Widerstand gegen Kraftwerkspläne zu groß

Vorarlberg / 22.01.2024 • 17:23 Uhr
Widerstand gegen Kraftwerkspläne zu groß

illwerke vkw lenken trotz positivem UVP-Bescheid ein. Kleinkraftwerk Mellenbach wird neu geplant.

Mellau Die Kraftwerkspläne für das Mellental sollten letzte Woche eine wichtige Hürde nehmen. Die Landesregierung hatte festgestellt, dass der Bau des Kleinkraftwerks mit 3,7 Megawatt Leistung keiner Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) bedarf. Gute Nachrichten für den Betreiber würde man glauben. Und dennoch dürfte das Ergebnis des UVP-Feststellungsverfahrens keine große Rolle mehr spielen. Hinter den Kulissen wird längst eifrig an neuen Plänen gearbeitet. Beim Energieversorger illwerke vkw spricht man auf VN-Anfrage von Projektoptimierungen. Tatsächlich dürfte kein Stein auf dem anderen bleiben.

Xaver Natter sorgt sich um das Naherholungsgebiet und plant die Gründung einer Bürgerinitiative "Pro Mellental". <span class="copyright">VN/Gasser</span>
Xaver Natter sorgt sich um das Naherholungsgebiet und plant die Gründung einer Bürgerinitiative "Pro Mellental". VN/Gasser

Die Planungen waren weit fortgeschritten. Dort, wo Elmabach und Wallenbach in den Mellenbach münden, sollte ein Gebäude mit Schlauchwehr zur Wasserfassung errichtet werden. Der Standort für das Krafthaus selbst war im Ort vorgesehen. Das Vorhaben hatte zuletzt allerdings immer mehr Kritiker auf den Plan gerufen. Xaver Natter, Obmann der “Agrargemeinschaft Vorsäßgemeinschaft Wald” ist einer von ihnen. Er fürchtet um die Qualität des Naherholungsgebiets und will eine Bürgerinitiative gründen. “Wir haben keine Wünsche, was eine Verbesserung des Projekts betrifft. Wir wollen es verhindern”, macht Natter klar.

illwerke vkw haben Bedenken und Vorschläge für Optimierungen aufgenommen. <span class="copyright">VN/Gasser</span>
illwerke vkw haben Bedenken und Vorschläge für Optimierungen aufgenommen. VN/Gasser

illwerke vkw arbeiten unterdessen an Verbesserungen. “Wir haben Bedenken und Vorschläge aufgenommen”, sagt Sprecher Andreas Neuhauser. Man wolle im Einklang mit der Region und der Gemeinde agieren. Vieles würde infrage gestellt. Die Optimierungen haben jedenfalls auch Auswirkungen auf den Zeitplan. 2025 sollte mit dem Bau begonnen werden, das Kleinkraftwerk im ersten Quartal 2027 erstmals Strom liefern. Offen war bis zuletzt, wie viel Wasser dem Mellenbach entnommen wird. Dazu würden noch Studien in Auftrag gegeben, so Neuhauser.

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Das Kraftwerksprojekt könnte sich auch in den Dimensionen ändern. Geprüft wird demnach, ob die Wasserentnahme weiter hinten im Mellental erfolgen solle. Zudem brauche es einen besseren Standort für das Krafthaus, der weniger zentral im Dorf sein sollte. “So wäre der Widerstand in der Bevölkerung zu groß”, gibt Bürgermeister Tobias Bischofberger zu bedenken. Hauptfaktor bleibe aber die Restwassermenge, die im Mellenbach verbleibt. “Es darf nicht so sein, dass der Bach dann nur noch ein Rinnsal ist”, so Bischofberger.

"Es darf nicht so sein, dass der Mellenbach dann nur noch ein Rinnsal ist."
"Es darf nicht so sein, dass der Mellenbach dann nur noch ein Rinnsal ist."

Die Änderungen in den Planungen scheinen umfangreich zu sein. Möglich ist deshalb auch, dass es ein neues UVP-Feststellungsverfahren brauchen wird. Auch die Profitabilität wird wohl erneut auf dem Prüfstand stehen. Die Projektoptimierung dürfte jedenfalls Auswirkungen auf die Leistung des Kraftwerks haben, wie auch illwerke vkw bestätigen.

"Das Vorhaben ist schon deshalb grenzwertig, weil es am Rand des Naturschutzgebiets hohe Kugel - Hoher Frschen - Mellental" umgesetzt werden soll. <span class="copyright">VN/Gasser</span>
"Das Vorhaben ist schon deshalb grenzwertig, weil es am Rand des Naturschutzgebiets hohe Kugel - Hoher Frschen - Mellental" umgesetzt werden soll. VN/Gasser

Wenn es auch kein Zurück an den Start ist, wie ursprünglich geplant, wird die Kleinwasserkraftanlage Mellenbach jedenfalls nicht realisiert. Für Naturschutzanwältin Katharina Lins ist das Vorhaben aber schon deshalb “grenzwertig”, weil es am Rand des Naturschutzgebiets “Hohe Kugel- Hoher Freschen – Mellental” umgesetzt werden soll. Daran dürfte sich nichts ändern. Auch nicht an der Tatsache, dass dem Bach Wasser fehlen wird, so Lins, die sich schon jetzt ein UVP-Verfahren gewünscht hätte.