An den Pflichtschulen fehlen zum Schulbeginn noch Lehrkräfte

Schulserie: Eine Volksschulklasse steht eine Woche vor Schulbeginn noch ohne klassenführende Lehrkraft da.
Bregenz 55.906 Schüler und Schülerinnen sowie 6807 Lehrpersonen starten kommenden Montag in Vorarlberg in ein neues Schuljahr. Für 5655 Erstklässler und 321 Lehrkräfte ist es eine Premiere. Dennoch, gerade im Pflichtschulbereich bleibt die Personalsituation schwierig, räumen Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink und Bildungsdirektor Heiko Richter ein. Und dies, obwohl es insgesamt 128 Lehrpersonen mehr sind als vor einem Jahr.
Diese Woche begannen an den Schulen in Ostösterreich bereits der Unterricht. Blickt man auf die Zahlen dort, ist das Bild kaum besser als in Vorarlberg: In Niederösterreich könne man tief durchatmen, man konnte alle Stunden in den Schulen mit Lehrkräften besetzen. In Wien sei die Personalsituation herausfordernd, es sei jedoch davon auszugehen, dass jede Klasse über eine klassenführende Lehrkraft verfügen werde, hieß es. Für das Schuljahr 2024/25 wurden österreichweit insgesamt 8070 Voll- sowie Teilzeitstellen, etwa 5600 Vollzeitäquivalente ausgeschrieben. Diese sollten insgesamt 123.471 Unterrichtsstunden abdecken. Insgesamt waren am 2. September österreichweit noch 100 Stellen bei einem Gesamtbedarf von über 120.000 Personen noch ohne Bewerbung, rechnet das Bildungsministerium vor.
13 Vollzeitäquivalente fehlen
In Vorarlberg wurden 260 Pflicht- und Berufsschullehrkräfte und 160 Lehrkräfte für die Höheren Schulen ausgeschrieben, insgesamt also 420 Lehrpersonen. Nun treten 234 Personen ihren Dienst an den Pflichtschulen an, offen sei noch eine Voll- und über 20 Teilzeitstellen. Eine Volksschulklasse steht noch ohne klassenführende Lehrkraft da, an den Mittelschulen fehlen noch Lehrpersonen für Deutsch und Englisch. Hier kämpfe man bis zur letzten Minute, noch eine Person zu finden, die diese Klassenführung übernimmt. Hier sei man guter Dinge, dass sich dieses Problem bis Montag noch lösen lasse. Unterrichtet werde die Klasse, es besteht die Möglichkeit, Lehrkräfte aus doppelt besetzten Team-Teaching-Stunden für den Unterricht abzuziehen.
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An den Höheren Schulen wurden 87 Lehrkräfte gefunden, hier seien noch mehrere Teilzeitstellen unbesetzt. Insgesamt fehlen eine Vollzeit- und 26 Teilzeitstellen, damit 13,3 Vollzeitäquivalente in Vorarlberg. Dabei sind in Vorarlberg mehr Lehrkräfte im Einsatz, als der Bund vorsieht, betont Schöbi-Fink. Insgesamt 300 der 4985 Lehrpersonen an Pflichtschulen zahlt das Land daher aus der eigenen Tasche, über den vom Bund vorgesehenen Stellenplan. Zum Vergleich: Wien zahlt etwa 100 solche Lehrpersonen aus der eigenen Tasche.
Wenig hilfreich bei der Suche nach Lehrkräften, die eine Klasse führen könnten, ist die hohe Teilzeitquote: An den Pflichtschulen liegt die Teilzeitquote derzeit bei 43, an den Höheren Schulen sogar bei 47 Prozent. “Ich will dies keiner Lehrkraft zum Vorwurf machen”, betont Schöbi-Fink. Schließlich gebe es hier vielfältige Gründe, von familiären Verpflichtungen bis zur Weiterbildung, etwa bei den Quereinsteigern. Es mache den organisatorischen Aufwand an den Schulen jedoch nicht einfacher. Ohne den zusätzlichen Einsatz von Lehrpersonen und das Engagement der Schulleitungen sei das aber nicht möglich: “Wir brauchen weiter jede Person im System”, hieß es.
Hier wurden die 321 Lehrkräfte gefunden
Von den 321 Neuanstellungen sind 146 Absolventinnen und Absolventen des Lehramtsstudiums, 56 sind Quereinsteiger und 119 mit einem sogenannten Sondervertrag. Letztere bringen zumindest die Matura und eine pädagogische Ausbildung mit sich und sind unterstützend in Volksschulen tätig, erklärt Richter. 29 Pflichtschullehrkräfte wurden für dieses Schuljahr in anderen Bundesländern gefunden. Und 75 bereits pensionsberechtigte Lehrkräfte unterrichten weiter.
Insgesamt bleibe jedoch gerade an den Pflichtschulen die Stellenbesetzung eine “große Herausforderung”. Positiv sei, dass sich die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber zum Vorjahr verbessert habe. Aufgrund von Schwangerschaften, Krankheiten und ähnlichem brauche es aber laufend neue Ausschreibungen und Lehrkräfte. Das Ergebnis: Überstunden, Stundenumschichtungen und lehrende Pensionisten und Studierende.
Maßnahmen wie das Jobticket für die öffentlichen Verkehrsmittel, die neue Schulische Assistenz und Freizeitbetreuung GmbH für die Stellung von Schulassistenzkräften und zusätzliches Personal im Sekretariat und der Schulsozialarbeit sollen den Beruf in Vorarlberg attraktiver gestalten. “Das sind wichtige Entlastungsmaßnahmen für die Schulen”, betont Richter. Dies passe auch zum heurigen Schwerpunkt, der Gewaltprävention und Kinderschutz. Und die Werbung in und außerhalb Vorarlbergs soll weiterhin verfolgt werden.