Politik rudert zurück: Tagesbetreuung wird nicht schließen

Vorarlberg / 28.11.2023 • 16:55 Uhr
Politik rudert zurück: Tagesbetreuung wird nicht schließen

Angehörige erleichtert: “Das ist wie ein Weihnachtsgeschenk”, so Dietmar Steiner (79).

Bregenz Diese Geschichte hat viele Menschen im Land bewegt. Und wütend gemacht. Wenige Tage vor Weihnachten sollte die Tagesbetreuung im Bregenzer Brändlepark schließen, wie die VN in der gestrigen Ausgabe berichteten. Aus Kostengründen. Angehörige fühlten sich im Stich gelassen. Dietmar Steiner ist einer von ihnen. Der 79-Jährige ist auf Hilfe angewiesen. Seine Frau Rosalinde (75) ist schwer an Alzheimer erkrankt, ist viermal wöchentlich in der Einrichtung. “Sie ist gerne dort”, sagt der Pensionist. Er selbst konnte die Zeit für Erledigungen nutzen, einkaufen gehen.

Dietmar Steiner kümmert sich liebevoll um seine Frau Rosalinde. Jetzt darf er weiter auf die Unterstützung durch die Tagesbetreuung hoffen. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Dietmar Steiner kümmert sich liebevoll um seine Frau Rosalinde. Jetzt darf er weiter auf die Unterstützung durch die Tagesbetreuung hoffen. VN/Paulitsch

Doch damit sollte am 21. Dezember Schluss sein. Die Stiftung Liebenau, die die Tagesbetreuung betreibt, und die Systempartner Land Vorarlberg und Stadt Bregenz hatten “in einer gemeinsam getragenen Entscheidung”, wie es gegenüber den VN hieß, das Ende der Betreuungseinrichtung beschlossen. Die Nachricht hat hohe Wellen geschlagen, Stadt- und Landespolitik in Aufruhr versetzt. Nur Stunden später die Kehrtwende. Die gerontopsychiatrische Tagesbetreuung im Brändlepark werde weiterhin angeboten und nicht mit Jahresende schließen. Das sei das Ergebnis von Gesprächen mit Stadt und Stiftung Liebenau, teilte die zuständige Landesrätin Katharina Wiesflecker (59, Grüne) in einer Aussendung mit.

Die Politik rudert zurück: Die Tagesbetreuung im Brändlepark wird doch nicht geschlossen. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Die Politik rudert zurück: Die Tagesbetreuung im Brändlepark wird doch nicht geschlossen. VN/Paulitsch

Dietmar Steiner kann es kaum glauben. Die Verzweiflung ist Erleichterung gewichen. Ihm falle ein Stein vom Herzen, sagt er mit Dankbarkeit in der Stimme. “Das ist wie ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk”, so der Bregenzer. Am Montag ganz andere Töne. Als die VN ihn und seine Frau besuchten, war er am Boden zerstört. “Da müssen wir dann schauen, wie lange wir das schaffen”, versuchte er seine Sorgen in Worte zu fassen. Dabei streichelte er seiner Rosalinde liebevoll über die Wange. Lange wäre es wohl ohne Unterstützung nicht gegangen, räumt er heute ein. Die gesamte Situation sei auch psychisch sehr belastend. Jetzt kann Dietmar Steiner erstmal aufatmen.

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Die Stiftung Liebenau, die auch das Pflegeheim Tschermakgarten betreibt, wird für eine Übergangszeit von sechs Monaten in den Räumlichkeiten des Heimes eine Tagesbetreuung ermöglichen, teilt das Land mit. In der Zwischenzeit werde die Stadt Bregenz geeignete neue Räumlichkeiten prüfen, sodass dann an einem neuen Standort die Tagesbetreuung wieder als Regelangebot implementiert werden könne, so Landesrätin Wiesflecker.

Landesrätin Katharina Wiesflecker ist froh, dass das Angebot ohne Unterbrechung weitergeführt werden kann. <span class="copyright">VOL</span>
Landesrätin Katharina Wiesflecker ist froh, dass das Angebot ohne Unterbrechung weitergeführt werden kann. VOL

Der politische Druck war in den letzten Stunden groß. Landes- und Stadt-ÖVP hatten empört auf die Schließungspläne reagiert. Bei den Verantwortlichen in Regierung und Rathaus wurde der Fehler offensichtlich rasch erkannt. “Ich bedanke mich bei allen Beteiligten für die konstruktiven Gespräche und bin froh, dass wir das Angebot ohne Unterbrechung weiterführen können”, wird Wiesflecker in einer Aussendung zitiert.