Junge Ideen für uralten Baustoff

Lehmbauer Ambros Berlinger (23) setzt sich für eine ökologischere Bauzukunft ein.
Dornbirn Ressourcenverschwendung bei Gebäuden, Emissionen, Umweltbelastung: Themen in der Baubranche, die Ambros Berlinger schon seit Längerem schwer beschäftigen. “Die Zementindustrie ist für etwa sieben Prozent der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich”, nennt der 23-jährige Bregenzerwälder einen gängigen Schätzwert. Um eine naturverträglichere Alternative ins Spiel zu bringen, hat er sich unlängst als Lehmbauer selbständig gemacht.

Aushubmaterial verarbeitet
In seiner Produktionsstätte in Dornbirn geht er nun mit Presslufthammer ans Werk und baut Holz-Lehm-Systeme, für die er unter “leho” wirbt. Kostenpunkt pro Quadratmeter: 1000 Euro. Konkret geht es dabei um Wandelemente, die unter anderem Innentemperaturen stabil halten und die Luftqualität sowie den Schallschutz verbessern sollen. Verwenden tut er für den Stampflehm vornehmlich Aushubmaterial.



Der Alberschwender und jetzige Wahl-Dornbirner hatte sich vor einigen Jahren im Rahmen seiner Diplomarbeit an der HTL Rankweil mit der Arbeit des Vorarlberger Lehmbaupioniers Martin Rauch und dem neuen alten Baustoff auseinanderzusetzen begonnen. “Der Lehmbau war früher sehr verbreitet, ist aber irgendwie wieder verschwunden”, erzählt Berlinger aus der Geschichte der traditionellen Bauweise.

Nach der Matura führte ihn der Weg erst einmal nach Asien. Ein “Internationaler Freiwilligeneinsatz” bzw. der Zivildienst veränderte seinen Blick auf die Welt grundlegend. In einer kleinen Provinz unterrichtete er Kinder in Englisch. Beschäftigt hat ihn damals vor allem aber auch die Frage, welche Auswirkungen das europäische Handeln global hat.

“Wenn wir Betonklötze hinstellen, streben die Menschen in anderen Ländern auch danach, obwohl die Ressourcen dort nicht vorhanden sind”, berichtet der 23-Jährige. “In Kambodscha habe ich erlebt, wie eng Umweltfragen, soziale Verantwortung und wirtschaftliche Bedingungen miteinander verbunden sind.”
Mein Ziel ist es, Bauweisen zu schaffen, die nicht nur ökologisch und ressourcenschonend, sondern auch sozial verantwortlich sind.
Ambros Berlinger,
Lehmbauer
Zurück in Vorarlberg tat sich der Alberschwender erst schwer, sich in der terminierten und getakteten Gesellschaft wieder zurechtzufinden. Auch der hohe Stellenwert von vermeintlich kleinen Problematiken machte ihm zu schaffen. Schließlich entschloss er sich aber, sich mit der Nutzung regionaler Materialien, insbesondere Aushubmaterial, zu beschäftigen und Zukunftspläne zu schmieden.
Kreislauffähige Lösungen
“Mein Ziel ist es, Bauweisen zu schaffen, die nicht nur ökologisch und ressourcenschonend, sondern auch sozial verantwortlich sind. Ansätze, die das Klima schützen, gesunde Lebensräume ermöglichen und zugleich kreislauffähige Lösungen bieten”, erläutert Berlinger seine Mission. Inzwischen hat er sein erstes Projekt umgesetzt und arbeitet mit einem Holzbauer zusammen. Derzeit lernt er selbst fleißig für die Holzbau-Meister-Prüfung, eine spezielle Lehmbau-Ausbildung gebe es nämlich nicht.

Unter dem Motto “Mit Mut zur Innovation” würde der Unternehmer künftig gerne mit einer Universität hinsichtlich Entwicklungen für eine CO₂-Speicherung mit Lehm und Pflanzenkohle zusammenarbeiten. Auch Ideen für ein mobiles Baustellengerät, mit dem Aushubmaterial vor Ort verarbeitet werden könnte, um Transportwege zu sparen, kommen ihm in den Sinn.

Erst einmal steht für ihn demnächst aber ein Auftritt auf der Baumesse in Dornbirn auf dem Programm, wo der junge Unternehmer seine Arbeit rund um Lehm und Holz vorstellen wird.
Zur Person
Ambros Berlinger
Alter 23
Wohnort Dornbirn
Ausbildung Matura HTL Rankweil (Bautechnik), derzeit auf dem Weg zur Holzbau-Meisterprüfung
Beruf selbständiger Lehmbauer
Hobbys Fußball, Ski fahren, Tennis, Reisen, Fotografieren
Webseite www.lehmundholz.com