Keine Elternberatung mehr in den Jagdberggemeinden: “Für mich unverständlich”

Die Elternberatung ist eine der Anlaufstellen für junge Eltern in Vorarlberg. Doch diese wird im August ausziehen müssen.
Schlins Ab dem ersten September wird es in Schlins keine Elternberatung mehr geben. Für Giulia unverständlich, die junge Mutter besucht die Elternberatung in Schlins bald seit einem Jahr. “Ich war auch schon in der Beratungsstelle in Nenzing, ich fühlte mich aber in Schlins wohler”, verrät sie.
Die Elternberatungsstelle in Schlins ist die einzige in den sechs Jagdberggemeinden mit ihren über 7000 Einwohnern. Geöffnet hatte man bislang jeden Donnerstag von 9 bis 10.30 Uhr. “Immer wenn ich dort war, war auch eine weitere Mama anwesend”, konnte die 24-Jährige keine mangelnde Nachfrage feststellen. Und auch der Termin am Vormittag empfand sie als angenehm, da die Kinder zu dieser Zeit meist wach sind. Sie vermutet, dass die Beratungsstellen in Bludesch, Frastanz und Nenzing den Ausfall von Schlins nur bedingt auffangen können. “Nenzing war bislang auch sehr gut besucht, ich befürchte dies wird nun erst recht überlaufen sein”, warnt sie.
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In der Schlinser Beratungsstelle fand bislang auch einmal monatlich der Elli’s Babytreff statt, bei dem man sich mit anderen Eltern austauschen konnte. Zwar gibt es noch den Elli’s Kindertreff im Wiesenbachsaal in Schlins, aber die Kooperation mit der Beratungsstelle wird so in Zukunft nicht mehr möglich sein. Ein Verlust für viele, ist sich die 24-jährige Giulia sicher. Für sie ist die Elternberatungsstelle ein Ort, an dem sich Freundschaften entwickeln konnten. “Für mich ist nicht verständlich, warum dies nicht beieinander bleiben kann”, würde sich Giulia wünschen, dass sich in den sechs Jagdberggemeinden doch noch einen Raum für die Elternberatung finden ließe.
Regionalisierung
Die Elternberatung der Connexia ist ein gemeinsames Angebot der Standortgemeinden und des Vorarlberger Sozialfonds. In 68 Elternberatungsstellen in ganz Vorarlberg fanden 2023 insgesamt 11.782 Beratungen statt. Hinzu kommen Hausbesuche und Telefonberatungen, die den Gesamtwert auf 15.528 anschwellen lässt. Die Räumlichkeiten für die Beratungsstellen werden der Connexia als Betreiberin von den Gemeinden kostenlos zur Verfügung gestellt. “Wir haben diverse Maßnahmen gesetzt, damit das Angebot angenommen wird, aber die Besucherzahlen waren über zwei Jahre hinweg sehr überschaubar und somit mussten wir diesen Schritt gehen”, erklärt Schlins’ Bürgermeister Wolfgang Lässer.

In Schlins fanden laut Connexia-Geschäftsführer Martin Hebenstreit im ersten Halbjahr 74 Beratungen statt. Er räumt ein, dass wohl auch ein Eigenbedarf der Gemeinde an den Räumlichkeiten bestehen würde. Die Auflassung des Standortes in den Jagdberggemeinden würde es immerhin erlauben, durch die nun frei werdenden Ressourcen die Öffnungszeiten an anderen Beratungsstellen auszudehnen. Auch werden so mehr Hausbesuche denkbar. “Es gibt Regionen, in denen wir die Perspektive haben, dass eine Regionalisierung das Angebot verbessern könnte”, erläutert Hebenstreit. Man werde zwar nicht gezielt Beratungsstellen schließen, werde aber in solchen Fällen eine “sanfte Regionalisierung” versuchen. “Wir hatten auch schon über 100 Beratungsstellen, die dann jedoch teilweise nur eine Stunde in der Woche geöffnet sein konnten.” Dies war jedoch nicht im Sinne der Betroffenen. “Der Wunsch nach längeren Öffnungszeiten ist die häufigste Rückmeldung, die wir erhalten”, versichert Hebenstreit.
Giulia kann sich dem nicht anschließen. “Auf eine zusätzliche halbe Stunde kommt es auch nicht an”, wäre ihr lieber, wenn es in den Jagdberggemeinden weiterhin ein lokales Angebot gäbe.