Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

„Ma söt . . .“

Vorarlberg / 20.09.2023 • 05:30 Uhr

. . . und dann blickst Du unvermittelt in ein Gesicht und erkennst die alte Bekanntschaft erst im zweiten Anlauf. Du stammelst etwas freudig Überraschtes, während im Oberstübchen eine Maschinerie rattert, dass es eine Art hat: Was weißt Du noch über ihn oder müsstest Du wissen? Wo liegen die Anknüpfungspunkte? Herrgott, schon so lange nicht mehr gesehen! Jetzt nur nicht auffällig die Blicke die Silhouette entlang wandern lassen … Du meine Güte, der hat aber zugelegt!

Du stellst Fragen. Aus dem verbindlich-harmlosen Köcher ziehst Du die Fragepfeile und legst sie unsicher an die Bogensehne. „Was machen die Kinder?“ (Sich lieber nicht auf Namen einlassen, viel zu gefährlich!) „Du bist aber noch nicht … Großvater?“ Nein? So geht’s dahin. Noch ein Anekdötchen zum Drüberstreuen. Und am Ende geht Ihr auseinander, und in der Luft wabert das Satzfragment, dass man jetzt aber wirklich einmal … demnächst oder so. Dabei habt Ihr beide das Gefühl, dass der jeweils andere eigentlich ein famoser Kerl ist. Und Ihr fragt Euch, warum man sich nicht wirklich öfter sieht.

Als Antwort gewinnt wieder das berühmte „Ma söt“ (man sollte), das pflichtbewusste Schwesterchen von der eiligen „No schneall“ (noch schnell) die Oberhand, und im Sauseschritt rauschen beide der nächsten Verpflichtung entgegen. Dabei wäre schon viel gewonnen, wenn man die Gnade hätte, „ma söt“ in eine Frage umzuwandeln: „Söt ma?“ Wirklich? Das schüfe Raum, ganz leis entschlafene Freundschaften wiederzubeleben.