Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Unter meiner Würde?

Vorarlberg / 26.03.2024 • 11:00 Uhr

Kennen Sie das? Sommer in der Stadt. Die Luft flirrt. Man hat die Sehenswürdigkeiten ausgekostet. Jetzt ist es genug. Müde Füße trotten ins Hotel. Da lockt ein Schild am Straßenrand mit Fußmassage! Das Gehirn hat die Richtungsänderung noch gar nicht befohlen, da legen die Beine ein letztes Mal an Spannkraft zu, um die brennenden Fußsohlen in wohlig-warmem Wasser zu entlasten.

Davor aber liegt ein beschämender Moment: Wenn die Masseurin – und es sind immer Frauen – vor dem Kunden niederkniet und ihn bittet, sich seiner Schuhe zu entledigen, wird er sich bewusst, dass der anstrengende Tag Spuren hinterlassen hat. Ungern entblößt er, was er für eine Zumutung hält. Zurecht. Dennoch tut die fremde Frau, als machte es ihr nichts aus, wäscht die fremden Füße, trocknet sie, verschafft ihnen mit Ölen Linderung.

Eigenartig: Der Gründonnerstag eröffnet den Kern der christlichen Botschaft mit ebendieser Geste: Jesus wäscht seinen Jüngern die Füße. Er tut es gratis. Fragt er sich denn gar nicht, ob das unter seine Würde liegt? Die Evangelien überliefern einen solchen Zweifel nicht. Aber wer immer das liest, kann sich schon fragen: Ob ich das auch zuwege brächte?