Aufregung im Bregenzerwald: Volksanwalt nimmt Luxus-Alpe ins Visier

Größer und luxuriöser als in den Planungsunterlagen: Umstrittene Bewilligung der Alpe Krähenberg in Sibratsgfäll wird neu aufgerollt.
Sibratsgfäll Lange war es um ein höchst umstrittenes Bauvorhaben ruhig. Ein Vorarlberger Werbeunternehmer hatte gemeinsam mit einem Bauern die Alpe Krähenberg mit 115 Hektar Boden erworben. 1700 Quadratmeter Freifläche wurden von der Gemeindevertretung Sibratsgfäll 2012 in Bauland umgewidmet. Spektakuläre Umbaupläne für ein neues Alpgebäude hatten damals für Schlagzeilen gesorgt und beschäftigen heute Volksanwaltschaft und Gerichte.

Ein exklusives Wiener Maklerbüro führt die Alpe seit 2022 in seinem Portfolio. Als “Alpresort Krähenberg” wird die landwirtschaftliche Immobilie mit zehn Badezimmern, acht Schlafzimmern und jedem erdenklichen Luxus angepriesen – eigener Teich inklusive. “Das Unikat”, wie die Alpe mit 440 Quadratmeter Wohnfläche von “Spiegelfeld Immobilien” auf seiner Homepage beschrieben wird, hat nicht nur die Aufmerksamkeit potenzieller Käufer auf sich gezogen, sondern auch den Landesvolksanwalt auf den Plan gerufen. Mehrere Prüfverfahren sind anhängig, wie Volksanwalt Klaus Feurstein auf VN-Anfrage bestätigt.

Für fast ein Jahrzehnt lag der Bauakt in den Schubladen. Bürger hätten sich mit Zweifel an der Gesetzmäßigkeit des Baus an die Volksanwaltschaft gewandt. Es seien umfangreiche Verfahren, beschreibt Feurstein. Jenes zum Bau selbst ist mittlerweile abgeschlossen und dem Bürgermeister der Bregenzerwälder Gemeinde zugestellt. “Das Gebäude ist in diesem Ausmaß nicht bewilligt”, so Gemeindechef Martin Bereuter im Gespräch mit den VN. Der Abschlussbericht zeige, dass deutlich mehr Wohnfläche geschaffen worden sei, als in den Einreichplänen vorgesehen.

Bereuter demonstriert Entschlossenheit. Die Alpe Krähenberg hat er von seinem Vorgänger als Bürgermeister geerbt. Jetzt gelte es, Rechtskonformität herzustellen. Wenn das Gebäude nicht in diesem Ausmaß bewilligt sei, müsse man zurück an den Start. “Vielleicht müssen Gerichte entscheiden, ob es einen Rückbau gibt”, so der Sibratsgfäller Bürgermeister. Jedenfalls habe sich jeder an die Gesetze zu halten. “Da wäre ja jeder Bürger blöd, wenn er ordnungsgemäß einen Antrag einreicht”, zeigt er wenig Verständnis für jetzt bekannt gewordene Vorgänge. Der Prüfbericht der Volksanwaltschaft wird jedenfalls Thema der nächsten Gemeindevertretungssitzung.

Ist der Baubescheid formal korrekt ausgestellt? Entspricht die Bauausführung dem Baubescheid? Gab es einen Ortsaugenschein? Fragen über Fragen, die für die damals Verantwortlichen noch unangenehm werden könnten. Volksanwalt Klaus Feurstein glaubt jedenfalls, dass dies teils nicht zutrifft. Geprüft wird demnach auch, ob ein Gutachten die landwirtschaftliche Notwendigkeit für das Bauvorhaben bestätigt hatte. Eine solche wäre für ein Bauwerk auf landwirtschaftlichem Boden notwendig. Dieses Prüfverfahren laufe derzeit noch.

Der Wohnraum der Alpe Krähenberg ist mit über 400 Quadratmetern wohl deutlich größer und luxuriöser ausgefallen als bewilligt. Das bestätigt Bürgermeister Martin Bereuter. Interessenten für das Kaufobjekt gab es demnach mehrere. Immer wieder wurden auch prominente Namen als potenzielle Käufer, wie jener von Ex-Formel-1-Star Sebastian Vettel, in Medien kolportiert. Tatsächlich scheint es einen unterschriebenen Kaufvertrag zu geben. Ein namhafter Industrieller aus dem Rheintal soll bereits eine millionenschwere Unterschrift geleistet haben.
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Noch ist der Verkauf allerdings nicht in trockenen Tüchern. Die Abteilung Landwirtschaft und ländlicher Raum des Landes Vorarlberg hat die grundverkehrsrechtliche Bewilligung versagt, wie mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen den VN bestätigen. Der Fall beschäftigt demnach mittlerweile auch das Landesverwaltungsgericht. Das “Alpresort Krähenberg” dürfte wohl so schnell nicht aus den Schlagzeilen verschwinden.
