Ein Monat nach der Entnahme: War es der richtige Wolf?

Seit einem Monat wartet man auf die Bestätigung, den richtigen Wolf entnommen zu haben. Die Anzeichen deuten jedoch alle in eine Richtung.
Bregenz Vor einem Monat wurde nahe der Kanisfluh ein Wolf geschossen. Seitdem wurde es ruhig im hinteren Mellental. Und auch sonst deutet alles darauf hin, dass der verantwortliche Wolf entnommen wurde.
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Ende Juli wurden im hinteren Mellental zwei Jungrinder von einem Wolf gerissen, ein weiteres Kalb verletzt. Ein Rind verendete durch eine Sturzverletzung, die ebenfalls durch eine Flucht vor dem Beutegreifer provoziert gewesen sein könnte. Alle Risse gehen laut der Haplotyp-Artbestimmung auf einen einzelnen Wolf aus der italienischen Quellpopulation zurück, bestätigt nun das Land Vorarlberg auf Rückfrage der VN.
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Dies gilt auch für den bei der Kanisfluh entnommenen Wolf. Er ist ebenfalls der italienischen Population zugehörig. Ob es aber auch der identische Wolf ist, lässt sich erst in einigen Wochen sagen. Eine Gentypisierung dauert bis zu sechs Wochen, erinnert das Land Vorarlberg. “Fakt ist, dass es seit der Wolfsentnahme in diesem Gebiet zu keinen weiteren Rissen von Nutztieren mehr gekommen ist”, erinnert das Land Vorarlberg. Man hat daher derzeit noch keinen begründeten Zweifel, dass es sich beim entnommenen Tier um den Schadwolf hielt.
Drei Populationen
Der italienische Wolf kann als Unterart des Eurasischen Wolfs gesehen werden. Der Canis lupus italicus hat oft einen Braunstich im Fell und stellt auch in der Schweiz das Gros der Alpenwolfpopulation. Die relativ kleine Stammpopulation macht ihn genetisch vulnerabel. Der italienische Wolf gilt als relativ schmächtig für einen Wolf: Seine Schulterhöhe liegt bei etwa 70 Zentimeter, seine Länge etwa bei eineinhalb Metern. Rüden haben ein Gewicht von rund 35, Fähen unter 30 Kilogramm. Dementsprechend konzentriert er sich auf auch Beute in den unteren Gewichtsklassen, wie etwa Gämse, Schafe und Rotwild. Dementsprechend überraschend war es, dass ein Wolf dieser Population sich auf den Vorarlberger Alpen als Einzelgänger an junges Rindvieh wagte und dies erfolgreich. Dieses Verhalten rechtfertigte auch aus Sicht des Wildökologen Hubert Schatz die Entnahme des Wolfs vor einem Monat.

Neben dem italienischen Wolf spielen noch zwei Populationen eine Rolle rund um Österreich. So gibt es die dinarische Population, benannt nach dem Dinarischen Gebirge im Westbalkan. Seine Unterschiede zum zentraleuropäischen Wolf sind vernachlässigbar, er ist keine eigene Unterart. Diese vermischt sich zwischen Osttirol und Triest mit dem italienischen Alpenwolf. Und von Norden kommt die zentraleuropäische Population aus den ehemaligen Ostblockstaaten, mit ersten Rudeln in Nieder- und Oberösterreich.


Vor allem letztere ist mit einer Widerristhöhe von etwa 70 bis 90 Zentimetern und einem Gewicht von zwischen 30 und 50 Kilogramm dem Alpenwolf physisch überlegen. Er ist auch genetisch diverser wie die beiden südlichen Populationen. Naturschützer wie der deutsche Naturbund NABU hoffen daher, dass sich die einzelnen Populationen stärker austauschen. Denkbar wäre dies gerade in Österreich, das diese drei Populationen derzeit noch voneinander trennt. Doch gerade der Alpenraum zwischen dem Rhein und Salzburg wird bislang nur von einzelnen Wanderern überschritten, noch ganz ohne Sesshaftwerdung.