Das ist der Räuber, den (fast) alle im Land begrüßen

Vorarlberg / 16.01.2024 • 19:00 Uhr
Dieser Luchs befand sich ursprünglich im Feldkircher Wildpark. Doch er wurde wenig später ausgewildert.  <span class="copyright">VN/Haller</span>
Dieser Luchs befand sich ursprünglich im Feldkircher Wildpark. Doch er wurde wenig später ausgewildert. VN/Haller

Luchse sind zurück in Vorarlberg. Ergebnis einer Studie bestätigt zwölf Individuen in drei Regionen.

Darum geht’s:

  • Der Luchs kehrt in Vorarlberg zurück, mit acht erwachsenen und vier jungen Tieren.
  • Der Luchs frisst Rehe und Gämsen, aber keine Nutztiere.
  • Experten erwarten, dass sich der Luchs weiterhin ausbreitet und die Biodiversität bereichert.

Dornbirn Der böse Wolf, der gute Luchs. Das ist die gefühlte Beurteilung der Rückkehr großer Beutegreifer durch zahlreiche Vorarlberger, Experten und Laien gleichermaßen.

Während über den Luchs im Gegensatz zum Wolf nur immer am Rande gesprochen wurde, hat sich ein Kärntner Büro für Wildbiologie im Auftrag des Landes ausschließlich mit der Jahrzehnte für ausgestorben geglaubten Raubkatze beschäftigt. Das Ergebnis liegt nun vor und ist aus Sicht nahezu aller Experten erfreulich: Der Luchs ist wieder zurück. Acht selbstständige Luchse und vier Jungtiere leben demnach in Vorarlberg in drei Regionen.

Ein Luchs zum Streicheln. Das gibt’s nur, wenn die Raubkatze betäubt ist. Bei diesem wunderschönen Tier war das der Fall.
Ein Luchs zum Streicheln. Das gibt’s nur, wenn die Raubkatze betäubt ist. Bei diesem wunderschönen Tier war das der Fall.

Wildkameras und Lockstöcke

„Wir haben Luchse in drei Regionen des Landes: im Rätikon, im hinteren Montafon und im Gebiet rund um den Hohen Freschen“, berichten Gernot Heigl, Geschäftsführer der Vorarlberger Jägerschaft sowie der Wildbiologe des Landes, Hubert Schatz. „Die meisten Tiere leben im Rätikon, im Grenzgebiet zu Liechtenstein“, präzisiert Schatz.

Nach Auskunft des Wildbiologen erstreckte sich die Dauer des Luchsprojekts in Vorarlberg über zwei Jahre, von Oktober 2021 bis Oktober 2023. Dazu wurden Wildkameras und sogenannte Lockstöcke an vermuteten Wanderrouten aufgestellt, um den Nachweis von Luchsen zu belegen.

Wildbiologe Hubert Schatz begrüßt die Rückkehr des Luchses in Vorarlberg. Die Raubkatze ist keine Gefahr für Nutztiere. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Wildbiologe Hubert Schatz begrüßt die Rückkehr des Luchses in Vorarlberg. Die Raubkatze ist keine Gefahr für Nutztiere. VN/Steurer

Luchse mögen Rehe

Dass der Räuber einen Einfluss auf den Wildbestand in seinen Revieren hat, ist unbestritten. „Der Luchs frisst pro Woche ein Reh oder eine Gams. Man spürt seine Anwesenheit. Die Jäger müssen sich darauf einstellen, dass sie einen Teil ihrer Abschussquote an den Luchs abgeben müssen“, beurteilt Gernot Heigl die Situation. Bei den Gämsen hat es der Luchs vor allem auf alte Böcke, die sich oft abseits einer Herde aufhalten, abgesehen. „Rotwild ist dem Luchs zu groß, deshalb konzentriert er sich hauptsächlich auf Rehe und Gämse“, weiß Schatz.

Laut Gernot Heigl, Geschäftsführer der Vorarlberger Jägerschaft, müssen sich die Weidmänner auf die Existenz des Luchs’ einstellen.  <span class="copyright">VN/Sams</span>
Laut Gernot Heigl, Geschäftsführer der Vorarlberger Jägerschaft, müssen sich die Weidmänner auf die Existenz des Luchs’ einstellen. VN/Sams

Keine Gefahr für Nutztiere

Was die Raubkatze speziell für Landwirte wohltuend vom Wolf unterscheidet: Nutztiere sind nicht in ihrem Beuteschema. „Luchse vermehren sich auch nicht in dem Ausmaß wie Wölfe“, betont Schatz. „Das liegt daran, dass sie Einzelgänger sind.“ Dennoch gehen die Experten davon aus, dass sich der Luchs im Land weiter ausbreiten und auch in anderen Regionen sesshaft machen wird.“ Zu einer Bedrohung des Ökosystems sollte er nicht werden. Ganz im Gegenteil: Viele sprechen von einer willkommenen Bereicherung der Biodiversität.

So süß sind Luchsbabys. Vier Jungtiere soll es mittlerweile in freier Wildbahn geben. <span class="copyright">Wildpark Feldkirch</span>
So süß sind Luchsbabys. Vier Jungtiere soll es mittlerweile in freier Wildbahn geben. Wildpark Feldkirch

Das Luchsprojekt soll auf alle Fälle fortgesetzt werden. „Unter der Leitung des Landes mithilfe der Jägerschaft“, berichtet Schatz.