Rudolf Öller lotet in neuem Thriller die Grenzen der Wissenschaft aus

Vorarlberg / 19.08.2024 • 16:30 Uhr
Der Bregenzer Wissenschaftsautor Rudolf Öller wagte sich ins Krimigenre.
Nach mehreren Sachbüchern legte Rudolf Öller nun seinen zweiten Thriller vor. Öller

Der Bregenzer Wissenschaftsautor Rudolf Öller legte seinen neuesten Roman vor.

Bregenz Schwere Kost populärwissenschaftlich aufbereitet setzt uns der Bregenzer Gymnasialprofessor i.R., promovierte Biologe und Genetiker Rudolf Öller mit seinem Triller „Thyphon District“ vor. Anschaulich und wohlige Gänsehautschauer verursachend, lässt er uns an den Errungenschaften und Segnungen der Wissenschaft teilhaben. Aber auch an ihren verfluchten Verfehlungen.

Ein Hybridmonster als Namensgeber

Typhon kennen wir aus der griechischen Mythologie. Aus Rache gegen die Götter ließ sich Gaia mit Tartaros ein und gebar mit Typhon ein unsägliches Mischwesen, das im Götterkampf um die Vorherrschaft der Welt letztlich Zeus unterlag. Das Hybridmonster dient als Namensgeber für einen Wissenschafts-Thriller, der tief in die Welt der Gentechnologie eintaucht. Autor Rudolf Öller führt uns drastisch vor Augen, wozu die Wissenschaft alles fähig ist. Gleichzeitig erinnert er daran, dass nicht alles Machbare gemacht werden sollte. Moral und Ethik sind hier die Stichworte.

Rudolf Oeller Typhon District
“Typhon District” erschien in der “eruopa verlagsgruppe”.

Ein affiger Beginn

Ihren fatalen Ausgang nimmt die Geschichte, als eine Tierärztin und Zoologin einen befreundeten Molekularbiologen bittet, ihre Affenweibchen genauer unter die Lupe zu nehmen, denn Trotz erfolgreicher Partnersuche will sich kein Nachwuchs einstellen. Wie der Genetiker herausfindet, passen die affigen Liebespaare genetisch einfach nicht zusammen, und zwar wegen einer Chromosomenmutation der Affendamen.

Begehrlichkeiten werden geweckt

Die Affenweibchen stellen offenbar eine ganz neue Art dar. Ein Missing Link zwischen Primaten und Menschen. Ein Umstand, der zur Einsetzung der akademischen Arbeitsgruppe AK 46 unter einem machtbesessenen und korrupten Institutsleiter führt und fortan eine Reihe von Begehrlichkeiten akademischer und monetärer und nicht zuletzt hochkrimineller Art auslöst. Das Ausmaß kann erahnt werden, wenn Leihmütter aus der Ukraine ins Spiel kommen, dazu auserkoren, die menschlich-tierischen Hybridwesen quasi als künftige „Ersatzteillager“ auszutragen.

Im Klappentext des 343-Seiten Thrillers, erschienen in der “europa verlagsgruppe”, heißt es.: „Ein packender Thriller über die Grenzen des menschlichen Fortschrittsstrebens, der uns zum Nachdenken über unsere Handlungen anregt.“ Es ist jedoch viel mehr als das. Öller versteht es, die Komplexität der Gentechnik populärwissenschaftlich herunterzubrechen. In sympathischem Erzählton lässt er aus Sicht des für das Projekt verantwortlichen Genetikers an den Möglichkeiten und Grenzen der Wissenschaft teilhaben. An ihren Unwägbarkeiten und Machbarkeiten, aber auch an ihren Grauslichkeiten.

Öller garniert das Ganze mit Anekdoten und Geschichtchen von großen Wissenschaftlern, Forschern und Nobelpreisträgern. Und er garniert es mit kleinen Geschichten aus seiner Heimat Oberösterreich. Das Ausmaß der kriminellen Machenschaften kommt nur langsam ans Licht, wirkt aber umso drastischer und lässt den Atem stocken. Der Handlungsrahmen erstreckt sich von Europa bis Asien, wobei Vietnam und Kambodscha samt der Tempelanlage Angkor Wat Schauplätze sind. Einmal in die Hand genommen zwang der eindringliche Erzählstil des Autors den Rezensenten, das Werk es erst nach zwei Tagen und Nächten ausgelesen wieder aus der Hand zu legen. Keine leichte Sommerlektüre. Aber eine, die es in sich hat. HAPF