Nach heftigem Schneefall kommt die Eiseskälte

Vorarlberg / 03.12.2023 • 16:05 Uhr
Nach heftigem Schneefall kommt die Eiseskälte
Der ungewöhnlich starke Wintereinbruch sorgte am Wochenende für viel Arbeit, aber auch für Schneevergnügen. VN/Rhomberg

Fragen und Antworten: Warum der Wintereinbruch am Wochenende so heftig ausgefallen ist und wie das Wetter in den kommenden Tagen wird.

Darum geht’s:

  • Eine komplexe Großwetterlage führte zu heftigem Wintereinbruch mit Schneefällen.
  • Klimawandel hat Einfluss auf den Schnee, aber Kälteperioden bleiben möglich.
  • Am Montag (4.12.) gibt es eine Kältewarnung.

Schwarzach, Innsbruck Es war ein winterlicher erster Advent: Über 95 Prozent in Österreich sind derzeit mit Schnee bedeckt. Das Schneetief Robin hat am Wochenende gleichermaßen für Verkehrschaos, Stromausfälle, aber auch Wintervergnügen gesorgt. Im Süden Bayerns brachten die stärksten Schneefälle seit fast 20 Jahren sowohl den Straßen- und Flugverkehr als auch den öffentlichen Verkehr zum Erliegen. Meteorologin Maria Meingast von der Geosphere Austria (vormals ZAMG) gibt Auskunft über die Ursachen der Schneemassen und wie die kommenden Tage wettertechnisch in Vorarlberg werden.

Martin (l.) und Johannes hatten am Samstag alle Hände voll zu tun. Sie räumten die Fußgängerbrücke bei der Furt in Dornbirn. <span class="copyright">VN/Rhomberg</span>
Martin (l.) und Johannes hatten am Samstag alle Hände voll zu tun. Sie räumten die Fußgängerbrücke bei der Furt in Dornbirn. VN/Rhomberg

Warum fiel der Wintereinbruch so heftig aus? Welche Wetterlage war dafür verantwortlich?

Eine Ursache für den ungewöhnlich starken Wintereinbruch war eine komplexe Großwetterlage über Mitteleuropa, erklärt Meteorologin Maria Meingast. Dabei trafen feuchte Luftmassen aus West und Südwest auf bereits vorherrschende kühle Luftmassen, die gegen die Alpen drückten und zu Schneefällen führten. Diese Wetterlage hat sich über einige Tage so entwickelt. Das europäische Wettermodell ECMWF prognostiziert bis zum 7. Dezember eine weiße Pracht über Mitteleuropa. Am Donnerstag war der Alpenraum bereits von kalten Luftmassen umgeben, wobei feuchtwarme Luftmassen vom Mittelmeerraum und kalte Polarluft von Norden heranströmten. Diese Luftmassen kollidierten miteinander, am Freitag zog zusätzlich ein Tief über Norditalien durch: “Diese Kombination aus feuchter Luft, die aus dem Süden nach Österreich transportiert wurde, und der Kaltfront aus dem Norden führte zu den erheblichen Schneemassen. Eine anschließende Westfront verstärkte das Phänomen”, erklärt die Meteorologin.

In Vorarlberg gab es am Wochenende über 150 Einsätze - vor allem wegen umgestürzter Bäume, hier in Dornbirn.<span class="copyright"> VN/Rhomberg</span>
In Vorarlberg gab es am Wochenende über 150 Einsätze - vor allem wegen umgestürzter Bäume, hier in Dornbirn. VN/Rhomberg
Von seiner ganzen Pracht zeigte sich das frisch verschneite Bödele am Sonntag. <span class="copyright">VN/Rhomberg</span>
Von seiner ganzen Pracht zeigte sich das frisch verschneite Bödele am Sonntag. VN/Rhomberg

Was hat der Klimawandel damit zu tun?

Der globale Klimawandel und das aktuelle regionale Wetter können nicht miteinander gleichgesetzt werden. In Vorarlberg und anderen Alpengebieten hat sich durch die Erderwärmung in den vergangenen Jahrzehnten ein Trend hin zu wärmeren Wintern mit weniger Schnee beobachten lassen. Dennoch sind Kälteperioden mit Schnee und Eis immer wieder möglich. Die Erderwärmung bringt mehr Feuchtigkeit und ungewöhnlich lang anhaltende Wetterlagen, die wiederum für Niederschläge sorgen. Sprich: Es wird im Alpenraum zwar mehr Niederschläge geben, aber diese stärker in kürzeren Zeiträumen. Und es wird seltener Schnee sein. Ursache sind die extreme Erwärmung des hohen Nordens und die Aufheizung der Ozeane.

Nach heftigem Schneefall kommt die Eiseskälte

2023 ist ein sogenanntes El-Niño-Jahr. Es dürfte global gesehen nach Einschätzung der UN-Wetterbehörde das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen werden. Erst kürzlich warnte die Weltorganisation für Meteorologie (WMO): Die Durchschnittstemperatur für das Jahr werde um etwa 1,4 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit ansteigen.

Kommende Woche bleibt es kalt. <span class="copyright">VN/Rhomberg</span>
Kommende Woche bleibt es kalt. VN/Rhomberg

Wie wird das Wetter in den kommenden Tagen?

Nach dem heftigen Wintereinbruch, der weite Teile des Landes mit einem Übermaß an Schnee bedeckt hat, bleibt es in der kommenden Woche kalt. Der Montag beginnt in Vorarlberg bitterkalt und es bleibt ganztags trocken. In hohen Schichten ziehen ausgedehnte Wolkenfelder vorüber, die Sonne wird vormittags abgeschwächt und gerät später völlig in den Hintergrund. Damit bleibt es in den meisten Orten bei Frost. Die Tiefstwerte liegen zwischen –14 bis –6 Grad, die Höchstwerte zwischen –5 bis +1 Grad. “Für Montag gibt es eine Kältewarnung”, erklärt Meingast. Damit ist mit einer erhöhten Kältebelastung zu rechnen.

Nach heftigem Schneefall kommt die Eiseskälte

Am Dienstag und Mittwoch gibt es laut Geosphere Austria bewölktes und nasses Winterwetter. Es gibt tagsüber häufig leichte bis mäßige Schneeschauer bei einer Schneefallgrenze um 600 Meter. Gefrierender Regen im Rheintal und Bodenseeumfeld sind dabei nicht ausgeschlossen. Mit einer Südwest- bis Westströmung soll es aber eine Spur milder als am Vortag werden.

Ob es dieses Jahr weiße Weihnachten gibt, lässt sich derzeit noch nicht seriös vorhersagen. <span class="copyright">VN/Rhomberg</span>
Ob es dieses Jahr weiße Weihnachten gibt, lässt sich derzeit noch nicht seriös vorhersagen. VN/Rhomberg

Sind weiße Weihnachten denkbar?

Das vergangene Wochenende lässt hoffen, dass es in Vorarlberg dieses Jahr endlich wieder weiße Weihnachten gibt. Die Chancen darauf haben sich aufgrund des Klimawandels und der steigenden Temperaturen reduziert: Im Vergleich zu den 1970-Jahren sind die Temperaturen um 1 bis 2,5 Grad Celsius gestiegen. Das letzte Mal gab es im Jahr 2010 Schnee zu Weihnachten. Doch eine detaillierte Wettervorhersage für das Weihnachtswetter ist derzeit zu früh, immerhin sind es noch drei Wochen bis zum Fest – zu lange für eine seriöse Prognose, betont die Meteorologin.

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