“Von Zügen droht Wölfen immer Todesgefahr”

Wölfe sind ausdauernde Wanderer. Aufgrund der dichten Besiedelung kann es dabei zu Zusammenstößen mit Autos oder Zügen kommen. dpa
Dass große Beutegreifer auf ihrer Wanderschaft Bahngleise queren, ist unvermeidlich.
Gargellen, Bregenz Egal ob vom Westen nach Osten, oder vom Süden nach Norden bzw. umgekehrt: Wenn Wölfe durch Vorarlberg ziehen, können sie das kaum mehr durch unbesiedelte Natur. Die Kollision eines Zuges mit einem Wolf bei Nenzing war zwar die erste dieser Art, “aber höchstwahrscheinlich nicht die letzte”, wie Wildbiologe Hubert Schatz mutmaßt. “Es ist ja praktisch nicht mehr möglich, Vorarlberg zu queren, ohne durch ein Gebiet mit Infrastruktur zu müssen.”


Aus der Schweiz
Den für den Wolf tödlich endenden Zusammenstoß mit einem Zug sieht Schatz nicht als Einzelereignis. “So etwas kann wieder passieren. Man weiß, dass wandernde Wölfe überdurchschnittlich oft von Zügen oder Autos überfahren werden. Sie kennen die Gegend nicht, rennen einfach los, die Züge kommen schnell und lautlos”, erklärt Schatz.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.
Wölfe kommen unter anderem aus Graubünden über die Berge nach Vorarlberg. Bertram Netzer, Jäger im Raum Gargellen, weiß das. Mit einer Wildkamera hat er Raubtiere bereits erfasst. “Wölfe fressen gerne das Lockfutter, welches wir für Füchse, die wir hier jagen, ausgelegt haben.” Jäger und Landwirte im Montafon beobachten die Wanderbewegungen aus der benachbarten Schweiz. Auch, ob sich vielleicht auch in Vorarlberg ein Wolfsrudel bildet. “Aber wir können natürlich nicht permanent auf Wolfsbeobachtung sein”, sagt Netzer.

Die längste Wanderung
Wölfe lassen sich bei ihren Wanderungen nicht einschränken. “Sie bewegen sich gerne auf vorgegebenen Wegen und Straßen. Dort sparen sie Kräfte und Energie”, betont Gernot Heigl, Geschäftsführer der Vorarlberger Jägerschaft und ebenfalls Wildbiologe. Laut Heigl ist die häufigste Todesursache von Wölfen in Europa die Kollision mit einem Zug oder einem Kraftfahrzeug. “Ein Wolf schaut nicht links und nichts rechts.” Der Experte erwähnt Jungwölfe aus dem Calanda-Rudel bei Chur,, die unlängst bei Ulm auf der Straße überfahren wurden. Zusammenstöße mit Zügen und Autos sind laut Heigl die häufigste Todesursache von Jungwölfen.

Stichwort Calanda-Rudel. Von einem besenderten Jungwolf aus dieser Gruppe ist die weiteste nachgewiesene Wanderung eines Wolfs bekannt. Im Juni 2022 verließ das Raubtier seine Familie und wurde im Februar 2023 nahe Budapest geortet. Dabei überquerte der Wolf zahlreiche Berge und Flüsse, befand sich kurzzeitig sogar auf 3500 Metern Höhe.

Kein Platz für ein Rudel
Die Wolfspopulation ist in Europa in den vergangenen Jahren fast explosionsartig angestiegen. Fast 20.000 Individuen des großen Beutegreifers gibt es auf dem Kontinent mittlerweile, in Österreich sind es circa 80, die sich regelmäßig im Land aufhalten. Für Hubert Schatz ist jedoch klar. “In Vorarlberg mit seiner dichten Siedlungsstruktur kann es wohl keinen Platz für ein Rudel geben.”