„Günstige Zeit für Neubauprojekte“: Preise stabilisieren sich

Vorarlberg / 20.11.2023 • 14:30 Uhr
„Günstige Zeit für Neubauprojekte“: Preise stabilisieren sich
Gute Nachricht: Eine Phase, in der die Baupreise extrem stark gestiegen sind, ist auch in Vorarlberg zu Ende gegangen. APA

Silberstreif für alle, die ein Haus bauen wollen: Preise haben sich stabilisiert.

SCHWARZACH. Die schlechte Nachricht: Bauen ist heute um ein Drittel teurer als im Jahr 2020. Statt 300.000 Euro für ein bestimmtes Projekt muss man heute rund 400.000 „hinlegen“. Das zeigt der „Baupreisindex“, den die Statistik Austria für den Wohnhaus- und Siedlungsbau in Vorarlberg führt. Die gute Nachricht: Nach einer Phase mit einem massiven Anstieg ist es zu einer Stabilisierung gekommen. Gegenüber dem Vorquartal sind die Preise von Juli bis September sogar minimal gesunken.

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Das lässt hoffen. Michael Klien, Wohnbauexperte am Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO, sagt: „Es ist eine günstige Zeit für Neubauprojekte.“ Als Bauherr könne man davon ausgehen, dass sich die Bedingungen nicht weiter verschlechtern, meint auch Wolfgang Amann vom Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW). Damit spielt er nicht nur auf die Entwicklung der Preise an: Die sogenannte KIM-Verordnung, durch die der Zugang zu Krediten erschwert worden ist, werde „irgendwann ja vielleicht doch noch entschärft“, und bei den Zinsen, die die Finanzierung oft ebenfalls zu einem Problem machen, dürfte „ein Plafond“ erreicht sein.

Ein großes Problem bleibt: Der Zugang zu Krediten ist aufgrund neuer Richtlinien erschwert, die Zinsen machen die Finanzierung teurer als in der Vergangenheit.<span class="copyright"> Foto: APA</span>
Ein großes Problem bleibt: Der Zugang zu Krediten ist aufgrund neuer Richtlinien erschwert, die Zinsen machen die Finanzierung teurer als in der Vergangenheit. Foto: APA

Die Baupreise sind in den vergangenen Jahren durch die Decke gegangen, wie Amann skizziert: „Ab 2016 ist es, getrieben durch extrem niedrige Zinsen, zu einem Bauboom mit stark steigenden Baupreisen gekommen. 2020/21 ist weltweit Rambazamba gespielt worden: Alle wollten sich aus der Krise herausinvestieren, es floss viel Geld in die Bauwirtschaft, kam zu Lieferengpässen und, noch vor Beginn des Ukraine-Krieges, zu einem Schub bei den Baupreisen. Mit dem Krieg folgte ein weiterer, weil unter anderem Energie schlagartig teurer geworden ist.“

Die nunmehrige Stabilisierung ist auch auf die angespannte Lage vieler Bauunternehmen zurückzuführen: „Wenn man bauen möchte, bekommt man wieder mehr Angebote“, stellt Michael Klien das Ganze aus Bauherrensicht dar. Es gebe also einen verstärkten Wettbewerb – und durch einen solchen werden Preise gedrückt.

Michael Klien vom Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO sieht bei den Baufirmen wenig Spielraum: Sie sind mit steigenden Lohnkosten konfrontiert. <span class="copyright">Foto: WIFO</span>
Michael Klien vom Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO sieht bei den Baufirmen wenig Spielraum: Sie sind mit steigenden Lohnkosten konfrontiert. Foto: WIFO

Was die Perspektive angeht, scheint es derzeit auf zwei Möglichkeiten hinauszulaufen: Entweder bleiben die Preise stabil oder sie sinken sogar. Zweiteres erwartet Amann zumindest für das laufende vierte Quartal 2023. Und zwar „deutlich“. Klien dämpft jedoch die Euphorie. Zu viel sollte man sich demnach nicht erwarten. Begründung: Der Spielraum für Bauunternehmen ist begrenzt, zumal sie stark steigende Lohnkosten zu bewältigen haben.

Auch mit einem großen Bauboom ist nach Ansicht des Wirtschaftsforschers aus Vorarlberg nicht zu rechnen: „Die Finanzierung bleibt die größte Hürde.“ Anders ausgedrückt: Die KIM-Verordnung und hohe Zinsen machen es in vielen Fällen weiterhin schwer bis unmöglich, das nötige Geld aufzustellen, um sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen.