Riebelpartie im Sinne eines Seeligen

Gedenkwochen: Am 13. November 1944 wurde der Göfner Geistliche Carl Lampert von den Nationalsozialisten hingerichtet. Ihm zu Ehren gab es am Sonntag in Göfis eine Riebel-Partie, die die Gemeinschaft und das Miteinander, die Lampert am Herzen lagen, symbolisiert.
Göfis Der 1894 in Göfis geborene Priester Carl Lampert wurde heute vor 79 Jahren, am 13. November 1944, von den Nationalsozialisten hingerichtet. Seine einzige „Schuld“ war sein tiefer Glaube. Lampert ist der ranghöchste österreichische Priester, der von den Nationalsozialisten ermordet wurde.

Der Tiroler Gauleiter Franz Hofer verfolgte das Ziel, den ersten „klösterfreien Gau“ des Deutschen Reiches zu errichten. Provikar Carl Lampert geriet in Konflikt mit dem NS-Regime, wurde mehrmals verhaftet und kam für Monate ins Konzentrationslager Dachau. Nach seiner Entlassung wurde der Geistliche des Gaus verwiesen und nach Stettin verbannt. Wegen einer angeblichen „Spionageaffäre“ wurde Lampert im Februar 1943 erneut verhaftet und dreimal zum Tod verurteilt. Eine Freilassung unter der Bedingung, den Priesterstand zu verlassen, lehnte der Glaubensmann ab. Er wurde am 13. November 1944 in Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt) enthauptet. Auf Initiative der Diözese Feldkirch wurde Lampert 2011 vom damaligen Papst Benedikt XVI. seliggesprochen. Dies war die erste Seligsprechung der Diözese Vorarlberg.

Element des Erinnerns
Nachdem 2012 von der katholischen Kirche das Carl Lampert Forum ins Leben gerufen wurde, formierte sich in seiner Heimatgemeinde im Frühling 2015 der private Verein „Freundeskreis Carl Lampert“. Der Verein rund um Obmann Rainer Nägele, der heute etwa 80 Mitglieder umfasst, sieht seine Hauptaufgabe im Erinnern an das Schicksal des Ermordeten. „Besondere Grüße an die Riebelpartie“, schrieb Carl Lampert im November 1940 aus seiner KZ-Haft. Es war ein Zeichen und Symbol eines geselligen Freundeskreises, welcher ihm aus der Ferne Kraft verlieh. Aus diesem Grund wurden am Sonntag in Göfis in Gedenken an den Märtyrer 20 verschiedene Arten des traditionellen Vorarlberger Maisgerichts angeboten. „Die Riebel-Partie ist ein zentrales Element dieses Erinnerns. Es verkörpert die Gemeinschaft und das Miteinander, die Lampert so sehr am Herzen lagen“, erklärt Rainer Nägele, Obmann des Vereins Freundeskreis Carl Lampert.



„Die Nie-wieder-Stimmung weicht einer Schon-wieder-Stimmung“, stellt Elisabeth Heidinger, Geschäftsführerin des Carl Lampert Forums fest. „Die Omnipräsenz der Krisenherde, die zurzeit zu einer Besonderheit unseres Lebens geworden sind, stellt uns vor eine gewisse Rat- und Orientierungslosigkeit. Wir sind derzeit im Begriff, das privilegierte Gefühl des sicheren Lebens der Nachkriegszeit zu verlieren.“


22 Veranstaltungen
Das Carl-Lampert-Forum organisiert bis 3. April 2024 Gedenkwochen unter dem Motto “Gleichschritt” mit 22 Veranstaltungen. So gibt es heute, Montag, um 19 Uhr einen Gedenkgottesdienst mit Bischof Benno Elbs in der Pfarrkirche Göfis. Am kommenden Dienstag (14. November) um 19 Uhr erinnert Historiker Wolfgang Weber an den Tag, an dem mit den Bombenabwürfen über Tisis der Weltkrieg ganz unmittelbar in das Leben dieser Gemeinde kam. Am 29. November um 19.30 Uhr spricht Schriftsteller Vladimir Vertlib, der mit vielen ukrainischen Flüchtlingen sprach, in der Remise Bludenz zum Krieg als Déjà vu. Auch 79 Jahre nach seinem Tod bleibt die Botschaft von Carl Lampert relevant und seine Geschichte soll in einer Zeit, in der die Welt mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert ist, eine hoffnungsvolle Perspektive bieten.

