“Innerhalb der nächsten zehn Jahre werden wir Windräder in Vorarlberg haben“

Windmessmast auf der Alpe Rauz wird demnächst installiert, neuer potenzieller Standort im Rheintal.
Schwarzach 112,7 Quadratkilometer bzw. 4,3 Prozent der Gesamtfläche Vorarlbergs gelten theoretisch als windkrafttauglich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zum Windenergiepotenzial, die im April 2023 vom Land präsentiert wurde. Österreichweit sind der IG Windkraft zufolge derzeit 1451 Windräder in sechs Bundesländern in Betrieb. In Vorarlberg herrscht, wie auch in Salzburg und Tirol, weiterhin Windkraft-Flaute.
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Die Pläne am Pfänderrücken, dem neben dem westlichen Bregenzerwald das größte Windpotenzial im Land bescheinigt wird, wurden nach über zehn Jahren Entwicklungszeit von der Gemeinde Möggers auf Eis gelegt, da drei der vier in der Gegend vorstellbaren Windkraftanlagen in neu festgelegten Quellschutzgebieten errichtet werden würden. Patrick Domig, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie Vorarlberg, ist dennoch „fest davon überzeugt, dass wir innerhalb der nächsten zehn Jahre Windräder in Vorarlberg haben werden“. Die illwerke vkw betont: „Neben unserer wichtigsten Energiequelle, der Wasserkraft, und der Sonnenenergie hat Windkraft das Potenzial, ein wertvoller Bestandteil des Vorarlberger Energiemixes zu werden.“

Am weitesten fortgeschritten ist aktuell das Projekt auf der Alpe Rauz in Klösterle, wo die Liechtensteiner Gemeinde Gamprin gemeinsam mit illwerke vkw und weiteren Kooperationspartnern einen Windpark mit bis zu zehn Windrädern errichten möchte. Ein weiterer potenzieller Standort hat sich laut AEEV unlängst im mittleren Rheintal aufgetan. Die illwerke vkw ist derzeit zudem dabei, “Potenzialflächen zu identifizieren, die für die Nutzung von Windkraft grundsätzlich infrage kommen”, erläutert illwerke vkw-Sprecher Andreas Neuhauser. “Dazu gehören auch Gespräche mit den entsprechenden Gemeinden. Dort, wo wir die Zustimmung der Gemeinden haben, gehen wir in einen Austausch mit den Grundstückseigentümern.” Um konkrete Flächen oder Standorte zu nennen, sei es derzeit aber noch zu früh. Vorerst nicht weiterverfolgt werden zwei mögliche Projekte in Brand und in Feldkirch an der unteren Ill. „Die beiden Vorprüfungen haben im Wesentlichen keine sehr guten Ergebnisse geliefert“, berichtet Energielandesrat Daniel Allgäuer.

Auf der Alpe Rauz, die der Gemeinde Gamprin gehört, wurden bereits Windmessungen mit Laser durchgeführt. Für Juni ist die Installation eines 80 Meter hohen Windmessmasts geplant. „Der Mast kann erst installiert werden, wenn dort kein Eis und kein Schnee mehr liegen“, führt Neuhauser aus. Die Messungen sollen etwa ein Jahr lang dauern.

Am potenziellen Standort im mittleren Rheintal wurden laut Patrick Domig die Windmessungen, die gemeinsam mit dem Windkraftentwickler WEB ein halbes Jahr lang durchgeführt wurden, abgeschlossen. Die Messergebnisse seien brauchbar, „aber es ist sicher kein Spitzenstandort“, sagt der AEEV-Geschäftsführer. Außerdem gebe es noch viel zu klären, von der Zufahrt bis zur Grundstückerschließung. „Es betrifft auch mehrere Grundeigentümer. Wenn, dann macht eine Erschließung nur für alle gemeinsam Sinn“, ergänzt Domig, der mit einer Entwicklungszeit von fünf bis zehn Jahren rechnet.

Energielandesrat Allgäuer verweist auf ein neues Landesgesetz, das es ermöglicht, sogenannte Beschleunigungsgebiete für erneuerbare Energieträger auszuweisen. Sollte eine Windkraftanlage in einem entsprechenden Gebiet errichtet werden, kann unter bestimmten Voraussetzungen auf eine langwierige Naturverträglichkeitsprüfung verzichtet werden. „Wir sind generell technologieoffen und möchten Windkraft haben, aber nicht an jedem Standort und entscheidend ist immer, dass es im Einvernehmen mit der jeweiligen Gemeinde erfolgt“, unterstreicht Daniel Allgäuer.
