Jede Woche eine Gemüsekiste: So funktioniert solidarische Landwirtschaft in Rankweil

Vorarlberg / 23.10.2023 • 15:30 Uhr
Auf dem Solawi-Feld wird das ganze Jahr Gemüse angebaut.
Auf dem Solawi-Feld wird das ganze Jahr Gemüse angebaut.

Matthias Henning (36) sucht ErnteteilerInnen für seine Solidarische Landwirtschaft.

RANKWEIL Das ganze Jahr frisches Gemüse ernten? Ja, das geht. In Vorarlberg bei der Solawi (Solidarische Landwirtschaft) Rankweil. „Mir ist es wichtig, in allen Saisons eigenes frisches Gemüse zu haben und es nicht woanders kaufen zu müssen“, sagt der 36-jährige Initiator und Leiter von Solawi Rankweil, Matthias Henning.

Ernteteiler Josef Burgstaller hilft Matthias Henning bei der Arbeit auf dem Hof.
Ernteteiler Josef Burgstaller hilft Matthias Henning bei der Arbeit auf dem Hof.

Eine Solidarische Landwirtschaft ist ein kooperativer Zusammenschluss zwischen einem landwirtschaftlichen Betrieb und einer fixen Abnehmergemeinschaft. Die Erzeugnisse werden in Form von wöchentlichen Erntekisten mit unterschiedlichen Anteilsgrößen auf die AbnehmerInnen, genannt ErnteteilerInnen, verteilt. Die ErnteteilerInnen binden sich mindestens ein Jahr mit der Abnahme der Produkte sowie einer finanziellen Beteiligung an den Betrieb.

Die ErnteteilerInnen dürfen sich auf die reifen Kürbisse freuen.
Die ErnteteilerInnen dürfen sich auf die reifen Kürbisse freuen.

„Ich wollte immer Bauer werden“, sagt Henning, der aus Leinburg, einem Dorf im Landkreis Nürnberg (Deutschland) stammt. Aber statt Landwirtschaft studierte er zunächst Biologie in Salzburg, brach ab und begann eine Zimmererlehre im Bregenzerwald. Damals ist er mit seiner Partnerin Steffi – die Vorarlbergerin hat er während des Studiums in Salzburg kennengelernt – hierher gekommen.
Auch die Zimmererausbildung gab er auf, um endlich seiner Berufung nachzugehen und Landwirt zu werden. Gemeinsam mit Steffi pachtete er einen Bauernhof in Riefensberg. Das war 2016. „Drei Jahre später fanden wir dieses 1,2 Hektar große Grundstück hier in Rankweil“, erzählt Henning. „Darauf ist unser Solawi-Projekt entstanden.“ Dabei handelt es sich um einen gemischten landwirtschaftlichen Betrieb mit Gemüseanbau, Beerensträuchern und Obstbäumen.

Im kühlen, dunklen Erdkeller lagert hauptsächlich Wurzelgemüse.
Im kühlen, dunklen Erdkeller lagert hauptsächlich Wurzelgemüse.

Der Hauptfokus liegt auf dem Gemüseanbau – Lagergemüse und Frisches aus dem Folientunnel – wobei Henning nur biologisches Saatgut verwendet. Im Stadel, den er letztes Jahr gebaut hat, lagern Gemüse und Heu, werden Zwiebel getrocknet und die Jungpflanzen in eigens dafür produzierter Erde gezüchtet. Im Erdkeller daneben lagert hauptsächlich Wurzelgemüse. Zudem hält Henning französische Schafe und Enten, Pommerngänse, Cröllwitzer Puten sowie 15 Hennen und zwei Hähne.

Die Gemüsekisten für die ErnteteilerInnen werden jeden Freitag nach der Ernte gefüllt. <span class="copyright">HRJ (7)</span>
Die Gemüsekisten für die ErnteteilerInnen werden jeden Freitag nach der Ernte gefüllt. HRJ (7)

Die Ernteanteile vergibt Henning immer Anfang des Jahres, „wobei der Bezug von Gemüse mit dem Jahresbeitrag geregelt ist“. Es gibt drei verschiedene Anteilsgrößen: Einzelperson, Zwei-Personenhaushalt, Drei- bis Vier-Personen-Haushalt. Geerntet wird jeden Freitag. Die gefüllten Gemüsekisten werden am Wochenende abgeholt.

Neben dem Stadel hat Matthias Henning einen Erdkeller eingerichtet.
Neben dem Stadel hat Matthias Henning einen Erdkeller eingerichtet.

Das Projekt läuft gut, zieht Henning im nun vierten Anbaujahr Bilanz. „Unsere Gemüsekisten sind auch im Winter gut gefüllt. Und von anfangs 18 ErnteteilerInnen haben wir zurzeit 54.“

Solawi-Leiter Matthias Henning verwendet nur biologisches Saatgut.
Solawi-Leiter Matthias Henning verwendet nur biologisches Saatgut.

Die Ganzjahresversorgung ist jedoch logistisch extrem aufwendig, weshalb Henning eine zusätzliche Gartenfachkraft einstellen möchte. Außerdem ist der passionierte Landwirt mittlerweile Vater von drei Kindern, für die er auch da sein will. Aus diesen Gründen braucht er mehr ErnteteilerInnen, auch welche, die freiwillig auf dem Hof mithelfen. Das Solawi-Konzept an sich beinhaltet die Mithilfe von ErnteteilerInnen, an den Erntetagen sowie für regelmäßige Arbeiten auf dem Feld. „Vorkenntnisse sind nicht nötig“, lässt Henning wissen. „Die Aufgabenbereiche bei uns sind vielfältig.“ Kennenlernen kann man das Projekt Solawi Rankweil im Rahmen der Info-Treffen mit Feldführung. Das nächste findet am kommenden Samstag, 28. Oktober um 9.30 Uhr auf dem Solawi-Feld in Rankweil statt.

ZUR PERSON

MATTHIAS HENNING

GEBOREN 17. September 1987

WOHNORT Rankweil

BERUF Landwirt

FAMILIE Lebensgefährtin Steffi, zwei Söhne (8 und 4 J.), eine Tochter (1,5 J.)

MOTTO Flexibel sein und immer wieder probieren.

KONTAKT www.solawi-rankweil.at, info@solawi-rankweil.at

INFOTREFFEN Samstags, 28. 10. (9:30 Uhr), 04. 11. (14:30 Uhr), 18. 11. (14:30 Uhr), Solawi-Feld, Rankweil, Treietstraße / Oberer Fürstenweg