Extreme Teuerung auf dem Bau gestoppt

Vorarlberg / 21.05.2024 • 08:50 Uhr
Bericht zur Baustelle im Zentrum in Egg Bürgermeister Dr. Paul Sutterlüty
Seit Anfang des vergangenen Jahres sind die Baupreise im Land mehr oder weniger unverändert, aber um ein Drittel höher als 2020. Foto: VN/Paulitsch

Preise seit Anfang 2023 kaum gestiegen. Finanzierung bleibt jedoch das Problem.

SCHWARZACH. Seit Anfang des vergangenen Jahres sind die Baupreise im Land ziemlich stabil um ein gut Drittel höher als 2020. Gestiegen sind sie kaum noch. Lagen sie im ersten Quartal 2023 um 33,5 Prozent über dem Ausgangsniveau so taten sie dies – nach zwischendurch 32,3 Prozent – im ersten Quartal heuer um 34,5 Prozent. Das ist dem Index zu entnehmen, den die Statistik Austria für den Wohnungs- und Siedlungsbau in Vorarlberg führt. Sprich: Zumindest die extreme Teuerung ist gestoppt.

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Wolfgang Amann, Geschäftsführer des Instituts für Immobilien Bauern und Wohnen, sagt, dass die Preise jetzt sogar sinken müssten. Das tun sie jedoch nicht. Dafür gibt es Erklärungen.

Doch eines nach dem anderen: Dass es zunächst zu einer so massiven Teuerung gekommen ist, ist laut Amann darauf zurückzuführen, dass 2020 alle Welt versucht hat, sich aus der Coronakrise heraus zu investieren. Das habe zu einem unglaublichen Bauboom, aber auch Lieferkettenproblemen geführt. Material- und Lieferkosten seien in die Höhe geschossen. 2022, nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine, seien die Kosten noch einmal massiv gestiegen. Erst seit dem damaligen Mai würden sie sich „seitwärts“ bewegen, sind sie also mehr oder weniger stabil.

Die Kosten fallen für die Bauwirtschaft an und setzen sich laut Amann zu rund 50 Prozent aus Material- und Energie- sowie zu 50 Prozent aus Personalkosten zusammen. Davon zu unterscheiden sind die Baupreise, die Bauträgern oder privaten Bauherren verrechnet werden.

Wolgang Amann
Zumal die Nachfrage stark nachgelassen hat, müssten die Preise eigentlich sinken, meint Wolfgang Amann. Sie tun es nicht. Als Gründe gelten vor allem erhöhte Löhne. Foto: IIBW

Amann weist nun darauf hin, dass die Preise länger und deutlicher als die Kosten gestiegen sind: „Das ist verwunderlich, zumal die Nachfrage stark nachgelassen hat. Da müssten sie eigentlich sinken. Das tun sie nicht.“

„In diesem Fall bestätigt sich ein altbekanntes Muster“, erklärt Michael Klien vom Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO: Auch nach Phasen starker Steigerungen habe es in den letzten 50 Jahren praktisch nie einen Rückgang gegeben: „Das hat auch damit zu tun, dass die Inflation zeitversetzt in die Löhne eingeht.“ Auf dem Bau sei zwar Material günstiger geworden, das sei aber durch Lohnsteigerungen kompensiert worden. Im Mai 2023 hätten diese im Baugewerbe etwa 9,5 Prozent betragen.

Ernst Thurnher, Geschäftsführer des Bauunternehmens „Rhomberg“, bestätigt dies und nennt einen weiteren Grund. Neben gestiegenen Löhnen sind demnach auch erhöhte Zinsen relevant für Entwicklung der Preise.

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Die größte Hürde bleibt die Finanzierung: Für ein Eigenheim braucht man laut Amann allemal 120.000 Euro Eigenmittel: “Die muss man erst einmal haben.” Foto: APA

Wer bauen möchte, kann derzeit zwar darauf setzen, dass sie stabil sind. Eine Hürde bleibt jedoch unverändert: die Finanzierung. „Bei Hüslebauern ist noch immer das Thema mit der KIM-Verordnung“, analysiert Amann. Durch diese Verordnung ist die Kreditvergabe strenger geregelt worden. Praktische Folge laut Amann: „In Vorarlberg muss man damit rechnen, dass der Traum von einem Eigenheim über 600.000 Euro kostet. Aufgrund der KIM-Verordnung sind 20 Prozent Eigenmittel nötig. Das sind in diesem Fall immerhin 120.000 Euro. Die muss man erst einmal haben. Gerade als Junger.“