Lockdowns, Quarantäne, Modellregion: Vorarlbergs Pandemie-Chronik

Von leeren Straßen während der ersten Lockdowns bis zur umstrittenen Modellregion im Frühjahr 2021 – die Coronapandemie hat Vorarlberg tief geprägt. Fünf Jahre nach dem Ausbruch des Virus wirft diese Chronik einen Blick zurück auf eine der herausforderndsten Phasen der jüngeren Geschichte des Landes.
Darum geht’s:
- Vorarlberg erlebte strikte Lockdowns und regionale Quarantänen.
- Im März 2021 wurde Vorarlberg zur Modellregion erklärt.
- Impfkampagne und Öffnungsschritte brachten Hoffnung auf Normalität.
Schwarzach Die Coronapandemie hat Vorarlberg, wie den Rest der Welt, vor beispiellose Herausforderungen gestellt. Von den strikten Lockdowns im Jahr 2020 bis zur Sonderrolle als Modellregion im Frühjahr 2021 war die Entwicklung von Unsicherheit, Anpassung, aber auch von Hoffnung geprägt.


Begonnen hat die Pandemie in Österreich am 25. Februar 2020, als die ersten bestätigten Fälle gemeldet wurden. Am 5. März wurde der Virus dann Vorarlberg nachgewiesen: Ein Student aus Mellau hatte sich in Wien infiziert und reiste am 2. März nichts ahnend nach Hause. Er wurde am LKH Hohenems behandelt. Seine Mutter, eine Volksschullehrerin, blieb umsichtigerweise der Schule fern, wurde aber negativ getestet.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
Der erste “harte” Lockdown
Am 12. März wurde die Skisaison in Vorarlberg für beendet erklärt, mit 16. März 2020 trat Vorarlberg zusammen mit ganz Österreich in den ersten Lockdown ein. Die rapide Zunahme an Infektionszahlen führte zu umfassenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens.

Schulen, Geschäfte (außer jene des täglichen Bedarfs) und Gastronomiebetriebe wurden geschlossen. Ausgangsbeschränkungen reduzierten soziale Kontakte auf ein Minimum.

- Dauer: Der erste Lockdown dauerte 29 Tage. Erste Lockerungen kamen mit Ostern Mitte April, zwischen 1. Mai und 15. Juni wurden die Maßnahmen stufenweise gelockert.
- Quarantäne-Zonen: Besonders betroffen waren die Arlberggemeinden, diese wurden am 17. März 2020 unter Quarantäne gestellt. Auch Nenzing wurde zeitweise abgeriegelt.

Im Zuge der Pandemiebekämpfung verhängte die Vorarlberger Landesregierung mehrfach Quarantänemaßnahmen und Ausreisetestpflichten für besonders betroffene Regionen. Am 17. März wurden die mit dem Tiroler Arlberg verbundenen Vorarlberger Gemeinden Lech, Warth und Schröcken sowie der Ortsteil Stuben in Klösterle unter Quarantäne gestellt. Wenige Tage später, ab dem 22. März, folgte die Quarantäne für die Ortsteile Nenzing-Dorf und Beschling in der Marktgemeinde Nenzing, wodurch Reisezüge die Haltestellen Nenzing und Schlins-Beschling ohne Halt passierten. Diese Maßnahmen wurden am 4. April aufgehoben.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
Im Sommer 2020 entspannte sich die Lage vorübergehend, doch die Infektionszahlen stiegen ab August wieder an.
Die zweite Welle und weitere Lockdowns
Mit Herbst 2020 begann die zweite Welle der Pandemie. Die Regierung versuchte zunächst ab September mit der Corona-Ampel und einem „Lockdown light“ ab dem 3. November gegenzusteuern, doch die Maßnahmen reichten nicht aus. In der Messe Dornbirn wurde ein Not-Spital eingerichtet und Teststraßen eingerichtet.

Am 17. November folgte ein harter Lockdown, der bis zum 6. Dezember andauerte und vom “Lockdown light” abgelöst wurde. Am 26. Dezember 2020 begann ein dritter strikter Lockdown, der bis Mitte Januar 2021 anhielt.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
Insgesamt erlebte Vorarlberg bis Ende 2021 folgende Lockdowns:
- Erster harter Lockdown: März – April 2020
- Lockdown light: November 2020
- Zweiter harter Lockdown: November – Dezember 2020
- Dritter harter Lockdown: Dezember 2020 – Januar 2021
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
Vorarlberg als Modellregion
Am 15. März 2021 wurde Vorarlberg zur österreichweiten Modellregion für Öffnungsschritte erklärt.

