Gefällte Bäume an der A14 – “Was ist denn mit dem Naturschutz?”

Seit Wochen wird entlang der A14 bei Lauterach Holz geschlagen. Betroffene können die Maßnahme nicht nachvollziehen.
Darum geht’s:
- Bäume an der A14 aus Sicherheitsgründen gefällt
- Anrainer besorgt wegen erhöhter Lärmemissionen
- Asfinag versichert Notwendigkeit und künftige Lärmschutzmaßnahmen
Lauterach “Sie machen hier quasi tabula rasa”, klagt Klaus Gohm. “Die höchsten Bäume sind bereits weg.” Seit Wochen fahren entlang des Lindenwegs in Lauterach die schweren Maschinen im dünnen Waldstreifen zwischen der Autobahn und dem Gemeindegebiet ein und aus. Am Wegrand stapeln sich die Baumstämme, an manchen Bereichen steht kein einziger ausgewachsener Baum mehr.

Aus Gohms Sicht ein tragischer Verlust. Nicht nur, dass der Lindenweg durch die massiven Holzarbeiten massiv an Attraktivität als Naherholungsgebiet verliert. “Für die Anrainer bedeutet dies doch ein Mehr an Emissionen wie Feinstaub und Lärm”, ist er überzeugt. “Hier war der Wald früher dicht, es war vollkommen zu”, erinnert sich Gohm. Nun ist freie Sicht auf die Autobahn.

Informiert fühlt sich der Lauteracher nicht. “Auf der Gemeinde sagte man mir, das sei Sache der Asfinag. Das fand ich etwas schwach”, fühlt er sich weder vertreten noch informiert. Für ihn fühlt es sich so an, als ob es niemand interessiere. “Wo ist da der Naturschutz? Fühlt sich niemand zuständig?”
Asfinag erklärt sich
Vonseiten der Asfinag nennt man zwei Gründe für die Holzarbeiten: Einerseits machten Sturmschäden aus dem Vorjahr mehrere der Bäume zu einem Sicherheitsrisiko, sowohl für die Autobahn als auch für den parallel verlaufenden Radweg. So seien bereits einzelne Bäume durch die Schäden umgestürzt. Andererseits besteht das Wäldchen überwiegend aus Eschen. Unter diesen wütet der Schlauchpilz Hymenoscyphus fraxineus – das Eschentriebsterben, das den Fortbestand der ganzen Baumart gefährdet. Gemeinsam mit der Forstabteilung der Bezirkshauptmannschaft Bregenz habe man sich daher für die Fällungen entschieden.

“Psychologischer Effekt”
“Einige wenige Baumreihen haben keine Lärmschutzwirkung”, entgegnet Asfinagsprecher Alexander Holzedl den Befürchtungen der Anrainer. Hier handle es sich eher um einen psychologischen Effekt: Da die Bäume bisher die Sicht nahmen, war man sich der nahen Autobahn weniger bewusst. Da sie nun sichtbarer ist, konzentriert man sich stärker darauf und hört sie daher auch besser. Damit ist es aber nicht getan: “Ein Lärmschutzwall ist hier bereits vorhanden”, versichert Holzedl.
Dennoch waren bereits vertiefende Lärmuntersuchungen bei Lauterach geplant, weitere Maßnahmen könnten daher die nächsten Jahre folgen. Und auch der bisher von den alten Bäumen im Schatten gehaltene Niederwald hat nun die Chance, mit mehr Licht in die Höhe zu streben. Dieser wird die gefällten Bäume auf natürlichen Wege wieder ersetzen.

“Ich bin kein Forstfachmann, für mich sahen die Bäume gesund aus”, war für Gohm die Gefahrensituation nicht ersichtlich. Er sieht nun vor allem die Schäden am Erscheinungsbild: Für die Holzarbeiten wurden Wege durch den dichten Hain geschlagen, auf denen die schweren Maschinen verkehren. “Da ist der Boden nun verdichtet, da wächst doch so schnell nichts nach”, zweifelt er.