Wintereinbruch in Vorarlberg: Wenn der Arbeitstag um drei Uhr beginnt

Am Freitagmorgen sorgten dutzende Lkw-Fahrer und Gemeindebedienstete für möglichst sichere Arbeitswege.
Dornbirn Seit drei Uhr morgens saß Markus Reichart hinter dem Steuer. “Die ersten Stunden sind die schönsten, da hast du die Straße für dich”, verrät der 30-Jährige. “Da schaffst du dreimal mehr als danach.” Denn sobald sich die Straßen füllen, wird es eng. Und mit dem Schneepflug und Salzstreuer montiert braucht man Platz. “Wir haben zum Glück auch kleinere Lkw und Traktoren, die sind wendiger.” Sechs, sieben Stunden dauert ein normaler Räumtag, sofern es nur in der Nacht schneit. Stunden, in denen jeder Fahrer hoch konzentriert sein müsse. Schließlich macht der Pflug das Auto nicht übersichtlicher und Kinder sind auf dem Schulweg.

Allein in Dornbirn sind neben den städtischen Mitarbeitern – 60 Personen aus den Reihen der Straßenmeisterei, des Werkhofs, des Forstbetriebes und der Sportstättenverwaltung – 14 private Fuhrunternehmen und Baufirmen mit der Schneeräumung betraut. Ein Schneeräumtag kostet allein der Messestadt dadurch 36.000 Euro. Die Priorität liegt jedoch überall auf den Hauptverkehrswegen, gefolgt von den Buslinien, Brücken, Unterführungen, bekannten Gefahrenstellen und weiteren wichtigen Verbindungslinien. Erst dann werden die Kapazitäten für das untergeordnetere Wegenetz frei.

“Der Papa hat schon damit angefangen, damals noch mit einem Radlader ohne Heizung”, weiß Reichart zu berichten. “Der hat das schon für sein Leben gern gemacht, gleich wie ich.” Vor allem, wenn das Wetter mitspielt: Um viertel vor zwei in der Nacht ging der Wecker, und es schneite. Da blieb Zeit genug, das Wichtigste für den Frühverkehr zu räumen. “So wie es jetzt ist, das ist Hammer: Du hast gehörig Schnee, schiebst ganze Schneeberge auf, das macht schon Freude”, hat der Dornbirner Unternehmer Freude am Wetter. Schwieriger wird es, wenn es erst um vier Uhr morgens beginnt zu schneien. “Dann rufen alle gleichzeitig an, dann muss man jonglieren”, räumt Reichart ein. Zu acht räumen sie Firmenflächen und Schulhöfe, zwei weitere fahren rein im Auftrag der Stadt Dornbirn. Und noch schwieriger wird es, wenn es nur kalt und nass ist. “Da kann es sein, dass es um vier Uhr morgens leicht über null Grad hat und bewölkt ist”, erklärt der Bauunternehmer. Wenn es nun aufklärt, kühlt es ab und es bildet sich Eis auf den Straßen. Und wenn es warm bleibt, streute man unnötig zulasten der Umwelt und der Geldbörse.

Am meisten Freude macht der Winterdienst jedoch im Jänner. Jetzt im November ist es außerdem noch eine doppelte Arbeitsbelastung, da auf dem Bau noch keine Winterpause eingelegt wird. Doch das ganze Jahr über gilt, dass der Verkehr die Arbeit nicht vereinfacht. “Der Verkehr hat schon zugenommen, und das Verständnis hat allgemein abgenommen – sei es für Baustellen, Schnee oder für ein Winterdienstfahrzeug”, beklagt Reichart. “Aber bei den Kunden merkst du schon, die sind dankbar, dass wir kommen”, betont er die kleinen Freuden der Arbeit.
Anrainerpflichten
Wichtig: Gehsteige fallen eigentlich unter die Anrainerpflicht. Die Straßenverkehrsordnung sieht vor, dass die Eigentümer der angrenzenden Grundstücke zwischen 6 und 22 Uhr im Ortsgebiet dazu verpflichtet sind, für einen nutzbaren Gehsteig zu sorgen. Gibt es keinen Gehsteig, ist der Straßenrand auf einer Breite von einem Meter schnee- und eisfrei zu halten. Gleiches gilt in Fußgängerzonen. Selbst, wenn die öffentliche Hand ebenfalls Gehsteige räumt, entbindet dies die Anrainer nicht von ihren Pflichten – und den Schnee einfach auf die Straße schieben, ist eigentlich auch nicht zulässig. Nur wenn jeder Versuch der Räumung wetterbedingt von Anfang an aussichtslos ist, entfällt die Verpflichtung.