Es ist noch weiter Weg, bis die Bahn verschwindet

Großes Interesse für die nächste Informationsrunde zur Vision Bahn-Unterflur.
Lochau Vor knapp zwei Jahren war die „Interessengemeinschaft Unterirdischer Bahntrassenausbau im Großraum Bregenz“ (IGUB) mit einem Infoabend im Lauteracher Hofsteigsaal angetreten, um für den unterirdischen Ausbau der Strecke von der Leiblach bis zum Güterbahnhof zu werben. Der Funke zum Schulterschluss Bevölkerung-Gemeinde-Landespolitik sei damals übergesprungen, freuten sich jetzt die hauptbetroffenen Bürgermeister Elmar Rhomberg (Lauterach), Michael Ritsch (Bregenz), und Frank Matt (Lochau) in ihrem Eingangsstatement in der vollbesetzten Lochauer Sporthalle. Wirklich „zündend“ war dies wohl nicht, denn die vor vielen Monaten angekündigte Arbeitsgruppe ist noch nicht tätig geworden – sie hat sich noch nicht einmal konstituiert, musste Rhomberg bedauernd einräumen.

Landtagswahl nützen
Auch deshalb legte die IGUB jetzt nach und nahm die am Sonntag stattfindende Landtagswahl zum Anlass, die Vertreter der fünf im Landtag vertretenen Parteien ein paar Tage zuvor in die Pflicht zu nehmen und ihnen ein klares Bekenntnis zum unterirdischen Ausbau abzuringen. Und nicht nur das: In einem künftigen Koalitionsvertrag müsse dies auch dezidiert festgeschrieben werden.

Wenig überraschend bekannten sich denn auch Christof Bitschi (FPÖ), Claudia Gamon (NEOS), Mario Leiter (SPÖ) und Landesrat Daniel Zadra (Die Grünen) sowie Patrick Wiedl (ÖVP), der LH Markus Wallner vertrat, dazu und verwiesen vor mehr als 500 „Zeugen“ (den Besuchern der Veranstaltung) auch auf den einstimmigen Beschluss des Landtags. Dieser ist hinlänglich bekannt und auch sonst blieb der Neuigkeitsgehalt der Statements überschaubar – sieht man davon ab, dass beiläufig die 2021 mit 1,5 Milliarden Euro bezifferten Baukosten heute auf zwei Milliarden Euro (plus ein Drittel binnen drei Jahren) hoch korrigiert wurden.

Interessant war das Referat von Werner Schurten aus der Schweiz. Der Leiter der Zürcher S-Bahn/Region Ost und des SBB Regionalverkehrs ist maßgeblich verantwortlich für die Umsetzung des unterirdischen Bahnausbaus im Großraum Zürich.

Aber taugen die Fakten über den größten Bahnknotens der Schweiz als Vorbild für Bregenz? Auf den ersten Blick faszinierend, bei genauerem Hinschauen hat es einen Haken: Die Frequenz des Bahnknotens Zürich liegt – so Schurten – in der Spitzenzeit bei mehr als 140 Zügen pro Stunde (alle rund 25 Sekunden ein Zug) und somit bei täglich fast 3000 Zügen, die hier abgefertigt werden. Zürich Hauptbahnhof besteht aus dem 1856 gebauten Bahnhof und drei zwischen 1989 und 2014 eröffneten Tiefenbahnhöfen. An Werktagen werden hier rund 400.000 Fahrgäste abgefertigt. Das Einzugsgebiet umfasst neben 450.000 Einwohnern der Stadt Zürich rund eine Million Menschen in den Gemeinden des Agglomerationsgürtels.

Da sei ein Vergleich Zürich – Bregenz problematisch, merkte Klaus König in einer Wortmeldung aus dem Publikum an. Antwort darauf gab es vom Podium keine. Auch der von Bgm. Frank Matt in einem Nebensatz einmal mehr ins Spiel gebrachte Bahntunnel im Pfänder wurde kommentarlos übergangen. Stattdessen verbiss man sich in der Frage Haltestelle Hafen, um die ein lebhaftes Wortgefecht entbrannte. Dabei steht deren Sinnhaftigkeit außer Frage, in einem Frequenz-Ranking aller Vorarlberger Bahnhöfe bzw. Haltestellen liegt die Hafen-Haltestelle mit rund 4000 täglichen Bahnkunden an neunter Stelle. Das Resümee des Abends: Es ist noch ein weiter Weg, bis die Bahn verschwindet. STP



