Hickhack um Tagesbetreuung sorgt in Bregenzer Rathaus für Irritationen

Nicht mitfinanziert, in Entscheidung nicht eingebunden: Um die Tagesbetreuung Brändlepark ist eine Kompetenzdebatte entbrannt.
Bregenz Der Karren scheint einigermaßen verfahren. Nachdem diese Woche Pläne zur Schließung der Tagesbetreuung im Brändlepark in Bregenz öffentlich wurden und das Land Stunden später in einer Presseerklärung wieder zurückgerudert war, gehen hinter den Kulissen die Wogen hoch. Es geht um Verantwortlichkeiten. Wer hat wann was entschieden? Der Hickhack um die Tagesbetreuung sorgt im Bregenzer Rathaus jedenfalls für reichlich Irritationen und Unmut.

Anfang Woche hieß es seitens der Stiftung Liebenau auf VN-Anfrage als Begründung für die geplante Schließung der einzigen gerontopsychiatrischen Tagesbetreuung in Bregenz, die Refinanzierung sei in der Größenstruktur der Einrichtung nicht machbar gewesen. Mit Stadt und Land als Systempartner habe man festgestellt, dass es so keinen Sinn mache. Dem widerspricht die Stadt Bregenz jetzt vehement. Man sei in keiner Phase in die Entscheidung involviert gewesen, sondern wurde lediglich informiert, so die zuständige Stadträtin Annette Fritsch (62, SPÖ).
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Bei der Tagesbetreuung im Brändlepark handle es sich um ein gemeinsames Projekt des Landes und der Stiftung Liebenau. Von der Darstellung, die Stadt Bregenz habe ebenfalls den Rotstift angesetzt, distanziert sich Fritsch. Man sei noch nicht einmal über die Abgänge informiert worden. „Es gab auch nie eine Anfrage, ob wir uns finanziell beteiligen würden“, so die Stadträtin. Wäre das frühzeitig geschehen, hätte man sich um entsprechende politische Beschlüsse bemühen können, sagt sie.
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Lange fehlte es an Akzeptanz für die Tagesbetreuung. Als die Entscheidung zur Schließung gefallen war, gab es kein Zurück mehr, so die Stiftung Liebenau. „Für uns kam das sehr überraschend“, sagt Annette Fritsch. Natürlich habe man sich für eine Weiterführung starkgemacht. Genutzt hatte es wenig. Erst die mediale Berichterstattung Anfang Woche hatte die Verantwortlichen aufgerüttelt. Das Land ruderte umgehend zurück und teilte in einer offiziellen Aussendung mit, die Tagesbetreuung im Brändlepark werde nach Gesprächen mit der Stadt Bregenz und der Stiftung Liebenau auch weiterhin angeboten und nicht mit Jahresende schließen.

Nur, solche Gespräche haben mit der Stadt Bregenz nie stattgefunden. Kein einziger Verantwortlicher sei in besagten Gesprächen involviert gewesen, heißt es aus dazu aus dem Rathaus. Trotz Irritationen und Unmut wolle man jetzt aber konstruktiv für eine langfristige Lösung arbeiten. „Es geht um die Betroffenen und die Angehörigen“, so Fritsch. Man habe jetzt ein halbes Jahr Zeit, gemeinsam einen neuen Standort für die Tagesbetreuung zu finden. Darauf hofft auch Dietmar Steiner (79), der auf eine passende Betreuung für seine Frau Rosalinde (75) angewiesen ist. Für ihn und die anderen Betroffenen zählen Taten. Ein politischer Kompetenzstreit helfe keinem.