Anschluss Österreichs?
Ich meine eigentlich den Anschluss Vorarlbergs an das Schweizer Autobahnnetz. Eine never ending story, zu der die Lustenauer nun so etwas Ähnliches wie ein Machtwort gesprochen haben. Allerdings haben auch viele vernehmlich geschwiegen. Und werden nun von jenen interpretiert, denen das Ergebnis der Volksbefragung nicht passt. Allen voran die FPÖ, die sonst doch so sehr das Volk im Munde führt.
Was bleibt ist das Faktum, dass nicht nur diejenigen, die abgestimmt haben, sondern auch diejenigen, die geschwiegen haben, die von Wirtschaft, Landes-ÖVP, FPÖ und offenbar auch SPÖ favorisierte Autobahnverbindung zwischen Vorarlberg und der Schweiz in dieser Form und an diesem Ort offenbar nicht wollen. Das hätten sie sonst nämlich bei der Befragung (bei der jeder und jede wusste worum es geht) doch kundgetan.
„Und vielleicht beginnt jetzt doch einmal ein Nachdenken darüber, wie der Verkehr im Rheintal anders organisiert werden kann.“
Die Straße, über die in Vorarlberg seit dem letzten Jahrhundert wie über kaum etwas anderes gestritten wird, ist im Laufe der Zeit immer länger geworden, jedenfalls auf dem Papier. So wie die Zeit immer länger wurde, in der man auf anderen Gebieten nicht vorankam. Eine direkte Verbindung Vorarlbergs auf der Schiene nach St. Gallen oder den Schweizer Gemeinden entlang des Bodensees: Fehlanzeige. Eine leistungsfähige Bahnlösung nach Buchs und zur Liechtensteiner Industrie: Fehlanzeige. Das lag natürlich nicht nur an Österreich, Vorarlberg oder den ÖBB. Aber die Prioritäten sahen anders aus.
Dass alle Rufe danach, doch einmal über eine kürzere Verbindung wenigstens nachzudenken, z.B. durch den Kummenberg, immer wieder im Keim erstickt wurden, das rächt sich nun. Und man fragt sich, was zu diesem Eigensinn geführt hat. Für die Schweiz stand hingegen immer fest wie das Matterhorn, dass der Anschluss nach St. Margrethen gehört. Warum auch immer. Dort sind ein paar Meter schon betoniert und warten auf die Bagger aus Österreich. Aber der Anschluss Vorarlbergs an die Schweiz wird nun wieder einmal verschoben.
Und vielleicht beginnt jetzt doch einmal ein grundsätzlicheres Nachdenken darüber, wie der Verkehr im Rheintal anders organisiert werden kann. Investitionen in innovativere Lösungen als immer nur «more of the same»?
Die Lustenauer werden sich jedenfalls sicher nicht damit zufrieden geben, dass ihr Nein zur S18 nur bedeuten würde, dass sich der Verkehr so wie bisher und noch mehr davon durch den Ort quält. Nach langem Widerstand ist ja nun immerhin eine große Lösung für den Bahnverkehr nach Deutschland kein Tabu mehr. Es geht also doch?
Hanno Loewy ist Direktor des Jüdischen Museums in Hohenems.
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