Warum Gentechnik in der Landwirtschaft Hälse anschwellen lässt

Vorarlberg / 24.11.2023 • 17:05 Uhr
Reiche Kartoffelernte mithilfe von Gentechnik. Das könnte in Europa bald Wirklichkeit werden. Der Klimawandel zwinge zu neuen Methoden, sagen die Gentechnik-Befürworter. <span class="copyright">dpa</span>
Reiche Kartoffelernte mithilfe von Gentechnik. Das könnte in Europa bald Wirklichkeit werden. Der Klimawandel zwinge zu neuen Methoden, sagen die Gentechnik-Befürworter. dpa

Die EU diskutiert mögliche Zulassung von Gentechnik. Österreich und Vorarlberg sind strikt dagegen.

Darum geht’s:

  • Mutationsverfahren wie Crispr/Cas werden ohne den „Gentechnisch verändert“-Stempel diskutiert.
  • Österreich hat eine klare Haltung gegenüber Gentechnik in der Landwirtschaft.
  • Gemüse- und Pflanzenproduzenten in Vorarlberg möchten nicht mit Gentechnik in Verbindung gebracht werden.

Brüssel, Bregenz Und wieder trafen sich die EU-Agrarminister diese Woche, um über das neue Mutationsverfahren wie die Genschere Crispr/Cas zu beraten, um dieses womöglich künftig zu erlauben – ohne den Stempel „gentechnisch verändert“. Ein hoffnungsvoller Weg in die Zukunft vor dem Hintergrund des Klimawandels mit Dürren und anderen Plagen, sagen die einen. Ein Schlag ins Gesicht für die Betreiber einer natürlichen Landwirtschaft mit unabsehbaren Folgen, sagen die anderen.

Österreich gegen Gentechnik

In Österreich gilt bis dato die GVO-Verordnung, die Gentechnikfreiheit für Organismen. Soll heißen: Alles, was gentechnisch verändert ist, hat in unserem Land nichts verloren. „Es darf niemals Patente auf Mensch und Tier geben“, formuliert Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger (57) seine Ablehnung jeglicher gentechnischer Technologien.

Zu einer „glasklaren Haltung“ bekennt sich auch Landwirtschaftslandesrat Christian Gantner (43, ÖVP). „Wir haben uns in Vorarlberg schon vor Jahren als Vorreiter der gentechnikfreien Landwirtschaft positioniert. Wir sind im Anbau und in der Milchwirtschaft nachweislich gentechnikfrei. Das ist ein hohes Qualitäts- und Alleinstellungsmerkmal“, sagt Gantner.

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Tabuthema bei Produzenten

Es brauche weiterhin strenge Regeln auch im Umgang mit der sogenannten „Neuen Gentechnik“ meint der Landesrat. „Wir sprechen uns vehement gegen diese Verschleierungstaktik und Mogelpackung der EU aus. Sie nimmt dem Konsumenten nämlich auch die Wahlfreiheit, sich bewusst für Produkte ohne Gentechnik zu entscheiden“, glaubt Gantner.

Züchtungen zur Herstellung klimaresistenter Sorten ja, Genmanipulation nein:  Landwirtschaftslandesrat Christian Gantner nimmt eine klare Position ein. <span style="color: rgba(111, 111, 111, var(--tw-text-opacity)); font-size: 0.75rem; text-transform: uppercase;">VN/PaulitsCH</span>
Züchtungen zur Herstellung klimaresistenter Sorten ja, Genmanipulation nein: Landwirtschaftslandesrat Christian Gantner nimmt eine klare Position ein. VN/PaulitsCH

Ein vn.at-Rundruf bei Gemüse- und Pflanzenproduzenten in Vorarlberg ist wie der berühmte Finger in einer offenen Wunde. „Wir wollen mit diesem Thema gar nicht erst in irgendeiner Form in Verbindung gebracht werden“, ist der Tenor. „Man ist ja schnell als Giftmixer verschrien“, meint ein Gemüsebauer.

Offen spricht hingegen Alexander Angeloff, Sprecher der heimischen Gärtner, über das Thema. „Wir müssen uns diesem Thema bei uns ja nicht stellen, weil die GVO-Verordnung gilt. Aber grundsätzlich sollte man diskutieren dürfen, ohne gleich alles zu verteufeln“, sagt Angeloff.

Alexander Angeloff, Sprecher der Vorarlberger Gärtner plädiert für eine sachliche Diskussion ohne Emotionen. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Alexander Angeloff, Sprecher der Vorarlberger Gärtner plädiert für eine sachliche Diskussion ohne Emotionen. VN/Steurer

Züchtungen okay

Zugänglich für neue Technologien im Agrarbereich sind auch Moosbrugger und Gantner. „Guten Entwicklungen bei allem, was mit Züchtungen zu tun hat, dürfen wir uns in Zeiten des Klimawandels nicht verschließen. Aber es darf niemals so weit kommen, dass gezielt in die Genetik eingegriffen wird“, markiert Christian Gantner die Grenze.

Dass auf europäischer Ebene die Zeichen eher auf Zulassung von Gentechnik stehen, ist Gantner jedoch bewusst. Schweden, Litauen, die Niederlande, Estland, Italien, Ungarn, Malta, Rumänien und Belgien fordern einen breiten Einsatz der neuen Technologien.