Doyenne der heimischen Kunstszene im Künstlerhaus in Bregenz

Berufsvereinigung startete mit 19 Kunstschaffenden ins neue Ausstellungsjahr.
Bregenz Das Bregenzer Künstlerhaus stand letzten Freitag im Blickpunkt der kunstinteressierten Öffentlichkeit. Die Berufsvereinigung der bildenden Künstlerinnen und Künstler Vorarlbergs, die seit 1953 im Palais Thurn & Taxis ihren Sitz hat, lud zur Eröffnung einer gleich vierfachen Ausstellung in ihre hehren Hallen.

International und vielfältig
Die neue Präsidentin der Berufsvereinigung, Sarah Kirsch, und SilvrettAtelier-Projektleiter Roland Haas eröffneten die Schau, die noch bis zum 2. März jeweils von Mittwoch bis Samstag von 14 bis 18 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr im Palais Thurn & Taxis zu erleben ist. Geboten werden wie jedes Jahr um diese Zeit Arbeiten der neuen Mitglieder der Berufsvereinigung. Dazu gesellen sich sieben internationale Kunstschaffende aus dem „SilvrettAtelier Montafon 2024“ und die Installation „The Good Life“ des Berliners Marcel Heise, die während seinem Aufenthalt im Atelier des Künstlerhauses entstanden ist.

Noblesse oblige
Die Grande Dame der heimischen Kunstszene, Ilse Konrad, (Jg. 1940) bestreitet gemeinsam mit ihrer Kollegin Maria Jansa (Jg. 1949) die mit„Noblesse oblige“ übertitelte Ausstellung. „Wir sind ja aufgrund unseres Standes dazu verpflichtet, soziale Verantwortung und Vorbildfunktion zu übernehmen“, meint Konrad augenzwinkernd zum Ausstellungstitel „Adel verpflichtet“. Beide sind seit 40 Jahren Mitglieder in der Berufsvereinigung und zeigen Arbeiten aus ihrem 60-jährigen künstlerischen Schaffen.

Aus aller Herren Länder
Von Ilse Konrad sind unter anderem ihre Skizzenbücher zu sehen, die ihre Studienreisen auf fast allen Kontinenten widerspiegeln. Zudem bringt sie den Kunstinteressierten ihren Zugang zu Materialien und Farben näher. Wie einst Michelangelo stellt Ilse Konrad ihre Farben selber her, ja sie komponiert sie geradezu. Die Grundlagen wie Sand, Erde, Moose und andere dafür stammen aus aller Herren Länder. Die Farben werden von ihr vermengt, mit einem Harz als Bindemittel sowie Eiern und Leinöl angeteigt. In diese Grundemulsion kommen die von ihr in aller Welt gesammelten Zutaten in Form von Farbpigmenten, die sie mit der Kaffeemühle pulverisiert. Maria Jansa ist mit Keramik-Skulpturen wie ihrem Phönix, gefertigt in der japanischen Raku-Methode, und Steinzeugarbeiten vertreten.

Konrad blieb Zugang verwehrt
Sie wäre selber gerne bei der Eröffnung der Ausstellung im Künstlerhaus dabei gewesen. “Leider”, so Ilse Konrad, “ist das Künstlerhaus in keinster Weise behindertenfreundlich ausgestaltet. Aufgrund eines Unfalls ist es mir derzeit nicht möglich, die Treppen zum und im Haus zu bewältigen. Da es weder einen Aufzug noch einen geeigneten Zugang gibt, musste ich die Vernissage schwänzen. Vielleicht könnte sich die Landeshauptstadt, in deren Besitz das Haus ja steht, hier eine Lösung überlegen. Es wäre nur recht und billig, wenn auch gehbehinderten Personen der Kunstgenuss im Künstlerhaus nicht verwehrt wäre.” HAPF
