Impfempfehlung weitgehend ignoriert

Vorarlberg / 20.01.2024 • 09:00 Uhr
3,6 Prozent der Vorarlberger haben sich seit dem Sommer gegen Corona impfen lassen. Bei der Grippe liegt der Anteil bei 5,1 Prozent. <span class="copyright">Foto: APA</span>
3,6 Prozent der Vorarlberger haben sich seit dem Sommer gegen Corona impfen lassen. Bei der Grippe liegt der Anteil bei 5,1 Prozent. Foto: APA

Gesundheitsexperte Fidler warnt: Beschränkt sich nicht nur auf Grippe und Corona.

SCHWARZACH. Im vergangenen Sommer hat das Nationale Impfgremium (NIG) neue Empfehlungen herausgegeben. Besonders empfohlen wird eine angepasste Coronaimpfung demnach nicht nur Personen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Erkrankungsverlauf, sondern ab 60-Jährigen. In Vorarlberg sind das etwas mehr als 100.000 Männer und Frauen. Eine Impfung registriert wurde seither aber nur für 11.299 bzw. rund elf Prozent. Sprich: Rund 89 Prozent haben die Empfehlung vielleicht wahrgenommen, sind ihr aber nicht nachgekommen.

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Grundsätzlich empfohlen hat das NIG eine Impfung auch Jüngern. Bei ihnen sind die Quoten aber noch niedriger. Insgesamt ist für 14.460 Menschen in Vorarlberg eine Coronaimpfung im elektronischen Impfpass verzeichnet worden. Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 3,6 Prozent. Er ist damit niedriger als bei der Grippeimpfung. Andererseits: Auch dort handelt es sich nur um 5,1 Prozent.

Thomas Czypionka, der sich am „Institut für Höhere Studien“ (IHS) schon lange mit dem Thema befasst, ist sich sicher, dass es sich um eine Folge der Coronaimpf- und vor allem Impfpflichtgeschichte handelt: „Der Versuch, eine Impfpflicht einzuführen, war schlicht kontraproduktiv. Das hat man auch in anderen Ländern gesehen: Wo das für einzelne Gruppen, geschweige denn die gesamte Bevölkerung gemacht wird, wird eine große Gegnerschaft ausgelöst.“

„Der Versuch, eine Impfpflicht einzuführen, war schlicht kontraproduktiv", sagt Thomas Czypionka. <span class="copyright">Foto: IHS</span>
„Der Versuch, eine Impfpflicht einzuführen, war schlicht kontraproduktiv", sagt Thomas Czypionka. Foto: IHS

Der Vorarlberger Gesundheitsexperte Armin Fidler spricht von weitreichenden Folgen: „Wenn das nur auf die Grippe und Corona beschränkt wäre, wäre es schlimm genug. Es zieht aber Kreise und betrifft zunehmend auch Kinderimpfungen wie Masern, Mumps, Röteln. Die Debatte und die unwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema hat das gesamte Impfwesen in Frage gestellt. Das ist traurig. Die Gesellschaft zahlt einen Preis dafür. Man muss sich nur eine Grafik zur Entwicklung der Kindersterblichkeit im Verlauf der Geschichte anschauen: Jedes Mal, wenn eine neue Impfung eingeführt worden ist, gibt es einen Zacken nach unten, geht die Kindersterblichkeit zurück.“

"Die Debatte und die unwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema hat das gesamte Impfwesen in Frage gestellt", stellt Armin Fidler fest. <span class="copyright">Foto: VN/Lerch</span>
"Die Debatte und die unwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema hat das gesamte Impfwesen in Frage gestellt", stellt Armin Fidler fest. Foto: VN/Lerch

Was tun? Die Sache ist verfahren, wie Czypionka bestätigt: „In der Politik hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass man sich mit Corona im Allgemeinen und Impfen im Besonderen nur die Finger verbrennen kann. Daher wird auch so wenig getan. Es gibt aber auch ein Glaubwürdigkeitsproblem: Im Übereifer ist in der Pandemie versprochen worden, dass für Geimpfte alles vorbei sei. Medizinern war klar, dass das wahrscheinlich nicht der Fall sein wird. Trotzdem hat man es getan. Am Ende war für alle sichtbar, dass auch Geimpfte erkranken können. Zwar mit viel geringerer Wahrscheinlichkeit schwer, aber doch. Vorbei war die Pandemie jedenfalls auch für sie nicht.“

„In der Politik hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass man sich mit Corona im Allgemeinen und Impfen im Besonderen nur die Finger verbrennen kann", so Czypionka. <span class="copyright">Foto: APA</span>
„In der Politik hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass man sich mit Corona im Allgemeinen und Impfen im Besonderen nur die Finger verbrennen kann", so Czypionka. Foto: APA

Vernünftig wäre es laut Czypionka, das Impfthema anerkannte Experten und integrative Persönlichkeiten, wie einen Alt-Bundespräsidenten, vermitteln zu lassen. Und zwar seriös, aber verständlich. Zum Beispiel auch durch Broschüren für Jedermann und Jedefrau. Armin Fidler ortet diesbezüglich ebenfalls Handlungsbedarf: „Ich sehe nichts, wo aufgeklärt wird, wo erklärt wird. Und ich gehe mit offenen Augen durch die Welt. Da müsste man viel, viel mehr tun.“