Peter Bußjäger

Kommentar

Peter Bußjäger

Lorenz Böhler

Vorarlberg / 07.03.2024 • 10:00 Uhr

Das Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhaus in Wien wurde zumindest temporär wegen Brandschutzmängeln bei dem 1972 errichteten Spital geschlossen. Das eigentlich recht kleine, aber spezialisierte Krankenhaus mit etwas über 100 Betten wird von der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) betrieben. Viele Menschen in Wien argwöhnen, dass die AUVA das Krankenhaus, das offenbar einen guten medizinischen Ruf genießt, nicht wieder aufsperren wird. Der Ärger ist riesig, Protestkundgebungen sind schon angekündigt. Man könnte glauben, die Gesundheitsversorgung in der Bundeshauptstadt stünde auf dem Spiel.

Wenn die Landbevölkerung um ihre Gesundheitsversorgung bangt, scheint das ja nicht weiter schlimm.

Befände sich das „Lorenz Böhler“ an einem anderen Standort in Österreich, wäre auch dort die Entrüstung über den Verlust einer gut funktionierenden Einrichtung der Gesundheitsversorgung groß. Allerdings würden nicht wenige Zentralisten argumentieren, dass es „auf dem Land“ ohnehin viel zu viele Krankenhäuser gibt, die in zu geringer Entfernung von einander errichtet sind. Dieses Argument ist nur während der Corona-Zeit kurz in den Hintergrund getreten, wird mittlerweile aber wieder gerne aufgewärmt. Wenn die Landbevölkerung um ihre Gesundheitsversorgung bangt, scheint das ja nicht weiter schlimm. Was sind heute schon 50 km auf unseren gut ausgebauten Straßen? Im Westen Österreichs existiert übrigens kein Unfallkrankenhaus der AUVA, obwohl es auch bei uns Unfälle gibt.

Lorenz Böhler war übrigens ein Vorarlberger, der, 1886 geboren, vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts großartige Leistungen in der medizinischen Behandlung vor allem von Knochenbrüchen erbrachte. Er blieb in der internationalen Fachwelt hoch angesehen. Daran änderte letztendlich auch seine Mitgliedschaft in der NSDAP nichts, die er nach 1938 erwarb.

Es ist durchaus positiv, wenn auch in Wien eine große Zahl an Menschen die Bedeutung einer leicht zugänglichen und qualitativ hochwertigen Spitalsversorgung erkennt. Noch erfreulicher wäre es, wenn dieser Anspruch auf eine gute Versorgung auch der Bevölkerung „auf dem Land“ zugebilligt würde.

Peter Bußjäger

peter.bussjaeger@vn.at

Peter Bußjäger ist Direktor des ­Instituts für Föderalismus und ­Universitätsprofessor in Innsbruck.