Lange Leitung auf dem Bodensee

Die zweite Seeleitung für die thermische Seewassernutzung in Bregenz wird eingezogen.
Bregenz Der Bodensee hat eine neue lange Leitung. Sie ist schwarz, exakt 406 Meter lang und verfügt über einen Durchmesser von 70 Zentimetern. Am Mittwochvormittag wurde sie vom Rheindamm über den See nach Bregenz gezogen. Ihr Bestimmungsort: der Bereich zwischen Festspielhaus und neuem Hallenbad, wo seit August an der ersten thermischen Seewassernutzungsanlage Vorarlbergs gebaut wird.


Bei der thermischen Seewassernutzung wird Wasser aus 40 Meter Tiefe entnommen, in der Technikzentrale am Ufer durch Wärmetauscher geleitet und anschließend wieder zurück in den See gepumpt. An der Entnahmestelle liegt die Temperatur das ganze Jahr konstant bei rund 4 bis 6 Grad. Mit den rund zwei Grad, die dem Wasser entzogen werden, werden bald Teile der Stadt über ein eigenes Verteilernetz mit Wärme und Kälte versorgt. Für die Kühlung kann das kalte Wasser direkt verwendet werden. Die Beheizung erfolgt über Wärmepumpen. Nachdem im September die erste Seeleitung zur Entnahme des Wassers in das Bohrloch eingezogen wurde, war am Mittwoch die Rückgabeleitung an der Reihe.
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29 Einzelteile
Die Leitung wurde in der letzten Woche aus 29 Einzelteilen à 14 Meter auf der rechten Rheindammseite zusammengeschweißt. Zwei große Transportschiffe brachten die nicht alltägliche Fracht nach Bregenz. Mit an Bord waren auch drei Taucher. Vor Ort musste die künftige Rückgabeleitung zunächst an das Bohrgestänge gekoppelt, ausgerichtet und anschließend langsam abgesenkt werden. „Wir fangen nachher an, das Rohr von hinten mit Wasser zu füllen, damit es runtergeht. Das dauert mindestens vier Stunden. Am Donnerstag in der Früh wird es dann in das Bohrloch eingezogen“, erläutert Martin Wörz, Bauleiter bei i+R, bei einem Lokalaugenschein am Mittwoch kurz vor Mittag.



Die ersten rund 350 Meter der Leitung verlaufen unterirdisch, der zweite Teil liegt auf dem Seegrund auf. Das hat mit der Wassertiefe zu tun. „Wir haben die Vorgabe von der BH, dass die Leitung mindestens fünf Meter unterhalb des Wassers sein muss. Daher mussten wir bis zur Halde, wo der See erst anfängt, tief zu werden, bohren”, sagt Wolfgang Winkler, Geschäftsführer der Stadtwerke Bregenz.


Zwölf Megawatt
In einem ersten Schritt werden das Hallenbad und Festspielhaus mit der Energie aus dem Seewasser versorgt, in weiterer Folge Gebäude im Bereich Bregenz Mitte und Weiherviertel. „Von der Wärmeleistung ist die Anlage ungefähr gleich wie das Biomasseheizwerk, das in Weidach gebaut wird. Wir werden hier rund zwölf Megawatt Wärme erzeugen und in Weidach rund zehn Megawatt“, ergänzt Oliver Drees, der bei den Stadtwerken für den Bereich regenerative Energien zuständig ist.

Bis die geplanten 700 Liter Wasser pro Sekunde aus dem See geholt werden können, dauert es allerdings noch etwas. Demnächst werden jene Teile an die Rückgabe- und Entnahmeleitung montiert, die künftig auf dem Seegrund liegen. „Bei der Entnahmeleitung sind es noch einmal 260 Meter, bei der Rückgabeleitung 130 Meter. Die ist kürzer, weil die Rückgabe in 25 Meter Tiefe erfolgt“, führt Bauleiter Wörz aus. Im November stehen die ersten Arbeiten an der Baugrube für die großteils unterirdische Technikzentrale auf der Agenda. In einem knappen Jahr soll dann mit dem Probebetrieb gestartet werden. Die offizielle Inbetriebnahme ist Anfang 2025 geplant.
