Caritas Vorarlberg: 100 Jahre soziales Engagement und ein Blick in die Zukunft

Vorarlberg / 10.11.2023 • 13:55 Uhr
Generalsekretärin der Caritas Österreich Anna Parr und Caritasdirektor Walter Schmolly. <span class="copyright">Caritas/Philipp Mück</span>
Generalsekretärin der Caritas Österreich Anna Parr und Caritasdirektor Walter Schmolly. Caritas/Philipp Mück

Die Caritas Vorarlberg wird hundert Jahre: 1923/24 wurde sie aus dem gesellschaftlichen Bedarf nach gemeindeübergreifender Hilfe für Menschen in Not heraus gegründet. Am 14. März 1924 fand dann die Gründungsversammlung in Feldkirch statt, bei der Josef Gorbach als der erste Direktor bestellt wurde.

Darum geht’s:

  • Caritas Vorarlberg feiert 100 Jahre soziales Engagement und plant für die Zukunft.
  • Die Organisation hat sich kontinuierlich den sozialen Herausforderungen angepasst.
  • Zukünftige Herausforderungen sind die Bewältigung von Krisenfolgen, Stärkung des sozialen Zusammenhalts und gesellschaftlicher Wandel.

Feldkirch Die Caritas Vorarlberg markiert ein Jahrhundert des Engagements für die Bedürftigen in der Gemeinschaft. Gegründet in der Nachkriegszeit, hat sie ihre Mission, “Not sehen und handeln”, kontinuierlich erfüllt und gleichzeitig auf die sich wandelnden sozialen Herausforderungen reagiert. Das Jubiläum ist eine Zeit des Erinnerns, Feierns und des Aufbruchs in die Zukunft, wie Caritasdirektor Walter Schmolly betonte.

Caritas Vorarlberg: 100 Jahre soziales Engagement und ein Blick in die Zukunft
Die Familienhilfe hat in der Caritas eine lange Tradition in der hundertjährigen Geschichte.

Entsprechend sind der Caritas in den vergangenen 100 Jahren auch immer wieder neue Themen- und Tätigkeitsfelder zugewachsen, vom Haus Mutter&Kind bis zur Hospizarbeit, von der Begleitung von langzeitbeschäftigungslosen Menschen auf dem Weg zurück in die Erwerbsarbeit bis zur Assistenz für Menschen mit dauerhafter Beeinträchtigung, von der Familienhilfe bis zur Notschlafstelle, von Bildungsinitiativen der youngCaritas bis zum Caritascafé für suchtkranke Menschen, von der Nachbarschaftshilfe geflüchteter Menschen in den Vorarlberger Gemeinden bis zur Auslandshilfe. „Es sind 100 Jahre des aktiven Mitgestaltens einer Gesellschaft, in der Menschen einander sehen, füreinander Verantwortung übernehmen und in der es soziale Sicherheit und Perspektiven für alle gibt“, so Schmolly.

Caritas Vorarlberg: 100 Jahre soziales Engagement und ein Blick in die Zukunft
Generalsekretärin der Caritas Österreich Anna Parr: “Es ist Hilfe von Mensch zu Mensch, von Angesicht zu Angesicht, ungeachtet von Alter, Geschlecht, Religion, politischer Überzeugung und Herkunft.” Caritas/Philipp Mück

Anna Parr, Generalsekretärin der Caritas Österreich, unterstrich die breite Palette an Hilfsangeboten, die von der Organisation bereitgestellt werden. Trotz der umfangreichen Unterstützung zeigt die steigende Anzahl von in Armut lebenden Menschen in Österreich, insbesondere Kinder, dass mehr getan werden muss. Die jüngsten Krisen haben die Notwendigkeit struktureller Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und sozialen Unterstützung verdeutlicht.

Drei große Herausforderungen

Schmolly identifizierte drei Hauptherausforderungen für die nahe Zukunft: die Bewältigung der Krisenfolgen, die Stärkung des sozialen Zusammenhalts und die aktive Gestaltung des gesellschaftlichen Wandels angesichts ökologischer, demografischer und wirtschaftlicher Veränderungen. Er hob hervor, dass sektorenübergreifende Kooperationen für die erfolgreiche Bewältigung dieser Herausforderungen entscheidend sind. “Wir hatten heuer zwischen Jänner und September mit insgesamt 2658 Personen nochmals 170 Personen mehr in Beratung als im Vergleichszeitraum des Vorjahres“, fasst der Caritasdirektor zusammen. „Das sind Haushalte mit kleinsten Einkommen, denen die Antiteuerungsmaßnahmen von Bund und Land zwar helfen, aber eben nicht genug, um durch die Krise durchzufinden und wieder auf die Beine zu kommen. Als Caritas können wir hier finanzielle Überbrückung leisten, aber es braucht darüber hinaus auch strukturelle Maßnahmen von Seiten der Politik”, betonte Schmolly bei einer Pressekonferenz am Freitag.

