Deswegen wollte am BG Bludenz niemand mehr Christoph Thomas Kinder unterrichten

Mails und permanente Interventionen. Der ÖVP-Politiker war am Gymnasium gefürchtet.
Bludenz Die betroffene Deutschlehrerin des BG Bludenz, die von Wirtschaftsbunddirektor und Landtagsabgeordneten Christoph Thoma (50) wegen einer Deutschnote offensichtlich unter Druck gesetzt wurde, wollte auf Anfrage der Vorarlberger Nachrichten keine Stellungnahme zu ihren Erlebnissen mit dem ÖVP-Mandatar abgeben. Über Umwege erfuhren die VN dennoch Einzelheiten der Aktivitäten des ehemaligen Elternvereinssprechers am Bundesgymnasium Bludenz.
Deutschlehrerin nicht allein
Demnach habe er nicht eines, sondern über ein halbes Dutzend Mails mit deftigen Formulierungen und Forderungen an die Pädagogin und andere verschickt. Die Deutschlehrerin sei nicht die einzige Lehrperson gewesen, die von Thoma heftig kritisiert wurde. Die als durchaus robust geltende Pädagogin habe die mehrfachen Interventionen und Anschuldigungen durch den Politiker irgendwann nicht mehr ertragen. Niemand habe zu der Zeit Klassen mit den Kindern Thomas unterrichten wollen. Nicht wegen der Kinder, sondern wegen dem Vater.
Die Lehrerin fühlte sich von der Schule zu wenig unterstützt und kontaktierte daraufhin die Bildungsdirektion.

Mediationsverfahren
Das wird auch von Lehrervertretung und Gewerkschaft, an die sich die Pädagogin zuvor gewandt hatte, bestätigt. Die Pädagogin sei von der Schulbehörde lange im Regen stehen gelassen worden. Sogar den Landeshauptmann soll sie versucht haben zu erreichen, um auf ihre Situation hinzuweisen. Ohne Erfolg.

Direktor Gerald Fenkart bestätigt gegenüber den VN: “Ja, es stimmt. Die Kollegin hat sich anfangs zu wenig unterstützt gefühlt. Doch dann, am Ende des vergangenen Schuljahres, haben wir in dieser Angelegenheit ein Mediationsverfahren durchgeführt. Das hat mit einem zufriedenstellenden Ergebnis geendet.”

Timing der Anzeige
Als überzogen und in Teilen unrichtig, im Kern jedoch wahr, wird von Insidern der Inhalt der anonymen Anzeige beschrieben. So habe Thoma der Lehrerin, wie im Schreiben festgehalten, nicht mit dem Verlust ihres Jobs gedroht.
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Das Problem mit dem eigenwilligen Schülervater gibt es am BG Bludenz mittlerweile nicht mehr. Die Kinder Thomas befinden sich an anderen Bildungsstätten. Dass die anonyme Anzeige gerade jetzt an die Öffentlichkeit gelangt, nimmt Roland Frühstück, Klubobmann der ÖVP im Landtag, deswegen mit großer Verwunderung zur Kenntnis. “Es ist schon bemerkenswert, dass man einen bereits beendeten Konflikt Monate später plötzlich aufkocht.” Einen vorübergehenden Rückzug Thomas von seinem Abgeordnetenmandat erachtet Frühstück als nicht notwendig. “Die Staatsanwaltschaft ist jetzt am Zug und soll entscheiden, ob hier etwas strafrechtlich Relevantes vorliegt.”