Wie man die Freude an Mathematik weckt und das Schreckgespenst besiegt

Vorarlberg / 29.10.2023 • 16:10 Uhr
Wie man die Freude an Mathematik weckt und das Schreckgespenst besiegt
Als habilitiertem Mathematiker ist es Christoph Erath ein Anliegen, dem „Schreckgespenst“ Mathematik entgegenzuwirken. VN/MIH, CANVA

Christoph Erath, habilitierter Mathematiker an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg, setzt sich dafür ein, das negative Image des Fachs zu verbessern. Er hat eine Zeitschrift zum Thema herausgebracht.

Feldkirch In einer Welt, die sich zunehmend auf Technologie und Daten stützt, nimmt die Bedeutung der Mathematik kontinuierlich zu. Dennoch gilt sie oft als schwieriges Schulfach und wird bei Kindern sowie Erwachsenen häufig als „Schreckgespenst“ betrachtet, wie es der habilitierte Mathematiker Christoph Erath von der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg ausdrückt. Aus zahlreichen Studien, etwa dem nationalen Bildungsbericht, geht hervor, dass Motivation und Lernfreude im Laufe einer Schulkarriere gerade im Fach Mathematik dramatisch sinken.

Die neue Zeitschrift bringt motivierende Beiträge für den Mathematikunterricht.
Die neue Zeitschrift bringt motivierende Beiträge für den Mathematikunterricht.

„Viele Lernende entwickeln eine regelrechte Abneigung, die durch die gesellschaftliche Wahrnehmung noch befeuert wird“, berichtet der gebürtige Schlinser von seinen Erfahrungen. Erath betont, dass ein negatives Bild der Mathematik in der Gesellschaft weitreichende Folgen hat: „Wenn Jugendliche kein Interesse an dem Fach haben, ist das ein Verlust für die gesamte Gemeinschaft.“

Doch wie kann man die Freude an einem Fach wecken, das oft als trocken und schwierig empfunden wird? Erath, der unter anderem an der TU Darmstadt und an der University of Colorado Boulder tätig war, hat es sich zur Aufgabe gemacht, genau diese Herausforderung anzunehmen.

Wie man die Freude an Mathematik weckt und das Schreckgespenst besiegt

Gegen gängige Klischees

Die kürzlich veröffentlichte Ausgabe der Zeitschrift der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg, die von Erath herausgegeben wurde und sich dem Thema „Spaß an Mathe! Attraktiver Unterricht an der Schule“ widmet, setzt sich mit gängigen Klischees auseinander und bietet motivierende Beiträge für den Mathematikunterricht. Er betont die Notwendigkeit, dem negativen Image entgegenzuwirken, insbesondere da es für viele Berufsgruppen ein Grundlagenfach ist. Erath unterstreicht, dass eine negative Einstellung gegenüber der Mathematik oft zu eklatanten Wissenslücken führt, die in der beruflichen Ausbildung zum Problem werden können.

Mathematik ist für viele Berufsgruppen ein Grundlagenfach – umso wichtiger wäre ein positives Image, ist der 44-Jährige überzeugt.
Mathematik ist für viele Berufsgruppen ein Grundlagenfach – umso wichtiger wäre ein positives Image, ist der 44-Jährige überzeugt.

Ein Zitat eines Lehrlings, der im Rahmen einer Forschungsarbeit zum Thema interviewt wurde, bringt die Problematik auf den Punkt: „Hätte ich in der Mittelschule schon gewusst, dass ich das brauche, hätte ich mich mehr angestrengt.“ Diese Aussage unterstreicht die Notwendigkeit, das Image der Mathematik zu verbessern und die Relevanz des Faches bereits frühzeitig zu kommunizieren, ist Christoph Erath überzeugt.

„Mathematik berührt uns jeden Tag, bewusst oder unbewusst“, betont Erath und nennt dabei die Prozentrechnung oder die Anwendung von mathematischen Methoden in der Technik als Beispiele. „Sie fördert logische Denkweisen sowie konzeptionelles Wissen und Denken.“

Lehrpersonen als Motivatoren

Eine entscheidende Rolle bezüglich der Motivation spielen dabei die Lehrpersonen. Der 44-Jährige betont die Bedeutung eines attraktiven Mathematikunterrichts, der durch eine motivierende und freudvolle Lernumgebung den Aufbau von Kompetenzen fördert. Er plädiert für einen modernen Unterricht, der die Lernfreude lange, am besten während der ganzen Schullaufbahn, aufrechterhält. „Es sollte für uns als Gesellschaft ein Ziel sein, dass die Lernspaßkurve auch in der Mathematik für alle Kinder nach oben zeigt, um sie besser auf die Herausforderungen der modernen Welt vorzubereiten.“