ÖBB-Personalnot – Erste Tunesier als KFZ-Mechaniker da: “Wir brauchen sie dringend”

Zu wenig Arbeitskräfte in Österreich: Die ÖBB planen auch Lokführer, Buslenker oder Zugbegleiter aus Drittstaaten wie Indien, Kolumbien oder den Philippinen einzustellen.
Darum geht’s:
- Tunesische Fachkräfte als Bahnlagertechniker und Mechaniker bei ÖBB gegen Personalnot eingesetzt.
- ÖBB startet EU-weite Ausschreibung zur Rekrutierung von weiteren Fachkräften
- Integration durch Deutschkurse unterstützt, langfristige Anstellung angestrebt
Wolfurt Dhaker Rjab und Farouk Ben Yahia sind seit einem halben Jahr in Vorarlberg. Die Tunesier arbeiten als Kfz-Mechaniker in der ÖBB-Postbus-Werkstätte in Wolfurt – und dort werden sie dringend benötigt. 220 Postbusfahrzeuge aus dem ganzen Land werden hier bei Bedarf auf Vordermann gebracht. “Ich arbeite sehr gerne hier, das Team und der Chef sind alle sehr freundlich”, erklärt der 28-jährige Dhaker Rjab, der aus der Stadt Monastir stammt und in Vorarlberg neben seiner Arbeit gerne in die Berge oder an den Bodensee geht.

Die insgesamt fünf Fachkräfte aus Tunesien, die nun in Wolfurt tätig sind, sind Teil einer größeren Rekrutierungsinitiative der ÖBB, die darauf abzielt, den Fachkräftemangel abzufedern. “Es ist neben der Rekrutierung in Österreich und der EU eine weitere Schiene, über die wir Fachkräfte gewinnen möchten”, erklärt ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair. Rund 45.000 Mitarbeiter hat das Unternehmen in Österreich – und die Hälfte davon geht bis 2030 in Pension. Alleine 2024 werden österreichweit 3400 neue Mitarbeiter gesucht, die die Verkehrswende voranbringen sollen. Der Bedarf wird mit dem Ausbau des Bahnnetzes in den nächsten Jahren wohl weiter steigen.

Fachkräfte aus Übersee
Über eine private Vermittlungsagentur wurden österreichweit die ersten 15 Tunesier angeworben, die nun als Kfz-Mechaniker arbeiten. Die ÖBB haben eine EU-weite Ausschreibung für den gesamten Konzern gestartet, um einen Personaldienstleister zu finden, der sowohl heimisches Personal, Personal aus dem EU-Raum als auch gegebenenfalls aus Drittstaaten vermittelt. Als Nächstes könnten Zugführer, Schaffner oder Busfahrer aus diversen Drittstaaten wie etwa Kolumbien, den Philippinen oder Indien angeworben werden. Tätigkeiten also, die auf der Mangelberufsliste stehen und die per Rot-Weiß-Rot-Karte besetzbar sind. “Diese ermöglicht es, aus Drittstaaten Fachkräfte ins Land zu holen”, erklärt Gasser-Mair. Nachsatz: “Wir brauchen diese Leute dringend.”

Die Mangelberufsliste umfasst dieses Jahr 110 bundesweite und 48 regionale Berufe, darunter zusätzlich acht Berufe des öffentlichen Verkehrs, was die Gewerkschaft vida kritisiert. Damit riskiere die Regierung weiteres Lohn- und Sozialdumping sowie ein Aufweichen der Sicherheits- und Ausbildungsstandards, so Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Bahngewerkschaft.

Längerfristige Initiative
Die große Rekrutierungsinitiative ist langfristig angelegt, betont Werkstättenleiter Helmut Hopfner. Denn durch die Sprachbarriere und die Anpassung an die österreichischen technischen Standards sei die Einarbeitungsphase länger. Neben der fachlichen Ausbildung legen die ÖBB großen Wert darauf, dass die neuen Mitarbeiter Deutsch lernen, um die Integration zu erleichtern. Dafür werden auch Deutschkurse vom Unternehmen bezahlt.

„Die Jungs sind top motiviert, freundlich und pünktlich. Wir sind froh, dass sie hier sind“, lobt Werkstättenmeister Jürgen Anderle. Dhaker Rjab und Farouk Ben Yahia haben sich jedenfalls gut in das Team der Werkstätte eingelebt und wollen hier längerfristig bleiben: “Vorarlberg ist sehr schön”, zeigen sich die Tunesier dankbar.
Personal bei den ÖBB
Die ÖBB haben ihren Personalstand laut Unternehmensangaben von 42.600 Personen Ende 2022 auf 43.200 per Jahresende 2023 erhöht. Derzeit leisten 5031 Lokführerinnen und Lokführer ihren Dienst – um 24 mehr als im Vorjahr. Bei den technischen Facharbeitern verzeichnete die Bahn mit 2571 Personen ein Plus von 129 Mitarbeiter. Aktuell bilden die ÖBB rund 2100 Lehrlinge aus. 21 Prozent der Lehrlinge sind weiblich, bei den Neuaufnahmen bereits ein Viertel, so die Bundesbahnen.
Alleine 2024 werden österreichweit 3400 neue Mitarbeiter gesucht.