Ärger mit Bauunternehmen: “Ich weiß nicht mehr, was ich noch tun soll”

Vorarlberg / 22.11.2024 • 16:28 Uhr
Ärger mit Bauunternehmen: "Ich weiß nicht mehr, was ich noch tun soll"
Karin Huchler hatte so gehofft, dass die Arbeiten bis zum ersten Schnee abgeschlossen sind. Allerdings wurde wieder keines der Versprechen gehalten. VN/Stiplovsek

Seit eineinhalb Jahren wartet Karin Huchler (49) nun schon auf die Fertigstellung ihres Hauses. Auf ihrem Rücken wird ein Streit zwischen Baufirmen ausgetragen.

Hohenems Karin Huchler hatte so gehofft, dass vor dem ersten Schnee die abschließenden Arbeiten an ihrem Haus erledigt sein würden. Schließlich sollte weiterer Schaden am Gebäude abgewendet werden. Seit eineinhalb Jahren lebt die 49-Jährige mit ihrer Tochter und den beiden Hunden nun schon in einem Provisorium. Große Teile der Fassade fehlen, ein Schopf wurde nie geliefert und die Terrasse ist eine einzige Baustelle. Der Frust sitzt mittlerweile tief. “Ich weiß nicht mehr, was ich noch tun soll.”

Wohntraum wird zum Albtraum, Häusle-Bauerin, die Opfer eines Streits zwischen der Bauleitung und einer Handwerksfirma wurde. Das Haus wird nicht fertiggestellt, sie lebt in einem halb fertigen Haus.
Die VN waren bereits im September bei Karin Huchler. Generalunterneher und Holzbaufirmen hatten damals versprochen, die Arbeiten ordnungsgemäß abzuschließen. VN/Steurer

Der Traum von den eigenen vier Wänden ist für Karin Huchler längst zum Albtraum geworden. Dabei lief lange Zeit alles wie am Schnürchen. Das Grundstück bekam die Fahrschullehrerin von ihren Eltern, die Finanzierung des Hauses stand auf soliden Beinen. Ein Vorarlberger Generalunternehmen und heimische Handwerker sollten für eine reibungslose Abwicklung sorgen. Es kam anders. Zwischen der Barta Massivholz GmbH als Generalunternehmer und der ausführenden Holzbaufirma brach noch vor der Fertigstellung des Einfamilienhauses ein Streit ums Geld aus, worauf die Arbeiten eingestellt und Fassadenteile wieder abtransportiert wurden. Das war vor eineinhalb Jahren. Seither wird Huchler von beiden Firmen vertröstet. Woche für Woche dasselbe Spiel. “Es wird versprochen, dass die Arbeiten erledigt werden. Aber es sind alles leere Versprechen”, schildert die alleinerziehende Mutter.

Wohntraum wird zum Albtraum, Häusle-Bauerin, die Opfer eines Streits zwischen der Bauleitung und einer Handwerksfirma wurde. Das Haus wird nicht fertiggestellt, sie lebt in einem halb fertigen Haus.
Alle Rechnungen sind bezahlt. Karin Huchler ist Opfer eines Streits zwischen zwei Baufirmen. VN/Steurer

Ihrem Ärger hat die Hohenemserin erstmals vor zwei Monaten in den VN Luft gemacht. Der Streit zwischen den beiden Firmen wurde zu diesem Zeitpunkt bereits seit über einem Jahr auf ihrem Rücken ausgetragen. “Der Weg an die Öffentlichkeit sei ihr alles andere als leicht gefallen, schildert Huchler. Sie habe keine andere Möglichkeit mehr gesehen. Tatsächlich haben sowohl die ausführende Holzbaufirma Böhler aus Wolfurt als auch Generalunternehmer Barta gegenüber den VN versichert, man werde den Auftrag ordentlich zu Ende führen. Passiert ist das – bisher jedenfalls – nicht. Das Bild ist unverändert. Kabel hängen von den Außenwänden, die Isolierung löst sich. Carport, Terrasse und Schopf: bis heute nicht geliefert.

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Karin Huchler hat jeden einzelnen Euro überwiesen. Die Rechnungen sind bezahlt. “Ich will nicht mehr länger in einem Rohbau wohnen, sondern einfach bekommen, was mir vertragsgemäß zusteht”. Jetzt im Winter sei es besonders mühsam, so zu wohnen. “Die Pellets für die Heizung muss ich bei meinen Eltern lagern und dort holen. Die Stiege ist ein Provisorium und mit Schnee einfach auch gefährlich”, beschreibt sie die unzumutbaren Zustände. Der 49-Jährigen reicht es. Das Vertrauen in die Baufirmen ist längst zerstört. Sie wolle nicht mehr länger vertröstet werden.

Ärger mit Bauunternehmen: "Ich weiß nicht mehr, was ich noch tun soll"
Auch die Stiege ist ein Provisorium und im Winter mit Schnee gefährlich. VN/Stiplovsek

Zugesagte Rückrufe und angekündigte Besuche auf der Baustelle durch die beiden Firmen sind auch in den letzten beiden Tagen ausgefallen. Und wieder bekräftigt das Generalunternehmen, den Auftrag ordnungsgemäß fertigzustellen. Auch gegenüber den VN. “Tatsache ist, dass wir in zwei Wochen die Arbeiten fortsetzen werden”, so Norbert Barta vom gleichnamigen Unternehmen. Zuerst werde die Terrasse fertiggestellt und dann die Fassade. Mittlerweile habe er das entsprechende Holz auftreiben können. “Ich hoffe, dass wir bis Weihnachten fertig sein werden”, so Barta.

Wohntraum wird zum Albtraum, Häusle-Bauerin, die Opfer eines Streits zwischen der Bauleitung und einer Handwerksfirma wurde. Das Haus wird nicht fertiggestellt, sie lebt in einem halb fertigen Haus.
Auch im Haus selbst war lange nicht alles so, wie es hätte sein sollen. VN/Steurer

Für Karin Huchler wäre es wie eine Art Weihnachtswunder. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass nach den vielen Enttäuschungen jetzt für einmal ein Versprechen auch gehalten wird. Fortsetzung folgt.