Trainermangel sorgt für langes Warten auf Deutschkurse

Asylwerber müssen heuer ab der Anmeldung bis zu acht Monate warten, bis ein Deutschkurs beginnt.
Darum geht’s:
- Asylwerber müssen lange auf Deutschkurse warten
- In Vorarlberg gibt es einen Mangel an Trainern für Deutschkurse
- Lokale niederschwellige Deutschcafes bieten ersten Kontakt mit der Sprache
Sprachkurse für Asylwerber: Warten auf Integration
Schwarzach Wer arbeiten möchte, wer Teil des gesellschaftlichen Lebens werden will, wer sich integriert, der muss die deutsche Sprache zumindest ansatzweise verstehen. Asylwerber sollten deshalb rasch einen Sprachkurs besuchen. Viele wollen auch – doch zeitweise müssen sie sehr lange warten, wie eine Anfragebeantwortung von Landesrat Christian Gantner (ÖVP) an die Neos zeigt.
In Vorarlberg gibt es zwei große Institutionen, die Deutschkurse für Asylwerberinnen und Asylwerber anbieten. Einerseits die Caritas, andererseits den Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF). Der ÖIF übernimmt dann, wenn Asylwerbern eine hohe Bleibewahrscheinlichkeit attestiert wird, weshalb zum Beispiel nahezu jeder Syrer dort unterkommt. Das ÖIF hat im Vorjahr in Vorarlberg 2029 Plätze in Deutsch- und Alphabetisierungskursen gefördert. Die anderen übernimmt die Caritas. Sie bot im Vorjahr 76 Sprachkurse für Asylwerber an. Im Zeitraum von 2018 bis 2022 haben 4156 Asylwerber einen Caritas-Kurs absolviert. Beide richten ihr Angebot nach dem Bedarf, heißt es in der Anfragebeantwortung.
Wartezeiten für Deutschkurse steigen
Der Bedarf wäre zwar höher, es fehlt aber das Personal. Hat sich ein Asylwerber im Vorjahr für einen Caritas-Kurs angemeldet, musste er drei bis vier Monate auf den Kursstart warten. Heuer liegt die Wartezeit aufgrund des Trainermangels bei sechs bis acht Monaten. Allerdings würden in den kommenden Wochen neue Trainerausbildungskurse starten, schreibt Gantner in der Anfragebeantwortung. Der ÖIF kann keine Wartezeiten nennen.
Kritik an der Regierung: Wertvolle Zeit für Integration wird vergeudet
Für Neos-Klubobmann Johannes Gasser ist die lange Wartezeit ein Ärgernis. Damit würde wertvolle Zeit für Integrationsarbeit vergeudet, sagt er. “Oft kommt von der ÖVP das Argument, dass Asylwerber zuerst Deutsch lernen müssen, bevor sie arbeiten dürfen. Das ist zynisch, wenn man dann auf einen Deutschkurs bis zu acht Monate warten muss.“
Für das aktuelle Jahr hat die Landesregierung bis zu 650.000 Euro für Deutsch- und Alphabetisierungskurse der Caritas zur Verfügung gestellt. Diese Kurse richten sich an alle, die für ein Asylverfahren zugelassen sind. Seit 2021 ist jedoch für jene mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit der ÖIF zuständig. Auch Vertriebene aus der Ukraine sowie Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte erhalten Deutschkurse beim ÖIF.
Gantner betont in der Anfragebeantwortung zudem: “Zahlreiche Gemeinden und Städte in Vorarlberg bieten lokal niederschwellige, ehrenamtliche Deutschcafes, Lerntreffpunkte und offene Orte für Konversation und Austausch an. Diese Orte können einen Deutsch- bzw. Alphabetisierungskurs nicht ersetzen, ermöglichen aber einen ersten Kontakt mit der deutschen Sprache.”
Übergang auf den Arbeitsmarkt
Die Neos haben sich in ihrer Anfrage auch dem Übergang auf den Arbeitsmarkt angesehen. Gasser fühlt sich durch die Beantwortung in seiner Kritik bestätigt: Die Datenlage sei zu schlecht, um den Übergang gezielter bewerkstelligen zu können. “Unsere Forderung ist hier endlich eine bessere Schnittstelle zwischen Sozialhilfe und AMS sicherzustellen. Wir müssen diese Menschen in Schulungsmaßnahmen bringen.” Der Frauenanteil unter den Sozialhilfebeziehern liege bei 44 Prozent, der Anteil unter den Menschen in AMS-Betreuung aber nur bei 36 Prozent. Man müsse also vor allem darauf achten, was mit den anderen Frauen geschieht. “Ein Fokus muss dort auf den Frauen liegen, damit sie in der Mitte der Gesellschaft intergeriert werden, finanziell auf eigenen Beinen stehen können und ihre Familien sozial abgesichert sind”, fordert Gasser.