„Schere zwischen Arm und Reich wächst“

Vorarlberg / 29.06.2025 • 11:46 Uhr
„Schere zwischen Arm und Reich wächst“
Menschen wie Elmar Stüttler, der sich mit dem Verein “Tischlein Deck Dich” um Hilfsbedürftige bemüht, bleibt viel zu tun im Land. Er baut dafür sogar eine neue Schiene auf. Foto: VN/Paulitsch

Vorarlberg: Finanzielle Lage der Haushalte entwickelt sich laut Caritas weiter auseinander.

SCHWARZACH. Auf den ersten Blick entspannt sich die finanzielle Lage der Haushalte österreichweit, aber auch in Vorarlberg. Vor zwei, drei Jahren hat sie sich deutlich verschlechtert, als die Teuerung ihren Höhepunkt erreicht hat. Hier ist aber immer nur vom Durchschnitt der Haushalte die Rede. Schaut man genauer hin, erkennt man, dass ein erheblicher Teil noch immer zu kämpfen hat, ja es laut Caritas sogar verstärkt zu tun hat.

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Fast jeder zweite Haushalt hat bei einer „Statistik Austria“-Erhebung zu sozialen Krisenfolgen im ersten Quartal heuer angegeben, dass das verfügbare Einkommen in den letzten zwölf Monaten gestiegen ist. Umgekehrt hat ungefähr jeder fünfte das Gefühl, dass es gesunken ist. Außerdem berichtet gut jeder zehnte, nur mit großen Schwierigkeiten oder mit Schwierigkeiten über die Runden zu kommen.

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Die Erhebung wird vier Mal jährlich durchgeführt. Alles in allem sieht Walter Schmolly, Direktor der Caritas Vorarlberg, eine „positive Entwicklung“. Insofern nämlich, als die Anteile derer, die zu kämpfen haben, tendenziell zurückgehen. Das spüre man auch in der Beratung, so Schmolly: „Erstmals seit Längerem ist die Zahl der Menschen, die Unterstützung suchen, leicht rückläufig.“ Es handle sich um weniger als vor einem Jahr, aber noch immer mehr als vor zwei Jahren.

Caritas-Direktor Walter Schmolly betont: Asylwerber wollen arbeiten, es scheitert oft an den Rahmenbedingungen.  VN/Stiplovsek
„Die Situation derer, die sich von den Krisenfolgen nicht erholen, wird von Quartal zu Quartal schwieriger und aussichtsloser”, sagt Caritas-Direktor Walter Schmolly.  Foto: VN/Stiplovsek

Schmolly sieht jedoch etwas „Kritisches“: „Die Situation derer, die sich von den Krisenfolgen nicht erholen, wird von Quartal zu Quartal schwieriger und aussichtsloser. Wir sehen das daran, dass in unseren Beratungsstellen die Summe der erforderlichen Lebensmittelgutscheine und Überbrückungshilfen für die Wohnkosten steigt, obwohl die Zahl der Klientinnen und Klienten insgesamt sinkt.“

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Daraus zieht der Caritas-Direktor folgenden Schluss: Denjenigen, die Unterstützung brauchen, gehe es im Schnitt „erheblich schlechter“. „Das ist auch ein deutliches Indiz dafür, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich gerade wieder weiter öffnet“, so Schmolly.

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Wie groß der Mangel bei einem Teil der Haushalte ist, lässt sich auf Basis einiger Befragungsergebnisse zu sozialen Krisenfolgen erahnen: Bei 24 Prozent der Vorarlberger Haushalte ist eine einwöchige Urlaubsreise pro Jahr nicht drin. 23 Prozent fehlen Reserven, um eine unerwartete Ausgabe von 1570 Euro tätigen zu können; sie müssen sich das Geld ausleihen. 14 Prozent geben an, sich nicht einmal eine Kleinigkeit, wie ein Eis oder einen Kinobesuch, pro Woche leisten zu können. Einmal im Monat mit Freunden Essen oder etwas Trinken zu gehen, ist für neun Prozent nicht drin. Drei Prozent haben keine zwei Paar Alltagsschuhe, von denen eines wetterfest ist: Diese Angaben für ein einzelnes Land unterliegen zwar einer größeren Schwankungsbreite. Sie decken sich jedoch weitgehend mit denen, die sich auf Basis von 3800 Befragungen österreichweit ergeben.

„Schere zwischen Arm und Reich wächst“
„Da kommen viele, die wir bisher nicht erreicht haben”, fasst Elmar Stüttler erste Erfahrungen mit den “guten Läden” zusammen. Foto: VN/Stiplovsek

Dass nach wie vor Nöte existieren, weiß man auch beim Verein „Tischlein Deck Dich“, der in Vorarlberg Lebensmittel ausgibt. Der Verein hat eine neue Schiene gelegt, um Menschen zu helfen, die Unterstützung brauchen: Bewusst nicht unter dem Titel „Sozialmarkt“, sondern unter dem Namen „Mein guter Laden“ hat er im Spätwinter zwei Geschäfte eröffnet, in denen mit einer Berechtigungskarte um 50 bis 80 Prozent unter den üblichen Marktpreisen eingekauft werden kann: eins in Bludenz und eins in Feldkirch. „Da kommen viele, die wir bisher nicht erreicht haben“, erklärt Vereinsobmann Elmar Stüttler. Es sind insgesamt so viele aus dem ganzen Land, dass der Russ-Preisträger für Herbst einen weiteren Laden ankündigt. Er soll in Dornbirn entstehen.