“Das gehört einfach dazu”

Die Eröffnung der Bregenzer Festspiele ist auch für Schaulustige ein Pflichttermin.
Bregenz Vanessa hat sich herausgeputzt. Perlenohrringe, Juppe, Haarkranz, auf dem Kopf eine güldene Schappale. Vorderhand ist der Zehnjährigen aber doch noch etwas zum Gähnen zumute. „Ich bin müde. Man hat mich heute um sieben aus dem Bett geworfen und dann schläft auch noch die ganze Verwandtschaft bei uns“, erläutert sie und verdreht dabei leicht die Augen. „Du bist aber schon froh, dass du hier sein darfst, oder“, fragt eine Begleiterin. Vanessa nickt. „Es ist schon etwas Besonderes“, bestätigt sie.

Noch hat das Mädchen aus Hittisau etwas Zeit, um richtig wach zu werden. Der große Auftritt auf dem Platz vor dem Bregenzer Festspielhaus ist in einer knappen Stunde. Die Zehnjährige bildet gemeinsam mit dem achtjährigen Finn aus Riefensberg eines von insgesamt vier Kindertrachtenpaaren, die den Ehrengästen einen sommerlichen Blumengruß übergeben. „Wir überreichen Politikerfrauen Blumensträuße“, erläutert das Trachtenmädchen aus dem Bregenzerwald.




Zaungäste
Es ist die feierliche Eröffnung der 78. Bregenzer Festspiele. Für Ehren- als auch Zaungäste ein Pflichttermin. Wer vorne beim roten Teppich einen Platz haben will, muss früh genug hier sein. Auch die Stühle unter den Bäumen oder am Brunnen sind begehrt. Gegen halb zehn ist der Platz bereits gut gefüllt. „Letztes Jahr war ich im Haus drinnen. Dieses Jahr habe ich keine Karte bekommen, deswegen bin ich draußen. Man trifft sehr viele Menschen, die man gerne mag“, schwärmt Brigitte Fink (78) aus Bregenz.

Viele der Zaungäste sind Stammgäste und haben vor allem eines im Sinn: Promis und Kleider schauen! Nicht so Josef Dürer (69) aus Höchst. „Mir ist eigentlich egal, wer die Eröffnung macht“, sagt er. Der 69-Jährige ist heute im Auftrag des Milizverbandes Tirol und Vorarlberg hier. „Ich schaue, dass ich kurz mit der Bundesministerin für Landesverteidigung sprechen kann, wenn sie hier ist“, erläutert Josef Dürer. „Es muss einfach mal geregelt werden, dass die Miliz auch für gewisse Sachen zuständig ist und man nicht nur sagt, das macht die Miliz und nichts kommt.“





Militärische Ehren
Apropos Bundesheer. Kurz nach zehn Uhr ist es so weit. Der Bundespräsident wird von der Militärmusik und einer Ehrenkompanie am Vorplatz des Festspielhauses mit militärischen Ehren begrüßt. „I gang a kle wita hintere, do isch ma z’viel Prominenz“, merkt ein Zaungast an, der gerade eine Bekannte begrüßt hat und dafür aus der Baumreihe hervorgetreten ist.



Handys werden gezückt. Langsam wird es auch für Vanessa, Finn und die anderen Kindertrachtenpaare ernst. Die Blumensträuße für Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit Gattin Doris Schmidauer, Landeshauptmann Markus Wallner mit Gattin Sonja, den Bregenzer Bürgermeister Michael Ritsch mit Gattin Yvonne und Festspielpräsident Hans-Peter Metzler mit Lebensgefährtin Kathrin Cometto sind bereit. Die Polizei hat derweil alles im Blick. In Zivil, in Uniform, vom Dach des Festspielhauses aus und mit der Drohne . . . Die Spiele können beginnen.

