Sehr großes Infektionsrisiko

Corona breitet sich nach wie vor aus. Am stärksten zurzeit im Großraum Bludenz.
SCHWARZACH. Bei Corona handle es sich nach wie vor um „eine schwere Infektionskrankheit“, betont der Komplexitätsforscher Peter Klimek gegenüber den VN. Sie führe zwar nicht mehr so häufig zu einem Spitalsaufenthalt, aber noch immer zu vielen Personalausfällen. Bei steigender Tendenz waren in Vorarlberg Ende November schon an die 900 Arbeitnehmer im Krankenstand.
Wie sich das Virus ausbreitet, kann man aufgrund von Abwasseruntersuchungen im ganzen Land nachvollziehen. Noch folgt ein neuer Höchstwert auf den anderen, noch dauert die bisher größte Corona-Welle an. Die Entwicklungen sind jedoch unterschiedlich, wie der Leiter des Umweltinstituts, Christoph Scheffknecht, berichtet: „Bei den Kläranlagen Hohenems und Dornbirn gibt es Hinweise auf eine Trendumkehr. Bei den vier anderen Kläranlagen deuten die aktuellen Messergebnisse weiterhin auf eine Zunahme der Virenlast im Abwasser hin.“
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Auffallend seien die Werte aus der Kläranlage Ludesch. Dort habe es in den vergangenen Wochen lange die kleinste Virenlast gegeben. Umso bemerkenswerter sei, dass es sich hier nun um die größte vorarlbergweit handle: „Deshalb darf man annehmen, dass das Infektionsgeschehen im Einzugsgebiet, also in der Region Bludenz und Klostertal, derzeit besonders ausgeprägt ist.“

Komplexitätsforscher Klimek, der an der Medizinischen Universität Wien tätig ist und in der Pandemie unter anderem Prognosen erstellte, ist nicht überrascht über diese Welle: „Nach dem Sommer mit der sehr niedrigen Anzahl an Infektionen und der geringen Anzahl an verabreichten Impfungen war leider davon auszugehen, dass es zu einem sehr hohen Infektionsgeschehen kommen wird.“ Der 41-Jährige geht davon aus, dass die Anzahl der Infizierten bereits im einstelligen Prozentbereich der Gesamtbevölkerung liegt. Das klingt vielleicht nach wenig, ist aber viel. Zu Spitzenzeiten gab es in der Vergangenheit auch nie wesentlich mehr bestätigte Fälle.
Das Risiko für schwere Verläufe sei mittlerweile deutlich geringer als in den ersten beiden Jahren der Pandemie, betont Klimek. Daran hätten auch die neuen Virusvarianten nichts geändert. Eine Überlastung der Spitäler durch Patienten sei daher „sehr unwahrscheinlich“.

Welche Empfehlungen hat Klimek nichtsdestotrotz? Die Tatsache, dass von den Patienten, die sehr wohl noch immer stationär behandelt werden müssen, die meisten älter als 60 Jahre seien, unterstreiche die Wichtigkeit und den Nutzen einer regelmäßigen Auffrischungsimpfung gerade in dieser Altersgruppe.
„Wenn man sich über die Impfung hinaus schützen möchte, macht jetzt natürlich das Tragen einer Maske umso mehr Sinn“, so der Wissenschaftler des Jahres 2021 weiter: „Aktuell ist es sehr wahrscheinlich, dass man mit infektiösen Personen in Kontakt kommt. Vor allem, wenn man sich in engen und geschlossenen Räumen mit vielen anderen Personen bei unzureichender Lüftung aufhält.“ Umgekehrt könne man im Falle einer Infektion andere Menschen durch das Tragen einer Maske „effektiv schützen“ – sofern es nicht ohnehin möglich und gescheiter sei, zu Hause zu bleiben.