Polizei übt mit 450 Schülern Amoklauf an HTL Rankweil

Hunderte Schüler sorgten bei der jährlichen Großübung für ein realistisches Umfeld.
Rankweil Einmal im Jahr übt die Polizei in Vorarlberg üblicherweise einen Großeinsatz. Und dass eine Amoklage an einer Schule geübt wird, ist auch nicht überraschend. Doch heuer sprengt die Übung manche Rekorde: So übte die Einsatzeinheit der Polizei vergangenes Jahr in der Walgaukaserne, abseits der Augen der Öffentlichkeit. Damals stellten etwa 100 Personen, überwiegend Polizeischüler, Opfer und Angreifer dar. Diesen Dienstag übte man aber an der HTL Rankweil – mit allein 450 Schülerinnen, Schülern und Lehrpersonen der HTL.
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Die Opfer und Täter wurden überwiegend von Polizeischülern gespielt, hinzu kommen an die 100 geübte Polizisten. Das Rote Kreuz sorgte außerdem für die glaubwürdige Darstellung von Verwundungen. Der Fokus lag dabei wie im Vorjahr auf der Einsatzeinheit der Polizei. Diese kommt grundsätzlich bei Demonstrationen und Fußballspielen zum Einsatz. Sie kann als eine Art Ergänzung zur Einsatzeinheit Cobra verstanden werden. Zu ihren Aufgaben zählen daher noch andere sogenannte polizeiliche Großlagen, die von Rasterfahndungen bis eben zu Terroreinsätzen reichen können.


Doch die ersten Beamten vor Ort sind in der Regel normale Polizeistreifen. „Grundsätzlich hat jeder Polizist die Ausbildung und Ausrüstung für eine solche Situation”, betont Übungsleiter Christian Bihlmayer (39). Die Einsatzeinheit hat jedoch eine vertiefte Ausbildung und sollte in solchen Gefahrenlagen die Führung ihrer Kollegen übernehmen. „Denn die Cobra kann im Zweifel nicht immer und überall sein”, betont der 39-Jährige.


Vor der Übung am Dienstag gab es vonseiten der Polizei auch eine Vorbereitung für die Lehrkräfte der HTL. Somit war die Übung für alle Beteiligten eine Möglichkeit, das trockene Wissen anzuwenden. Die Übung in einer realistischen Umgebung stelle damit eine Win-win-Situation dar, ist Bihlmayer überzeugt. Dazu gehörte auch, dass manche Schüler Rollen zugewiesen bekamen, um den drei Zügen der Einsatzeinheit den Tag schwer zu machen.


Jeder Zug rotierte dabei durch drei Aufgabengebiete: Den Werkstättenbereich, die Klassenzimmer und den Außenbereich, jeder mit eigenen Herausforderungen. In den Gängen finden sich Spuren, Patronenhülsen und andere Vorbereitungen, die auf die Beamten warten. „Die Einsatzeinheit muss solche Hinweise sehen und lesen können”, erklärt Bihlmayer. Denn wie im echten Leben wissen sie beim Eintreffen an der HTL nicht, was und wie viele Herausforderungen auf sie warten. Nur die Priorität ist klar: Zuerst für Sicherheit sorgen, dann den Personen helfen.


Der 15-jährige Noah Montibeller aus Partenen empfand die Übung eher als entspannt. „Ich wusste ja, dass es sich um keinen Ernstfall handelt”, erklärt er. Zweifel, dass es in der realen Situation chaotischer zugehen würde, hat er nicht. Involvierter war Hannah Fink aus Hohenems: „Ich fühlte mich nicht wirklich ängstlich, sondern eher nervenaufreibend und aufgewühlt”, erzählt die 15-Jährige. „Bei einem tatsächlichen Ernstfall hingegen würde ich natürlich schon etwas Angst verspüren.” Aus ihrer Sicht bewältigte die Polizei ihre Aufgabe jedoch gut.


Unterstützt wird die Einsatzeinheit dabei aus der Luft, eine Drohne sorgt für den notwendigen Überblick. Schlussendlich müssen die Täter gestellt, die Verletzten versorgt und Hunderte Schüler sicher evakuiert werden. Beobachter in den einzelnen Bereichen sorgen dafür, dass aus der Übung die richtigen Lehren gezogen werden – falls es doch einmal keine Übung mehr sein sollte.

