Symbiose von Kreativität und Technik

Vorarlberg / 28.09.2023 • 16:20 Uhr
Symbiose von Kreativität und Technik
Werner Scheffknecht leitet mit viel Umsicht die Geschicke des Filmclubs Bludenz. BI

Werner Scheffknecht engagiert sich als Obmann für den Filmclub Bludenz.

Bludenz Werner Scheffknecht gehört zum Urgestein des Film- und Videoclubs Bludenz. Er ist seit nunmehr 34 Jahren Obmann des Vereins, der heuer sein 50-Jahr-Jubiläum feiert. Am 12. Oktober startet um 19.30 Uhr die Jubiläumsfeier mit einem abwechslungsreichen Programm in der Remise in Bludenz.

Aus welchem Anlass starteten Sie mit dem Filmen?
SCHEFFKNECHT Mein Sohn Markus wurde 1980 geboren. Ich habe mir von meinem Papa eine Filmkamera geliehen, das war damals noch eine Super- 8-Kamera mit chemischem Film. Markus wurde von mir in allen möglichen Positionen gefilmt, die Kamera war unser ständiger Begleiter. Ich wollte seine Entwicklungsschritte möglichst genau dokumentieren. Natürlich habe ich das dann aus Begeisterung ein bisschen übertrieben.

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Werner Scheffknecht leitet mit viel Umsicht die Geschicke des Filmclubs Bludenz. BI

Wie waren Ihre ersten Erfahrungen mit dem Film- und Videoclub Bludenz?
SCHEFFKNECHT Ich bin mit dem Filmemachen auf der Stelle getreten und habe mir Unterstützung für meine Fragestellungen gesucht. So kam ich 1984 zum Film- und Videoclub Bludenz. Dort zeigte ich einen Film von unserem Italien-Urlaub, allerdings nur als Stummfilm mit Zwischentiteln. Ich war dann zuerst ein wenig frustriert, als mir von den erfahrenen Mitgliedern des Vereins geraten wurde, den Film doch unbedingt mit Ton zu unterlegen. Und sie hatten noch zahlreiche weitere Ratschläge auf Lager.

Nach dieser ersten Erfahrung kamen Sie aber weiterhin zu den Vereinsabenden?
SCHEFFKNECHT Ja, denn ich habe dort einfach unglaublich viel gelernt, aber auch durch die entsprechende Fachliteratur. Der Filmclub Bludenz wurde 1973 als erster dieser Art in Vorarlberg gegründet. Die erklärte Zielsetzung des ambitionierten Vereins beinhaltete, gute Amateurfilme zu schaffen und zu pflegen, also schlichtweg unser „Handwerk“ mit allen Regeln zu beherrschen und laufend zu verbessern. Von diesem Zugang habe ich im Lauf der Jahre sehr profitiert.

Sie wurden dann recht rasch Obmann des Vereins?
SCHEFFKNECHT Ich wurde als gelernter Elektroniker sehr schnell zum Gerätewart ernannt und kam alsbald in den Vorstand des Vereins. Dort legte ich eine „steile“ Karriere hin, denn im Jänner 1989 wurde ich Obmann. Nun bin ich rund 34 Jahre Obmann, und den Job werde ich nicht so einfach wieder los. Mir bereitet diese Funktion grundsätzlich viel Freude, da sie sehr abwechslungsreich und vielseitig ist.

Was sind die Hauptaktivitäten des Filmclubs Bludenz?
SCHEFFKNECHT Wir wollen die Grundlagen des gehobenen, aber nicht des professionellen Films vermitteln. So befassen wir uns unter anderem mit der Kameraführung, dem Schnitt, der Nachbearbeitung, der Tontechnik und der Filmplanung. Unsere Filmplanung machen wir meistens im Team, indem wir gemeinsam nach neuen Ideen suchen und versuchen, diese auch zu realisieren. Außerdem unterstützen wir andere kulturschaffende Vereine bei Live-Auftritten. Aber auch der Austausch mit anderen Filmclubs ist uns wichtig.

Stichwort Netzwerken: Sie haben auch vier Mal den Wettbewerb der Euro-Filmer in Bludenz ausgerichtet?
SCHEFFKNECHT Das ist richtig. Es war sehr spannend, sich mit Filmemachern aus dem Amateurbereich aus ganz Europa auseinandersetzen zu können. Das hebt den Blick über den eigenen Tellerrand. Ich finde es beispielweise spannend, wie Filme in Skandinavien produziert werden. Die haben einen eher melancholischen und düsteren Touch. Ich empfand diesen Austausch jedes Mal als sehr bereichernd. Ich bin auch mit 70 Jahren noch immer lernfähig, das hört hoffentlich nie auf.

Die technische Entwicklung bildete sicherlich auch eine große Herausforderung?
SCHEFFKNECHT Als ich beim Filmclub Bludenz begann, gab es noch Zelluloid – Normal-8- oder Super-8-Filme, beziehungsweise auch die anspruchsvolleren 16-mm-Filme. Im Lauf der 1980er-Jahre kam dann das Video als neues Medium auf den Markt. Die damalige Technik war im nicht professionellen Bereich eher bescheiden, man erinnere sich an die verwaschenen, grünlichen VHS-Bilder.

Damals war auch noch ein recht umfangreiches Equipment notwendig?
SCHEFFKNECHT Dieses bestand aus einer zehn Kilo schweren Schulterkamera, zusätzlich musste für die Tonaufnahmen noch ein schwerer Rekorder mit herumgeschleppt werden. Das war auch körperlich eine Herausforderung. Heute erzielt man schon mit einer kleinen Handkamera in 4k-Technik sensationelle Aufnahmen. Vom analogen VHS-Format bis heute waren viele komplexe Schritte in der technischen Entwicklung nötig. Das Spannende am Film bleibt jedoch die kreative Idee sowie ein Gefühl für die Dramaturgie und Filmgestaltung. Leider ist heutzutage das Smartphone der Tod jeglichen guten Filmemachens.

Welche Filme zählen zu den Highlights des Filmclubs Bludenz?
SCHEFFKNECHT Wir erhielten sehr viel positive Resonanz zu unserer Dokumentation über die Geschichte der Laurentiuskirche, zum 200-jährigen Bestehen der Firma Getzner, aber auch zu „Ein Ort der Begegnung“, worin das Würbel-Areal im Mittelpunkt stand. Ich möchte in jedem Film eine Geschichte erzählen. Am liebsten sind mir jedoch die Recherchen zu den jeweiligen Projekten. Da kann ich eintauchen und mich minutiös damit beschäftigen. BI

zur person

WERNER SCHEFFKNECHT

GEBOREN 9. Jänner 1953

FAMILIE Verheiratet mit Gabriele, zwei Söhne, vier Enkelkinder

WOHNORT Bludenz

BERUF Kundenprojektleiter in der Halbleiterindustrie, seit 2015 in der Pension

HOBBYS Gitarre spielen, Film und Video, Interesse an historischen Ereignissen, Wandern und Tennis (gesundheitsbedingt etwas reduziert)

LEBENSMOTTO Alles wird gut.