Der Ländle-Apfel zwischen Klimawandel und Geschmacksvorlieben

Vorarlberg / 07.11.2024 • 14:25 Uhr
Tag des Apfels
Rudolf Vollmar, Jens Bauer und Ulrich Höfert mit Katja Grundner mit dem Ländle-Apfel. VN/Rauch

Die Ernte ist heuer gut, doch langfristig müssen sich die Apfelbauern auf eine verändernde Umwelt einstellen.

Schwarzach Äpfel sind aus Vorarlbergs Küche kaum wegzudenken – von frischem Apfelsaft und Apfelmost bis hin zu Essig, Schnaps und dem allseits beliebten Apfelstrudel. Jens Blum, Obmann der Vorarlberger Obstbauern und größter Apfelbauer im Ländle, schwört auf den Boskoop als Strudelapfel: „Ich persönlich tue nicht viel rein: Vanillezucker, aber nicht viel, ein bisschen geriebene Haselnüsse oder Walnüsse, je nach Geschmack noch Rosinen. Und viele Äpfel müssen rein. Wenig Teig, viel Apfel. Und dann zum Essen viel Schlagsahne.“ Jens Blum, Ulrich Höfert (Obstbaureferent an der Landwirtschaftskammer) und Rudolf Vollmar (Obstbauer aus Höchst) brachten kurz vor dem Tag des Apfels am Freitag, dem 8. November, frische Ländle-Äpfel in die VN-Redaktion. 

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Nach wie vor ist der Apfel das beliebteste heimische Obst in Österreich. Unter den vielen Apfelsorten bleibt der Elstar die Nummer eins in Vorarlberg. Er neigt jedoch nach einem starken Apfeljahr dazu, im nächsten Jahr weniger Früchte zu tragen. Diese sogenannte Alternanz sorgt für eine gewisse Ertragsschwankung. „Von der Ertragsstabilität wäre Gala besser. Aber der Elstar ist bei uns mit seinem säuerlichen Geschmack, dem guten Aroma und der relativ dünnen Schale einfach der beliebteste Apfel“, sagt Blum.  

Klimawandel und seine Auswirkungen auf den Apfelanbau

Ein Traumwetter für Äpfel – also 15 Grad, mit Sonne und wenig Regen – können sich Obstbauern leider nicht wünschen, aber trotz einzelner Hagelschläge und viel Nässe fiel die Ernte in Vorarlberg dieses Jahr sehr gut aus. „Eigentlich haben wir in Österreich ein gutes Apfelklima“, sagt Blum. „Auch wenn es ein bisschen wärmer wird, würde eine Ernte noch gut gehen. Hier haben wir noch etwas Luft nach oben, also mehr Puffertoleranz. Die südlichen Länder haben da mehr Probleme. Denen wird es bald wirklich zu heiß für die Apfelernte werden. Wir haben gewisse Sorten, die wir früher gar nicht anbauen konnten. Das geht jetzt langsam. Das heißt, es gibt auch positive Effekte des Klimawandels.“

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Abgesehen davon macht die Landwirtschaftskammer Vorarlberg vor allem auf die negativen Auswirkungen des Klimawandels aufmerksam. Von Jahr zu Jahr ist dieser stärker zu spüren. „Man muss jetzt vielleicht nicht mit öfteren, aber doch mit stärkeren Hagelschlägen und Blütenfrost rechnen“, sagt Höfert. Durch die wärmeren Winter und Frühjahre gibt es in Vorarlberg eine frühere Blüte, was die Frostgefahr erhöht. „Im Sommer gibt es außerdem längere Trockenphasen. Und vor alldem muss man sich technisch wappnen, was natürlich kostspielig ist“, ergänzt er.

Regionale Apfelproduktion als Beitrag zur Nachhaltigkeit

Durch die CO₂-Bindung im Holz und das Bereitstellen von Lebensräumen für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten leistet der Apfelbaum einen wichtigen Beitrag für die Umwelt. In dem Sinne erzeugt die heimische Landwirtschaft klimafreundliche Lebensmittel. Laut der Landwirtschaftskammer Vorarlberg gäbe es in Österreich genügend Äpfel, um die ganze Bevölkerung zu versorgen und keine Importe aus Übersee zu benötigen. Vor allem fördere Regionalität nicht nur die Nachhaltigkeit, sondern auch den Geschmack.   

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