- Warum Vorarlberg? Die anhaltend niedrige Inzidenz von unter 100 pro 100.000 Einwohner machte das möglich.
- Maßnahmen in der Modellregion: Gastronomie, Schulen, Sport- und Kultureinrichtungen durften unter strengen Zutrittsregeln (FFP2-Maskenpflicht, Tests) wieder öffnen.
- Wissenschaftliche Begleitung: Die Auswirkungen dieser Öffnungen wurden durch die AGES und andere Institutionen intensiv überwacht.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
Aufgrund der Verbreitung der britischen Virusvariante trat am 25. März eine einwöchige Ausreisetestpflicht für das Leiblachtal in Kraft. Ähnliche Maßnahmen wurden für den Bregenzerwald ab dem 21. April und das Rheindelta ab dem 5. Mai erlassen. Die letzten dieser Beschränkungen, für den Bregenzerwald und das Rheindelta, endeten schließlich am 11. Mai.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
Mit dem 19. Mai wurde der 3G-Nachweis in ganz Österreich zur Zutrittsbedingung für die Gastronomie und Veranstaltungen. Mit September 2021 wurde daraus nach und nach 2G – die Impfung wurde neben der Genesung immer stärker zur Grundvoraussetzung, um am sozialen Leben teilzuhaben. Ab dem 15. November galt der Lockdown für Ungeimpfte, vom 22. November bis 12. Dezember ein allgemeiner Lockdown.