Das Jubiläumsjahr wird auch genutzt, um die Zukunftsausrichtung der Caritas zu planen. <span class="copyright">Caritas/philipp Mück</span>
Das Jubiläumsjahr wird auch genutzt, um die Zukunftsausrichtung der Caritas zu planen. Caritas/philipp Mück

Erinnern, Feiern, Aufbrechen

Das Jubiläumsjahr wird auch genutzt, um die Zukunftsausrichtung der Caritas zu planen. Eine Wanderausstellung “100 Jahre Caritas”, Historiker*innendialoge und ein für das erste Quartal 2024 geplanter Dialogweg „zusammen24“ sollen dabei helfen, die Auswirkungen großer Veränderungen auf das soziale Miteinander zu verstehen und positive Gestaltungsmöglichkeiten zu erkunden.

Die Feierlichkeiten werden durch verschiedene Veranstaltungen markiert. Am Sonntag, den 19. November, am Welttag der Armen, gibt es um 10.30 Uhr einen Festgottesdienst mit Diözesan- und Caritasbischof Benno Elbs und Bischof Abraham Desta aus Äthiopien. Einen Festakt soll außerdem im März 2024 über die Bühne gehen – dann jährt sich die Gründungsversammlung der Caritas zum hundertsten Mal. Parallel dazu ruft die Caritas zur Inlandshilfe auf und betont die Bedeutung von Spenden und Freiwilligenarbeit, die die Organisation in ihrer täglichen Arbeit unterstützen.

Das 100-jährige Jubiläum der Caritas Vorarlberg soll eine Erneuerung des Engagements für eine gerechtere Gesellschaft sein. Mit der kontinuierlichen Unterstützung der Gemeinschaft und einem klaren Blick in die Zukunft strebt die Caritas danach, auch in den nächsten hundert Jahren einen positiven Einfluss zu nehmen.

Caritas-Spendenkonto
Raiffeisenbank Feldkirch, IBAN AT 32 3742 2000 0004 0006 Kennwort: Inlandshilfe, Online-Spenden: www.caritas-vorarlberg.at

Caritas Österreich in Zahlen

Die Caritas hilft österreichweit in 71 Sozialberatungsstellen, bietet 2080 Schlafplätze in 71 Wohnungsloseneinrichtungen und 203 Wohnplätze für Mütter mit ihren Kindern in 12 Mutter-Kind-Häusern. Als Caritas sind wir außerdem mit mobiler Betreuung und Pflege sowie mit 53 Senior*innen- und Pflegewohnhäusern aktiv, bieten 12.478 Betreuungsplätze für Menschen mit Behinderungen und fördern zudem weltweit 508 Auslandshilfeprojekte.

Caritas mit drei Forderungen für einen armutsfesten Sozialstaat:

1. Substanzielle Anhebung der Ausgleichszulage. Die Ausgleichszulage definiert den Mindeststandard in unserem Sozialsystem, also das, was etwa Mindestpensionist*innen als unteren Rand bekommen. Diese Ausgleichszulage liegt trotz der Erhöhung für das kommende Jahr um rund 200 Euro unter der aktuellen Armutsgefährdungsschwelle. Wir sagen: Rauf mit der Ausgleichszulage. Denn nur, wenn der Mindeststandard in unserem Sozialsystem erhöht wird, kann Armut nachhaltig reduziert werden. 

2. Reform der Sozialhilfe – zurück zu einem sicheren letzten Auffangnetz. Die aktuelle Leistungshöhe der Sozialhilfe ist zu niedrig – auch deshalb, weil keine Mindeststandards im Bundesgesetz definiert sind, sondern lediglich Maximalbeträge. Gleichzeitig ist das Sozialhilfe-System durch die ÖVP-FPÖ-Bundesregierung von einer Mindestsicherung zu einem föderalen Fleckerlteppich zerschlagen worden. Die Folge sind himmelschreiende Ungerechtigkeiten in der Höhe der Unterstützungen je nach Bundesland. Was es braucht, sind bundesweit einheitliche Mindest-Standards, die Deckung der realen Wohnkosten, einheitliche Kinderrichtsätze und das Verbot der Anrechnung anderer Sozialleistungen. Die Sozialhilfe muss wieder zum letzten Auffangnetz für Menschen in Not werden – und zwar unabhängig vom Wohnort. 

3. Reform beim Arbeitslosengeld unter Beibehaltung der Notstandshilfe. Dass die Bundesregierung hier keine tragfähige Lösung zustande bringt, können wir nicht hinnehmen, und auch nicht, dass man sich bislang nicht einmal darauf verständigen konnte, das Arbeitslosengeld und die Notstandshilfe entsprechend der Teuerung anzupassen.