Die Massen stürmten den Info-Abend zur Volksbefragung S 18 in Lustenau

Proppenvoller Reichshofsaal. Es gab viele Informationen und noch mehr Emotionen.
Darum geht’s:
- Geschätzte 700 Besucher bei Info-Abend zur Volksbefragung S18 in Lustenau
- CP-Gegner lautstark, Befürworter und Neutralen verloren akustischen Wettkampf
- Asfinag-Geschäftsführer erläutert Planungsstand der CP-Variante, wenig Fakten zur 3.1-Südvariante
Lustenau “Viele Vereine wären glücklich, sie würden den Reichshofsaal so füllen wie heute”, sprach Bürgermeister Kurt Fischer etwas aus, worin sich die geschätzten 700 Besucher des Informationsabends zur Volksbefragung über die S 18 in der Variante Ostumfahrung Lustenau alle einig waren. Es war wohl das einzige, worin Einigkeit bestand. Denn die beiden Lager verband ansonsten wenig bis nichts. Hier die CP-Gegner, lautstark, euphorisch und geschlossen, dort, die Befürworter oder Neutralen, die den akkustischen Wettkampf klar verloren.

Unendliche Geschichte
Der Bürgermeister umriss in seiner Eröffnungsrede die neuzeitliche Geschichte der Entscheidungsfindung einer Entlastungsstraße zwischen österreichischen und Schweizer Autobahn. Aber selbst diese Episode umfasst bereits zwei Jahrezehnte. Von der Zurückweisung der alten S18 durch den Verfassungsgerichtshof über den “Mobil im Rheintal”-Prozess von 2008 bis 2011, bis zur Situation heute, die zerfahrener scheint denn je.

Mit großer Sachlichkeit und nicht abzusprechender Kompetenz erörterte Asfinag-Geschäftsführer Alexander Walcher den Planungsstand der CP-Variante, wies auf deren hohe Verkehrswirksamkeit genauso hin wie auf den komplexen Weg einer allfälligen Umsetzung. “Unsere Aufgabe ist es, den Ausspruch ‘Ich glaube’ durch Fakten zu ersetzen”, beschrieb der Geschäftsführer des Asfinag-Baumanagement den Anspruch, den sich der Straßenbauer bei seinen Projekten auf seine Fahnen heftet.

Noch wenig Fakten stünden zu der von Umwelt-und Mobilitätsministerin Leonore Gewessler ins Spiel gebrachten 3.1-Südvariante zur Verfügung. Eine Variante, die bei den Schweizer Nachbarn Entrüstung auslöste, wurde sie doch ohne Absprache mit den Schweizern ins Spiel gebracht. “Wir werden fest daran arbeiten, alle Fakten zu dieser Variante zusammenzutragen”, versprach Walcher.

“Der Verkehr nimmt weiter zu”
Um Sachlichkeit bemüht war auch der Vorarlberger Verkehrslandesrat Marco Tittler. Keinen Zweifel ließ der bereits dritte Ressortverantwortliche in der neueren Geschichte der S 18 dennoch, dass er die CP-Variante als eine Möglichkeit einer nachhaltigen Entlastung sieht. “Wir müssen den Verkehr aus den Ortszentren herausbringen”, erläuterte Tittler sein Credo. Das könne nur mit einer leistungskräftigen Verbindung geschehen. “Eines ist klar: Der Verkehr wird in Zukunft weiter zunehmen”, reichte Tittler als Hinweis für die Notwendigkeit einer großen Lösung. Als Beispiel für den Erfolg einer solchen nannte er den neuen Anschluss Rheintal Mitte, der für spürbare Entlastung sorge.

Gespaltene Gemeinde
Die Statements der einzelnen Parteisprecher in der Lustenauer Gemeindestube belegten den Riss, der in Sachen S18 durch die Lustenauer Bevölkerung geht. In der ÖVP gebe es Gegner wie Befürworter, meinte Verkehrssprecher Mathias Blaser. Klar die Haltung der FPÖ. Die Blauen sind eindeutige CP-Befürworter, die Grünen das Gegenteil während bei Neos und SPÖ nicht wirklich herauszulesen ist, wofür oder wogegen sie sind. Eindeutig gegen die CP ist die HAK-Fraktion.

Im Foyer war es im Anschluss an die Vorträge schwierig, in Ruhe aufschlussreiche Informationen an den verschiedenen Kojen zu erhalten. Der Lärmpegel erreichte das Ausmaß des Verkehrslärms an der L 203. Initiative zeigte neben den Straßengegnern nun aber auch Anrainerin Karina Lechtaler. Sie verteilte Flugblätter als Werbung für die CP. Es bleibt spannend.