Bei Betreuung wird gespart: “Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll”

Tagesbetreuung im Brändlepark Bregenz schließt aus Kostengründen. Angehörige fühlen sich im Stich gelassen.
Bregenz Dietmar Steiner (79) streichelt seiner Rosalinde (75) liebevoll über die Wange. “Da müssen wir dann schauen, wie lange wir das schaffen”, versucht er seine Sorgen in Worte zu fassen. Die Verzweiflung kann der Bregenzer dennoch nicht verbergen. Am 21. Dezember schließt die Tagesbetreuung im Brändlepark. Aus Kostengründen. Drei Wochen noch, dann ist Dietmar Steiner auf sich allein gestellt.

“Schweres dementielles Syndrom vom Alzheimertyp DD, Mischtyp”. So steht es im Arztbrief. Die Diagnose vor rund fünf Jahren war ein Schock für die ganze Familie. Er habe schon gemerkt, dass mit seiner Frau etwas nicht stimme. Heute sind die schlimmsten Befürchtungen eingetreten. Rosalinde braucht Unterstützung. “Bei praktisch allem”, sagt Dietmar Steiner. Der rüstige Rentner, noch immer als Leichtathlet aktiv, kümmert sich aufopferungsvoll um seine Ehefrau. “In ein Heim stecken”, das komme für ihn nicht infrage.

Der Betreuungsaufwand in den eigenen vier Wänden bringt ihn an seine Grenzen. Wertvolle Unterstützung erhielt er seit einiger Zeit in einer Tagesbetreuung. Seine Frau war dort vier Tage in der Woche von 9 bis 16.30 Uhr. Die Einrichtung ist auf Krankheitsbilder, wie jener von Rosalinde, spezialisiert. Es gehe ihr dort gut, so Dietmar Steiner.

Mit “Auszeit für pflegende Angehörige” wirbt die Tagesbetreuung auf ihrer Homepage. Für Dietmar Steiner war sie ein Segen. “Ich konnte Erledigungen machen, einkaufen gehen. Und ich hatte etwas Zeit für mich”. Damit soll jetzt aber Schluss sein. Eine Pflegerin habe es ihm gesagt. “Es war ein Schock für mich.” Seither versucht Dietmar Steiner, Informationen zu erhalten. Die Fragen nach dem Warum werden nur ausweichend beantwortet. Und wie es weitergehen soll? “Ich weiß es nicht. Es gibt keine Perspektive für uns.” Er fühle sich alleingelassen.

Die Tagesbetreuung mit gerontopsychiatrischem Schwerpunkt ist ein Angebot der Stiftung Liebenau, die das Seniorenheim Tschermarkgarten betreibt. Systempartner sind die Stadt Bregenz und das Land Vorarlberg, die finanzielle Mittel bereitstellen. Oder eben nicht mehr. In Bregenz wurde jetzt jedenfalls der Rotstift angesetzt. Die Einrichtung schließt. Auch aus Kostengründen.

Klaus Müller ist Geschäftsführer der Stiftung Liebenau. Im VN-Gespräch bestätigt er die geplante Schließung der Einrichtung und spricht “von einer gemeinsam getragenen Entscheidung”. Die Tagesbetreuung sei an diesem Standort von Anfang an in Bezug auf Lage und Größe ein Kompromiss gewesen. Zudem habe es lange wenig Akzeptanz für das Angebot gegeben.
Vollbelegung
Stadt, Land und Stiftung haben die Reißleine gezogen. Müller nennt finanzielle Aspekte, aber auch die Frustration, dass die Nachfrage hinter den Erwartungen lag. Lange war das zumindest so. Zuletzt nicht mehr. “Nachdem mit allen Systempartnern beschlossen wurde, dass wir aufhören, war da eine Nachfrage, wie wir sie bisher nicht kannten”, so der Geschäftsführer. Für ein Zurück war es da offenbar schon zu spät. Die Tagesbetreuung schließt mit Vollbelegung.
Hoffnungsschimmer
Dietmar Steiner wartet auf Antworten. Dass die Betreuungseinrichtung für seine Frau aus Kostengründen eingestellt wird, dürfte ihn nicht zufriedenstellen. Und wie es jetzt weitergehen soll? Auch das steht in den Sternen. Man sei gefordert, als Systempartner und bisheriger Anbieter des Angebots, Nachfolgelösungen zu suchen, sagt Klaus Müller. Worte, die bei Dietmar und Rosalinde Steiner wenigstens etwas Hoffnung schüren dürften.