Schultasche als Luxusgut? “Für viele sind die Kosten mittlerweile eine Herausforderung”

Zahlreiche Eltern blättern am Schulbeginn hunderte Euro für Schulsachen hin. Alleine eine Schultasche kostet inzwischen gerne mal zwischen 200 und 300 Euro. Die VN haben sich im Handel und bei Kunden zum Thema umgehört.
Lustenau Die Entscheidung war nicht ganz einfach. Schlussendlich haben sich Lena und ihre Familie aber den grau-türkisen Schulrucksack mit modernem Organisationssystem ausgesucht. “Da gibt es sogar ein Fach für ein Ladekabel”, erläutert die baldige Unterstufen-Gymnasiastin und deutet im Geschäft “dar Zäodl” in Lustenau auf ihre neue Grundausrüstung. Mama Ursula ist mit der Wahl zufrieden: “Wir sind wieder sehr gut beraten worden.” Genauso wie es bei den beiden Schultaschen für ihre Töchter der Fall gewesen sei. Vier Jahre lang hat Lena ihre erste Schultasche getragen. Und auch ihre jüngere Schwester Julia wird ebenso das vierte Volksschuljahr mit ihrem ersten, etwas leichteren Modell mit Schmetterlingsmotiv unterwegs sein.

Im Schnitt 280 Euro kostet eine Schultasche im Fachhandel inzwischen und ein Rucksack mit Zubehör 220 Euro, erläutert “dar Zäodl”-Chefin Birgit Hagen. Im Geschäft reihen sich verschiedene Modelle der Top-Marken in verschiedenen Farben aneinander. “Bis 2019 sind die Preise für Schultaschen alle zwei Jahre zehn Euro raufgegangen”, sagt die Unternehmerin und fügt hinzu: “In den vergangen zwei Jahren war der Anstieg mit 14 Prozent extrem. Meine Kundschaft zählt zum Mittelstand und für viele sind die Preise inzwischen eine Herausforderung.” Genauso wie es für die Unternehmerin selbst der noch höhere Anstieg der Miete und Personalkosten sei.
Schwierige Zeit für Händler
Früher habe sie noch 20 Prozent der nicht verkauften Schultaschen zurückgeben können. “Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Es wird alles auf die Kleinen abgewälzt. Es ist eine schwierige Zeit momentan.”

Hagen führt das Papier-, Büro- und Schreibwarengeschäft in der Maria-Theresien-Straße bereits seit 25 Jahren. “Damals hat eine Schultasche 1000 Schilling gekostet”, erinnert sie sich. Inzwischen werde im Vergleich zu früher neben Ergonomie vermehrt auch auf Individualität gesetzt. Seit zehn Jahren gebe es eine Höhenverstellung. Viel Geld stecken die Hersteller der Top-Marken auch in Zusatzartikel wie Patches, Kletties, Buttons und Magnete, mit denen die Kinder und Jugendlichen ihre Schultaschen und Schulrucksäcke dekorieren. Des Weiteren geht der Trend laut Hagen in Richtung Ergo-Bags, die aus gebrauchten Pet-Flaschen hergestellt werden.

Den Preisanstieg führt Hagen auf höhere Material- und Transportkosten zurück. “Ich würde die Ware ja gerne in Europa bestellen. Aber in so einer Qualität werden Schultaschen hier noch nicht hergestellt.” Hagen zieht dabei einen Vergleich zu Fahrrädern. “Schultaschen sind ebenso ein Gebrauchsgegenstand und müssen mindestens vier Jahre halten.”

Beratungshonorar
Wer sich im “dar Zäodl” ausrüstet, wird hinsichtlich Ausstattung und Ergonomie beraten. “Die Schultasche darf inklusive Trinkflasche und Jausebox nicht schwerer als zehn Prozent des Eigengewichts sein und muss gut auf dem Rücken sitzen”, erklärt die Chefin. Leider habe sie es des Öfteren schon erlebt, dass die Kunden die Schultaschen nach der Beratung im Internet bestellt haben. Daher verlangt die Unternehmerin jetzt 20 Euro Beratungshonorar, wenn nicht bei ihr gekauft wird.

Schultaschen- und Rucksacksaison ist bei Hagen das ganze Jahr über. “Hauptsaison ist im Jänner.” Am Funkensonntag organisiert sie stets eine Schultaschenausstellung. Außerdem hat sie einen “Spray Day” initiiert, bei dem ein Graffiti-Profi Rucksäcke, Federschachteln und Turnbeutel mit besonderen Motiven verschönert.


Hagen weiß, dass der Schulsachen-Kauf für viele Menschen eine finanzielle Belastung darstellt. Deshalb unterstützt sie seit Jahren durch Schultaschenspenden Familien über verschiedene Organisationen. Sie nimmt auch gut erhaltene, gebrauchte Schultaschen entgegen und gibt diese an die richtigen Stellen weiter.


Bedürftige Menschen in Vorarlberg haben die Möglichkeit, unter anderem über die Volkshilfe Schultaschen zu erhalten. Auch Lena und ihrer Familie ist es wichtig, anderen zu helfen. Sie hat ihre erste Schultasche im Rahmen einer Sammlung des Elternvereins an der Schule für den guten Zweck weitergegeben. “Die ist noch so gut wie neu.”
Tipps der Arbeiterkammer zum Schultaschenkauf
Der stabile Sitz am Rücken wird vor allem durch einen Brust- und einen Hüftgurt unterstützt. Auch wenn sich die Schüler:innen bewegen. Zusätzlichen Tragekomfort bieten Polsterungen am Rücken und an den Tragegurten.
Da Schulanfänger:innen unterschiedlich groß sind und schnell wachsen, sollte eine gute Schultasche entsprechende Anpassungsmöglichkeiten haben. Also mit dem Kind „mitwachsen“.
Noch besser ist es, wenn zusätzlich das Rückenteil verstellbar ist. Grundsätzlich gilt: Die Oberkante der Schultasche sollte sich auf Höhe der Schultern befinden.
Gleichmäßige Gewichtsverteilung ist wichtig. Fächer mit einer stabilen Trennwand unterstützen ein ergonomisch richtiges Packen. Denn: Schwere Sachen sollten direkt am Rücken gelagert werden. Vor allem Seitentaschen verleiten dazu, Getränkeflaschen oder sonstige schwere Gegenstände auf einer Seite zu verstauen, was zu Schräglagen und Haltungsschäden führen kann.
Reflektierende Flächen sind ein Muss.
Kinder beim Kauf miteinbeziehen.
Weitere Infos zum Thema sind hier abrufbar.