Im Februar 2022 endete der Lockdown für Ungeimpfte, im Juni die Maskenpflicht in Supermärkten und öffentlichen Verkehrsmitteln – in Wien erst mit März 2023 . Mit 29. Juni 2023 endeten in Österreich nach über drei Jahren alle noch verbliebenen Corona-Maßnahmen.
Die Chronologie der Pandemie:
25. Februar 2020: Erste bestätigte Fälle in Österreich: Ein italienisches Paar in Innsbruck wird positiv getestet.
11. März 2020: Die WHO erklärt Covid-19 zur Pandemie. Größere Veranstaltungen (500 Teilnehmer outdoor, 100 indoor) werden in Österreich verboten, der Uni-Betrieb und die Einreise aus Risikogebieten eingeschränkt.
12. März 2020: Der erste Corona-Todesfall wird gemeldet.
16. März 2020: ERSTER LOCKDOWN (Sieben-Tages-Inzidenz 12, 200 bis 300 Neuinfektionen, zwei Todesfälle).
20. März 2020: Weitere Sperrungen: Auch Reha- und Kurhäuser, Thermen sperren zu, Besuche in Spitälern und Pflegeheimen sind weitgehend untersagt.
6. April 2020: Supermärkte dürfen nur noch mit Mund-Nasen-Schutz betreten werden.
14. April 2020: Beginn schrittweiser Lockerungen: Kleine Geschäfte und Baumärkte dürfen aufsperren, aber Maskenpflicht in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln. Einreisebeschränkungen für Familienangehörige oder Lebenspartner werden etwas gelockert.
1. Mai 2020: Ende der Ausgangsbeschränkungen, Treffen von maximal 10 Personen erlaubt.
15. Mai 2020: “Neue Normalität” bei im Schnitt täglich 50 Neuinfektionen: Unter strengen Sicherheitsauflagen öffnen Gastronomie und Museen.
15. Juni 2020: Die Maskenpflicht fällt großteils. Die AUA nimmt (stark eingeschränkt) nach drei Monaten den Linienflugverkehr wieder auf.
24. Juli 2020: Die Zahlen steigen deutlich, es gilt wieder Maskenpflicht im Lebensmitteleinzelhandel, Supermärkten, Gesundheitseinrichtungen, Banken etc.
4. September 2020: Die Corona-Ampel startet auf “grün”, mit nur vier “gelben” Regionen (Wien, Linz, Graz und dem Bezirk Kufstein) – und Streitereien über Kriterien und Konsequenzen.
14. September 2020: Die Neuinfektionen sind sprunghaft auf teils über 900 angewachsen. Die Regierung verfügt Maskenpflicht in fast allen öffentlich zugänglichen Innenräumen.
21. September 2020: Weitere Beschränkungen für Zusammenkünfte und Veranstaltungen sowie in der Gastronomie.
28. September 2020: In Wien müssen sich Gäste in der Gastronomie registrieren lassen. In der Folge ergreifen auch andere Länder diese Maßnahme.
15. Oktober 2020: Die Corona-Ampel zeigt erstmals “rot”, in vier Bezirken. Einige Länder verbessern den Schutz von Alters- und Pflegeheimen.
3. November 2020: “Lockdown light”: Handel und persönliche Dienstleister bleiben offen, auch Volksschulen, Unterstufen, Kindergärten. Oberstufen und Unis wechseln auf Distance Learning. Der Ausgang ist nachts beschränkt, Gastronomie, Freizeiteinrichtungen, Theater, Museen, Kinos und Hotels (für Touristen) sind geschlossen.
13. November 2020: Bisheriger Höchstwert an Neuinfektionen (9.586).
17. November 2020: ZWEITER LOCKDOWN (Sieben-Tages-Inzidenz von 535, 4.525 Spitals-, 658 Intensivpatienten): Handel und Dienstleister (außer Grund- und Gesundheitsversorgung) müssen zusperren, Ausgangsbeschränkungen rund um die Uhr.
7. Dezember 2020: Der Lockdown wird wieder “light”: Ausgangsbeschränkung nur nachts, Weihnachtsmärkte sind verboten.
24./25. Dezember 2020: Weihnachts-Ausnahme: Maximal zehn Personen dürfen zusammen feiern, ohne Ein-Meter-Regel und Maske. Skilifte und Gondelbahnen dürfen (dauerhaft) aufsperren, Winterurlaub ist aber nicht zulässig, nur Tagesausflüge.
26. Dezember 2020: DRITTER LOCKDOWN: Ausgang (rund um die Uhr) und Kontakte (ein Einzelner mit einem anderen Haushalt) wieder stark beschränkt.
27. Dezember 2020: Die ersten Impfungen gegen das Coronavirus werden an der MedUni Wien verabreicht.
25. Jänner 2021: FFP2-Maskenpflicht in Öffis., Handel etc.
8. Februar 2021: Der “harte” Lockdown ist zu Ende: Der Handel darf wieder komplett aufsperren, Schulen kehren zum Präsenz-Unterricht zurück. Für den Besuch von Friseuren & Co ist ein negativer Coronatest (maximal 48 Stunden alt) nötig. Gastronomie und Theater bleiben zu, es gilt weiter die nächtliche Ausgangssperre.
15. März 2021: Vorarlberg öffnet als “Modellregion” Gastronomie und Veranstaltungen (bis 20 Uhr).
1. April 2021: “Ost-Lockdown” in Wien, Niederösterreich und Burgenland
19. Mai 2021: Weitgehendes Ende der Corona-Einschränkungen: Hotels, Gastronomie, Sportstätten und Kultur öffnen – aber mit 3G-Regel.
1. Juli 2021: Noch einmal Lockerung: Die Sperrstunde fällt, die Nachtgastronomie wird geöffnet, Besucher/Kundenlimits fallen. Die FFP2-Maske wird durch Mund-Nasenschutz ersetzt – und der ist nur dort zu tragen, wo 3G nicht gilt (Handel, Öffis, Ämter etc.)
22. Juli 2021: Keine Maskenpflicht im Handel (außer Grundversorgung) mehr, 2,5G (geimpft, genesen, PCR-getestet) in der Nachtgastronomie.
8. September 2021: Die Regierung legt den auf Auslastung der Intensivstationen basierenden “Stufenplan” vor.
1. Oktober 2021: Verschärfung in Wien: 2G für Nachtgastro und größere Events; es gelten nur noch PCR-Tests, FFP2-Pflicht auch im Handel.
5. November 2021: Mit 9388 Neuinfektionen wird der zweithöchste Wert seit Beginn der Pandemie in Österreich verzeichnet. Die Regierung trifft in mit den Landeshauptleuten zum Corona-Krisengipfel zusammen.
Dezember 2021: Die Regierung gründet die Gesamtstaatliche Covid-Krisenkoordination (GECKO) zur Pandemiebekämpfung.
Januar 2022: Aufgrund geänderter Impfregeln verlieren einige Geimpfte ihren 2G-Status, da die Gültigkeit der Impfungen verkürzt wurde. Rund 870.000 Personen benötigen bis Februar eine dritte Impfung.
Februar 2022: 235.000 geimpfte Personen haben kein gültiges 2G-Zertifikat mehr. Der Lockdown für Ungeimpfte endet, und erste Lockerungen treten in Kraft: Ab dem 12. Februar ist Einkaufen wieder ohne 2G-Nachweis möglich, ab dem 19. Februar auch der Lokalbesuch mit 3G-Nachweis (außer in Wien).
April 2022: Die Regierung verlängert die Gültigkeit der dritten Impfung, da die ersten 2G-Zertifikate von Geboosterten auslaufen.
Juni 2022: Die Maskenpflicht in Supermärkten und öffentlichen Verkehrsmitteln endet (außer in Wien).
März 2023: Wien beendet als letztes Bundesland die Maskenpflicht.
Juni 2023: Mit dem 29. Juni enden in Österreich alle verbliebenen Corona-Maßnahmen, einschließlich bundeslandspezifischer Regelungen. Die Meldepflicht sowie der „Grüne Pass“ werden abgeschafft.
