbrauchen oder zu speichern und erst dann ins Netz einzuspeisen, wenn ein Bedarf dafür besteht. Die Gebühr sei ein Versuch, darauf hinzuwirken.

Wann sie kommen wird und wie hoch sie sein wird, sei offen, heißt es im Wirtschaftsministerium. Gestern ist erst ein Gesetzesentwurf in Begutachtung gegangen. Für Fragen wie die genaue Höhe wird laut einer Sprecherin von Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) schlussendlich die unabhängige Regulierungsbehörde „E-Control“ zuständig sein. Vorgesehen ist offenbar Flexibilität: „Wer das Netz stärker beansprucht, etwa durch die Einspeisung zu ungünstigen Zeiten, wird mehr zahlen müssen. Wer das Netz entlastet, wird durch geringere Entgelte belohnt“, so die Sprecherin.
Geplant ist außerdem eine „Spitzenkappung“. Bei drohender Netzüberlastung sollen demnach in jedem Fall nur noch bis zu 60 Prozent der Leistung eingespeist werden dürfen. Allerdings soll es da höchstens um ein paar Minuten am Tag gehen.

Aus Sicht von Martin Reis wird es darauf ankommen, behutsam zu sein: Vernünftig wäre etwa „eine kleine Handreichung“ für Hausbesitzer, die erst Geld in eine größere Anlage investiert haben und dabei noch keine Gebühr auf dem Radar haben konnten: Sie sollten nicht vor den Kopf gestoßen werden, warnt Reis. Sonst laufe man Gefahr, den PV-Trend zu brechen.
Philipp Kühne ist Geschäftsführer der Firma „FixPV“ in Götzis, die Anlagen anbietet. Für ihn ist die Netzgebühr „ein logischer Schritt, der kommen musste“, wie er sagt: „Wenn zu viel Strom eingespeist wird, haben die Netzbetreiber ein Problem.“ Negative Effekte befürchtet er nicht: „Wer eine PV-Anlage besitzt, sollte schauen, dass er auf Batteriespeicher setzt und den Strom, den er produziert, auch selber nützt. In zehn Jahren hat sich das amortisiert. Vor allem auch, weil der Strompreis sehr wahrscheinlich weiter steigen wird.“

Zumindest die Streichung der Umsatzsteuerbefreiung ist laut Kühne übrigens ohne große Folgen geblieben: Durch eine neue Förderung, die über die Abwicklungsstelle für Ökostrom, ÖeMAG, vergeben wird, sei es unterm Strich nur zu einer marginalen Verteuerung gekommen. Bei einer Anlage um 15.000 bis 20.000 Euro mache sie rund 200 bis 300 Euro aus.