Causa Siemens: Jetzt spricht die ehemalige Alpenländische-Chefin

Vorarlberg / 01.12.2023 • 11:35 Uhr
Causa Siemens: Jetzt spricht die ehemalige Alpenländische-Chefin

“Weder bereichert noch dem Unternehmen geschadet”. Alexandra Schalegg räumt Fehler ein, sieht sich selbst aber als Bauernopfer.

Bregenz Die Aufarbeitung der beispiellosen Betrugsaffäre um manipulierte Rechnungen bei Bauprojekten wird noch Monate dauern. Es geht um einen Schaden in Millionenhöhe. Drahtzieher ist ein Siemens-Mitarbeiter, Komplizen hatte er in mehreren Unternehmen, darunter der Landeskrankenhaus-Betriebsgesellschaft.

Im Skandal um manipulierte Rechnungen bei Bauprojekten gilt ein Siemens-Mitarbeiter als Hauptverdächtiger. <span class="copyright">VOL</span>
Im Skandal um manipulierte Rechnungen bei Bauprojekten gilt ein Siemens-Mitarbeiter als Hauptverdächtiger. VOL

Eine Sachverhaltsdarstellung von internen Siemens-Prüfern hatte gleich zu Beginn des Skandals die Alpenländische Gemeinnützige Wohnbau GmbH und deren früheren Geschäftsführer in den Fokus gerückt. Mitarbeiter seien von Siemens mit iPhones bedacht worden, wurde eine Einflussnahme auf Auftragsvergaben vermutet, die im Zuge internen Untersuchungen schließlich der Nachfolgerin an der Spitze der Alpenländischen in Vorarlberg den Job kostete. Jetzt spricht Alexandra Schalegg (53) erstmals öffentlich.

Die ehemalige Geschäftsstellenleiterin der Alpenländischen in Vorarlberg, Alexandra Schalegg, schildert, wie sie selbst Opfer der Siemens-Causa wurde. <span class="copyright">VN/Gasser</span>
Die ehemalige Geschäftsstellenleiterin der Alpenländischen in Vorarlberg, Alexandra Schalegg, schildert, wie sie selbst Opfer der Siemens-Causa wurde. VN/Gasser

Von 2019 an lenkte Schalegg die Geschicke der Vorarlberg-Niederlassung der Alpenländischen, war insgesamt 18 Jahre im Unternehmen. So lange kennt sie auch den Kundenbetreuer von Siemens, eben jenen Hauptverdächtigen im jetzigen Betrugsskandal. In den Jahren habe sich eine private Freundschaft entwickelt, schickt sie vorweg.

Die Siemens-Causa wird die Staatsanwaltschaft noch für Monate beschäftigen. <span class="copyright">VN/Sohm</span>
Die Siemens-Causa wird die Staatsanwaltschaft noch für Monate beschäftigen. VN/Sohm

Der Verkauf einer Wohnung an den Siemens-Mitarbeiter wenige Tage vor dessen Festnahme hat sie selbst mit in den Strudel gerissen. Ihr Arbeitgeber sah darin einen Verstoß gegen interne Compliance-Richtlinien und feuerte sie fristlos. Schalegg will dem Unternehmen weder geschadet noch sich selbst bereichert haben und kämpft jetzt um ihre Reputation. Sie sieht sich als Bauernopfer in der ganzen Angelegenheit. Gleichzeitig räumt die frühere Geschäftsstellenleiterin Fehler ein.

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Den Vorgang selbst bezeichnet sie als normales Rechtsgeschäft, das mit Bekanntwerden der Vorwürfe bereits in Rückabwicklung war. Der Verkaufspreis sei durch ein Verkehrswertgutachten eines gerichtlich beeideten Sachverständigen ermittelt, die eingeschränkten Möglichkeiten beim Mietzins wegen der Gemeinnützigkeit schriftlich festgehalten worden. Schließlich habe es sich auch nicht um eine Gemeinnützige Wohnanlage gehandelt, sondern eine förderungswürdige Wohnung im Geschäftshaus der Vorarlberg-Niederlassung der Alpenländischen. “Es war ein ganz normaler Abverkauf einer Wohnung”, so Schalegg.

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Allerdings hätte sie den Verkauf dem Aufsichtsrat zur Kenntnis bringen müssen. Eine Gesetzesnovelle 2019 sehe das vor. Das habe sie nicht gewusst und auch nicht getan, räumt sie den Fehler ein. Und auch sie habe vor Jahren ein iPhone des Hauptverdächtigen angenommen, wie ihr Vorgänger als Geschäftsstellenleiter. “Wir waren befreundet, haben uns gegenseitig beschenkt”, sagt Schalegg. In Summe habe das eine Optik ergeben, dass da etwas gedreht wurde. “Mir wurde Absicht unterstellt”. Dabei habe sie an der Aufarbeitung selbst mitgearbeitet, Leistungen von Siemens mit Rechnungen verglichen. “Wir haben nichts gefunden, das darauf hinweist, dass die Alpenländische geschädigt wurde”, gibt sie Einblicke in die interne Revision.

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Gegen die fristlose Entlassung hat Alexandra Schalegg Klage eingereicht und sich mittlerweile mit ihrem früheren Arbeitgeber auf eine einvernehmliche Auflösung des Dienstverhältnisses samt Abgangsentschädigung geeinigt. Eine Verschwiegenheitsklausel hat sie indes nicht unterschrieben. Schließlich kämpft die 53-Jährige um ihren Ruf, will demnächst wieder ins Berufsleben zurückkehren.

Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.