Grippe dürfte bis März bleiben

Virologin Redlberger-Fritz: Werden noch acht bis zehn Wochen damit zu tun haben.
SCHWARZACH. Infektionswellen kommen und gehen. Man könnte glauben, alle Menschen seien krank, hat Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher Mitte Oktober festgestellt. Damals waren besonders viele erklärtet, wie man so sagt. Im November und im Dezember war die Lage entspannt. Doch jetzt geht es wieder los: Mit insgesamt 9363 Krankenstandmeldungen erfasste die „Österreichische Gesundheitskasse“ (ÖGK) hierzulande in der zweiten Jänner-Woche zwar noch immer deutlich weniger als im vergangenen Jahr (11.402), wie damals ist die Tendenz jedoch zunehmend. Ausschlaggebend dafür ist vor allem, dass es immer mehr grippale Infekte und Grippe-Fälle gibt.
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Monika Redlberger-Fritz ist Virologin an er Medizinischen Universität Wien und wertet Proben von Arztpraxen aus ganz Österreich aus, auch aus Vorarlberg: „Wie erwartet ist es mit dem Ende der Weihnachtsferien zu einem massiven Anstieg der Influenzaaktivität gekommen“, sagt sie. Erwerbstätige sind an den Arbeitsplatz, Kinder in die Schule zurückgekehrt. Überall kommen Leute zusammen, sodass es zu mehr Ansteckungen kommen kann und auch kommt.
Die Prognose von Redlberger-Fritz fällt ernüchternd aus: „Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der Grippefälle noch zwei bis vier Wochen weiter steigt und es dann zu einer mehrwöchigen Plateauphase kommt, ehe schließlich ein Rückgang einsetzen wird. Alles in allem ist damit zu rechnen, dass wir acht bis zehn Wochen damit zu tun haben werden.“ Also zumindest bis in den März hinein.

Wie stark die Grippe- bzw. Influenzsaison wird, kann man laut Redlberger-Fritz noch nicht sagen. Vorerst ist es lediglich möglich, zurückzublicken: Von der ersten auf die zweite Kalenderwoche heuer ist die Zahl der Krankenstandsmeldungen wegen Grippe unter ÖGK-Versicherten im Land von 36 auf 106 geklettert. Vor zwei Jahren handelte es sich zur Spitze um 498, im vergangenen Jahr um 456 in einer Woche. Davon ist die Zahl derzeit noch weit entfernt.
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Die Grippe ist eine schwere Erkrankung, die auch lebensgefährlich sein kann. Die staatliche Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) schätzt, dass in der Saison 2022/23 österreichweit rund 4000 Todesfälle in einem Zusammenhang damit standen. Jüngere Angaben, geschweige denn ebensolche für einzelne Bundesländer liegen nicht vor. Die Saisonen decken sich meist mit der Winter-Jahreszeit.
Ob es heuer noch Sinn macht, sich impfen zu lassen? Für Redlberger-Fritz ist das keine Frage: „Auf jeden Fall. Der Schutz beginnt nach sieben bis zehn Tagen. Und die Virenaktivität wird ja noch länger anhalten.“

In Vorarlberg wird unterdessen weiter an einer Art Echtzeiterfassung des Infektionsgeschehens gearbeitet. Und zwar mit Proben, die in Kläranlagen dem Abwasser entnommen werden. Derzeit geschieht das in Bezug auf Coronaviren. Hier ist die Lage zurzeit „ruhig“, wie Christoph Scheffknecht vom Umweltinstitut es Landes berichtet. Laut ÖGK gab es zuletzt 42 Krankenstandsmeldungen wegen Corona in eine Woche. Vor einem Jahr waren es über neun Mal mehr gewesen (388).